Arnos Woche

Je länger, desto teurer?

Arno Müller über eine absurde Idee zum Thema Klimaschutz

Klimaschutz ist wichtig, gar keine Frage. Aber mancher Einfall dazu ist einfach absurd! Im Berliner Senat ist aus Umweltgründen doch tatsächlich die Idee einer Staffelung der Parkgebühren aufgekommen – und zwar sollte sich die Höhe des Tarifs nach der Länge des Autos richten. Eine meiner besten Freundinnen würde jetzt sagen, die sind doch vollkommen bekloppt. Wie könnten wir uns das praktisch vorstellen und welchen Sinn soll es haben? Sollen künftig die Mitarbeiter des Ordnungsamts mit Zollstock durch die Innenstadt laufen und die Länge der geparkten Fahrzeuge messen? Und was hat die Länge eines Autos mit unserem Klima zu tun?

Der Senat begründete seinen Vorstoß damit, dass die Größe eines Autos mit seiner CO2-Emission zusammenhängt. Das mag durchaus sein, wenn man ein Zwei-Personen-Fahrzeug mit einem Wagen für fünf Leute vergleicht. Der Kleinere stößt mit Sicherheit weniger Kohlenstoffdioxid aus als der Größere mit den mehr PS. Doch schon, wenn man einen kurzen Sportwagen einer geräumigen und längeren Familienkutsche gegenüberstellt, sieht die Sache ganz anders aus. Der Sportwagen mag weniger Zentimeter in der Länge messen, jedoch hat er viel mehr PS als das Familienauto. Würde der Senat seine Pläne durchsetzen, würde das also heißen, dass eine fünfköpfige Familie, die aus Platzgründen auf einen großen Wagen angewiesen ist, höhere Parkgebühren zahlen soll als derjenige, der zwar den Kleineren hat, aber eben mit fetten 500 PS durch die Stadt rast. Das ergibt für mich überhaupt keinen Sinn. Der CO2-Ausstoß der Autos in Berlin wird nicht dadurch geringer, dass die Parkgebühren für lange Autos erhöht werden. Beim Parken, also Stehen, stößt ein Wagen übrigens auch gar nichts mehr aus!

Zum Glück hat sich der Senat diese Sache durch den Kopf gehen lassen. Und verworfen. Es gibt schließlich viele andere und weitaus effektivere Möglichkeiten, um etwas für den Klimaschutz zu tun. Gegenwärtig werden die CO2-Emissionen während der Herstellung von Plastiktüten weltweit auf 60 Millionen Tonnen jährlich geschätzt. Das ist ein Problem! Daher sind in Kalifornien Einweg-Plastiktüten mittlerweile verboten. Das wäre doch mal eine gute Sache für den Klimaschutz!

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von5 bis 10 Uhr)