Romanze

Liebe einst und jetzt

Nicholas-Sparks-Verfilmung mit Clints Sohn Scott Eastwood: „Kein Ort ohne Dich“

Auch ein Roman von Nicholas Sparks, dem Rosamunde-Pilcher-Surrogat aus North Carolina, kann zur Vorlage eines sehenswerten Films taugen. Das war bisher immer dann der Fall, wenn das Buch attraktive Rollen für Schauspieler jenseits der 70 hergab, siehe Paul Newman in „Message in a Bottle“ oder Gena Rowlands in „Wie ein einziger Tag“. Nun ist es an dem bald 80-jährigen Alan Alda, der Verfilmung von Sparks’ „The Longest Ride“ eine Prise Humor und eine Ahnung von Tiefe zu verleihen.

Alda spielt den Witwer Ira Levinson, der nach einem Verkehrsunfall von einem zufällig vorbeikommenden, frisch verliebten Pärchen ins Krankenhaus gebracht wird. Jenes Pärchen, die Kunststudentin Sophia (Britt Robertson) und der Profi-Bullen-Reiter Luke (Scott Eastwood, Clints Sohn), durchleben all die Konflikte, die man eben so hat, wenn die körperliche Anziehung groß ist, aber die Welten so gar nicht zusammen passen wollen.

Zwischendurch liest Sophia dem pflegebedürftigen Ira aus den gesammelten Briefen vor, die er, ein einfacher Krämer, und seine große Liebe Ruth, eine leidenschaftliche Kunstsammlerin, sich zeitlebens schrieben. In Rückblenden wird erzählt, wie die Wienerin Ruth (Charlies Enkelin Oona Chaplin) einst vor den Nazis nach North Carolina floh und dort nicht nur dem Charme der progressiven Kunstschule, des Black Mountain Colleges, erlag.

Zugegeben, der Film spannt einen gewagten Bogen, trägt dick auf, aber er macht das relativ dezent. Man erfährt ein wenig über das Adoptionsrecht in den 50er-Jahren, das Bullenreiten und über Schattierungen des amerikanische Seelenlebens, die einem mitunter fremder vorkommen, als das meiste, was man aus dem gegenwärtigen Kunstkino aus fernen Ländern so zu sehen bekommt. Natürlich versucht auch „Kein Ort für Dich“, sein Publikum vor allem in romantische Wallungen zu versetzen, aber neben den anrührenden Auftritten von Alan Alda gibt der Film einem mehr zu Denken, als man es von einem Sparks-Produkt bisher erwarten musste.

Romanze: USA 2015, 120 min., von John Tillman Jr. , mit Scott Eastwood, Britt Robertson, Alan Alda, Jack Huston

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