Ausflugs-Tipp

Einmal um den Plötzensee

Mitten in der Stadt: Viel Natur zwischen Parks, Kanälen und Kleingartenkolonien

Wedding hat etwas, das andere Innenstadt-Bezirke nicht haben: einen echten See. Der Plötzensee entstand in der Eiszeit und wird von vielen Fischen bewohnt. Ganze Schwärme von Rotaugen zogen früher durch das 7,85 Hektar große und bis zu sieben Meter tiefe Gewässer. Plötzen werden die kleinen Karpfen auch genannt, sie gaben dem See seinen Namen. Gerade jetzt, wenn alles grünt und blüht, das Freibad aber noch geschlossen ist, findet man hier ein entspannendes Naturerlebnis. Das Gelände wird eingerahmt von Parks, Kleingartengebieten, Kanälen und Gewerbeanlagen und dem Virchow Campus der Charité.

Wir starten unseren Spaziergang an der Station Westhafen, in einem der interessantesten Industriegebiete Berlins. Vom Bahnhof aus laufen wir in Richtung des Berlin-Spandauer Schifffahrtskanal, der die Spree und die Havel miteinander verbindet. Wir passieren die Föhrer Brücke, von der aus wir einen ersten Blick auf die mächtigen Gebäude der Berliner Hafen- und Lagerhausgesellschaft mbH (BEHALA) werfen, und biegen direkt hinter der Brücke links in einen schmalen Weg ein. Der Weg führt dicht am Nordufer entlang. Jogger, Radfahrer und Spaziergänger sind hier unterwegs.

Der Fußweg endet an der viel befahrenen Seestraße, die wir überqueren. Direkt auf der anderen Straßenseite erreichen wir den Plötzensee. Nördlich von dem Gewässer liegen die Rehberge, südlich das Gelände der Justizvollzugsanstalt, die um 1870 herum entstand. Viele, sowohl Berliner als auch Touristen, verbinden den Namen des Sees vor allem mit dem Gefängnis, das während des Zweiten Weltkriegs auch eine Hinrichtungsstätte der Nazis war. Mehr als 3000 Menschen wurden dort ermordet. Die Gedenkstätte für die Opfer und auch das Gefängnisgelände befinden sich allerdings in einiger Entfernung südlich des Hohenzollernkanals in Charlottenburg.

Freibad aus dem 19. Jahrhundert

Wir gehen auf den See zu und laufen die Hans-Schomburgk-Promenade entlang, auf der man den halben See umrunden kann. Nach wenigen Minuten erreichen wir eine kleine Lichtung, von der aus man einen guten Blick auf das gegenüberliegende Freibad hat. Die Geschichte des Bads reicht bis zum Jahr 1877 zurück als ein Sportlehrer namens Auerbach eine bewachte Badestelle einrichtete und diese hochtrabend „Auerbachsches Wellenbad“ nannte. 1891 wurde das Bad vergrößert, ab 1923 begann dann unter dem Gartenbaudirektor Rudolf Germer der Ausbau der Grünanlagen und des Promenadenwegs. In den Jahren 1926 bis 1928 wurde nach Plänen der Architekten Walter Krüger und Johannes Krüger das zweigeschossige Backsteingebäude mit seiner breiten Freitreppe gebaut. Es steht heute unter Denkmalschutz.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Plötzensee ein beliebtes Ausflugziel. Die Gartenlokale „Deutscher Kaiser“ und „Deutscher Kronprinz“ lockten Gäste an, genau wie urige Gaststätten mit Namen wie „Zum schwarzen Ferkel“ und „Zum ollen Seemann“. Gastronomie gibt es heute nur im Freibad, Musik weht allenfalls vom Badestrand herüber. Mit ein wenig Glück trifft man auf den gebürtigen Portugiesen Zem, der oft am Ufer sitzt, auf seinem Banjo spielt und Bluessongs singt. Der Mann mit den langen grauen Haaren hat schon in mehreren Ländern gelebt, jetzt wohnt er in Prenzlauer Berg und besucht regelmäßig den See um zu musizieren. Die Promenade führt weiter zu Stellen, an denen Besucher auf Bänken sitzen und picknicken können. Ein schmaler Pfad führt auf ein ehemaliges Friedhofsgelände, das heute dekorativ verwildert. Hier kann man zwei mächtige alte Blutbuchen und eine Stieleiche bewundern.

Nach diesem Abstecher folgen wir der Promenade, die kurz hinter den Picknickplätzen nicht mehr am Wasser entlang führt. Wir laufen durch Sportanlagen und kommen an der Kleingartenkolonie Plötzensee und am Eingang des Freibads vorbei. Einige Trampelpfade führen zu Bänken, von denen aus sich das Treiben auf dem Hohenzollernkanal und dem nahegelegenen Hafen beobachten lässt. Der Weg, dem wir folgen, ist die Verlängerung des Nordufers, das uns zurück zum Westhafen bringt.