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Fotokampagne zur neuen Spielzeit

Die Fotos auf dieser Doppelseite stammen von dem jungen Fotografen Julian Röder. Seine Aufnahmen sind auch auf den ersten Seiten der Saisonvorschau zu finden.

So wie in dieser Spielzeit die Bilder des leider vor gut zwei Wochen völlig überraschend verstorbenen Sascha Weidner, werden Röders Fotos in der kommenden Saison das Erscheinungsbild der Deutschen Oper Berlin nach außen prägen.

Diese Bilder stehen für das Leitthema der nächsten Saison: die politische Dimension von Musiktheater. Die Neuproduktionen sind Werken gewidmet, in deren Zentrum Fragen stehen, die uns alle bewegen: Der Umgang mit dem Fremden, der machtpolitische Einfluss von Religionen, der Konflikt zwischen individuellem Glück und den Regeln eines totalitären Systems.

Und ebenso wie die Kunstform Oper diese Themen in ihrer hoch ästhetischen Form behandelt, indem sie oft die grausamsten Inhalte mit hinreißender Musik kombiniert, so vereinen auch die Bilder Julian Röders die schöne Form mit verstörendem Inhalt.

Sie zeigen idyllische Landschaften, die sich auf den zweiten Blick als Sammelplätze von Demonstranten oder Polizeieinheiten erweisen, oder auch Rebellen, die wir – nicht anders als Verdis Opernhelden in ihren Arien – in Momenten der Einsicht und Kontemplation erleben. Das Foto, das für den Titel der Saisonvorschau ausgesucht wurde, zeigt diesen Gegensatz geradezu exemplarisch: Aufgenommen während einer Waffenmesse in Saudi-Arabien, wirkt es dennoch irritierend idyllisch und strahlt keine Aggression, sondern eine beiläufige Geschäftigkeit aus, die in Kontrast zum Zweck der ausgestellten Kriegsgeräte steht.

Mehr als jede andere Kunstform scheint Oper dazu geeignet, solche Widersprüche, die es in jeder Gesellschaft gibt, bewusst zu machen. usi