Berliner Perlen

Der Berg ruft

Beim Outdoor-Laden „Der Aussteiger“ in Prenzlauer Berg gibt es Ausrüstung für Bergsteiger und Wanderer. Und in der Filiale gegenüber finden Eltern auch Kleidung für den Nachwuchs

Sein Leben lang hat Mario Bornschein Sport getrieben. Auch wenn es gerade nicht danach aussieht. 15 Meter hoch hing der heute 50-jährige passionierte Kletterer in den Seilen, als er im Herbst 2014 abstürzte. „Es war die Situation, vor der ich als Ausbilder immer warne“, sagt er. „Und das geschah nicht einmal in den Bergen, sondern beim Training.“

Davon, in sein Geschäft zu kommen, hielten ihn weder der Rollstuhl ab noch die Krücken, die er noch braucht. Wofür das Herz des Ladeninhabers schlägt, ist unübersehbar: Fotos von Ski-Wanderern und Bergsteigern auf luftigen Gipfeln zieren die Wand. „Der Aussteiger“ an der Danziger Straße 41 in Prenzlauer Berg ist Anlaufstelle für jene, die hoch hinaus wollen. Fans des Wanderns, Bergsteigens und Trekkings – einem mehrtägigen Marsch ohne feste Unterkunft – oder Menschen, die gerne draußen sind. Als „Alltags- und Urlaubsausstatter“, so der Slogan, trifft „Der Aussteiger“ nicht nur im Szenekiez in Prenzlauer Berg auf Interesse. 22 Jahre gibt es das Geschäft, „eröffnet haben wir am 9.9.’93 um 9 Uhr 93“, sagt Bornschein und grinst: „Manche kamen damals zu früh, die hatten den Scherz nicht verstanden.“

Fast alles selbst getestet

Das Startkapital hatte sich der Ex-DDR-Leistungssportler nach dem Fall der Mauer als Würstchenverkäufer am Brandenburger Tor verdient, den ersten Laden in einer Ruine an der Schliemannstraße hat er selbst hergerichtet. Seit neun Jahren ist „Der Aussteiger“ nun an der Danziger Straße beheimatet, Filialen gibt es in Potsdam und Magdeburg, eine weitere in zwei Wochen an der Warschauer Straße.

Dabei ist Bornschein keiner, der Modetrends hinterherjagt. „Hätte man mir früher gesagt, du wirst mehr Konfektion verkaufen als Eispickel, hätte ich gelacht“, sagt er. Heute ist er pragmatischer: „Weil ich so viel Kleidung anbiete, kann ich mir den Eispickel im Sortiment für den einen Kunden leisten.“ Noch immer aber macht die Mode nur 30 Prozent des Sortiments aus. Und da erinnert nichts an die puritanisch plumpe Ausstattung, mit der Bornschein vor Jahren seinen ersten 8000er-Gipfel anging. Es gibt Unterwäsche aus Merinowolle, dehnbare Jeans fürs Bouldern, das Klettern ohne Kletterseil, oder schick gemusterte Pullover. „Ich habe zwar noch nie einen Anzug getragen“, sagt Bornschein, „aber ich habe Einkäufer, die mehr Geschmack besitzen als ich.“

Besonders groß ist die Auswahl bei den Rucksäcken. Vollgepackt, um sie unter Realbedingung testen zu können, nehmen sie die gesamte Fensterfront ein. Daneben hängen Schlafsäcke. Kaufen, ohne das Produkt gewendet und befühlt zu haben, müssen Kunden beim „Aussteiger“ nicht. Ohnehin geht bei Bornschein und seinen 40 Mitarbeitern nur wenig ohne Beratung und fast nichts ungeprüft über den Ladentisch. Selbst neue Unterwäschemodelle werden am Körper getestet und in der Maschine gewaschen, ehe sie gelistet werden.

Auch namhafte Firmen hat der gebürtige Magdeburger bereits bewegen können, eigene Qualitätsvorstellungen umzusetzen. Ein robusterer Reißverschluss, eine andere Naht, eine bessere Füllung beim Schlafsack. Nach „Aussteiger“-Vorgaben veränderte Modelle werden unter den eigenen Labeln „pure“ und „Outdrop“ verkauft. Weil er selbst auch als Industriekletterer gearbeitet hat, verkauft Bornstein außerdem alles, was diese Höhenarbeiter brauchen. Unter den insgesamt etwa 9000 Artikeln im Geschäft findet sich aber auch manches Kuriose wie die Taschendusche oder das Kissen mit eingebauter Solarlampe.

Einen ganz neuen Weg beschritt Bornschein mit einer eigenen Outdoor-Filiale für Kinder schräg gegenüber vom Stammhaus. Wie bei allen „Aussteiger“-Läden wurde auch hier die Einrichtung selbst entworfen und unter Regie von Filialleiterin Anne Reimschüssel in Eigenarbeit gefertigt. Kaum einer, der nicht mit der Hand über die organischen Kanten der Ladentheke fährt. Die Kieselauslage im Schaukasten, ist für die Kinder geheimnisvoll rot beleuchtet. Das Highlight ist die Raumfahrertestanlage, in der die kleinen Kunden ihre Plüschtiere auf einen Probeflug schicken können. Am Ende gibt es eine Medaille.

Zelt zu verleihen

Stärker als im Stammhaus ist in der Kinderfiliale Bekleidung vertreten. Schließlich wird Outdoor-Konfektion heute auch im Stadtalltag gern getragen. Egal ob Schuhe oder Jacke: Geachtet wird darauf, dass stets preisgünstige Modelle darunter sind. Die Vielfalt an Rucksäcken wird hier noch durch Schultaschen erweitert. Besonders gefragt aber, sagt Bornschein, sei die Trinkflasche eines US-Herstellers, die mittlerweile auch als „Aussteiger“-Flasche angeboten wird. Und weil nicht jede Outdoor-Ausrüstung ständig gebraucht wird, gibt es für Kinder – wie gegenüber für Erwachsene – Zelte, Kletterbedarf und anderes im Verleihservice.

„Der Aussteiger“ Danziger Straße 41, Prenzlauer Berg, Tel.: 441 04 14; Mo.-Sbd., 10-22 Uhr