Bühnencheck

Die Ballade von Uschi und Bolle

Wer die Karl-Marx-Straße entlanggeht fragt sich schnell, wo denn der ach so gehypte Trendbezirk Neukölln sein soll.

Mit wenigen Ausnahmen reiht sich hier Billigladen an Spielhalle an Handyshop. Es ist der Kiez von Uschi und Bolle. Beide jung und auf Hartz IV. Sie träumt von einem Leben mit Reisen, von Amerika, Softeis und Bikinis und von der weißen Schäferhund-Porzellanfigur aus dem Schnäppchenladen. Bolle träumt von seinem Motorrad und Uschi. Doch die Liebesgeschichte der beiden ist kurz, heftig und endet tragisch.

Nach einem Streifzug durch den Bezirk Neukölln schrieb Uta Bierbaum im Jahr 2013 das Kurzstück „Uschi und Bolle“. 2014 wurde daraus mit den Kompositionen von Arash Safaian „Exit Paradise“. Ein bittersüßes Singspiel in der Regie von Paul-Georg Dittrich, das nun wieder in der kleinen Studiobühne der Neuköllner Oper zu sehen ist.

Auf der Bühne dreht sich ein mit Vorhängen bestücktes Karussell. Für Uschi und Bolle ist es Straße und Schaufenster zugleich. Vorzüglich gesungen und gespielt wird das unglückselige Liebespaar von Sopranistin Ulrike Schwab und Bariton Martin Gerke. Zu ihnen gesellt sich noch Mezzosopranistin Ena Pongrac als Lana. Ein in Gold und Rosen gekleidetes Traumwesen von Uschi, die für Lana del Rey schwärmt. So wie die berühmte Sängerin würde sie auch gerne sein. Die Realität sieht anders aus: Uschi wird schwanger und muss abtreiben.

Den Neuköllner Alltag und den Kampf der Liebenden um ein bisschen Hoffnung hat Arash Safaian musikalisch zwischen Rock und Klassik eingefangen. Eingespielt von Markus Zugehör am Klavier und und Natasha Jaffe am Cello. Dazu verdichten elektronische Elemente von Sandra M. Heinzelmann und Videos von Steffen Kraska die zunehmend trostlosere Atmosphäre. Eine starke, authentische Inszenierung.

Neuköllner Oper Karl-Marx-Str. 131-133, Neukölln, Tel. 68 89 07 77. Termine: 3./14., 20./21., 27./28. & 30./31.5., 20 Uhr. Karten kosten 13 Euro, ermäßigt 9 Euro