Berliner Perlen

Das Segel bestimmt die Richtung

Im Fachgeschäft „Dietmar Nippgen Bootsbeschläge und Zubehör“ von Ralf Selbmann an der Hauptstraße in Friedenau gibt es alles für die kleine Paddeltour und den großen Segeltörn

„Leinen los!“, heißt es dieser Tage auf den Berliner und Brandenburger Gewässern. Das „Anbooten“ will allerdings gut vorbereitet sein. „Dazu gehört die alljährliche Sanierung, Reinigung und Pflege aller Bootsoberflächen, besonders jener, die ständig unter Wasser sind“, erklärt Ralf Selbmann, Inhaber des Fachgeschäfts „Dietmar Nippgen Bootsbeschläge und Zubehör“ an der Hauptstraße in Friedenau. Wer sein Wasserfahrzeug fit machen möchte, dem steht Selbmann mit Rat und Tat zur Seite – mit etwa 10.000 Artikeln auf 400 Quadratmetern und einem Reparaturservice in der angrenzenden Werkstatt.

Wer sich etwa ein Schlauchboot zulegen möchte, hat die Auswahl: von kleinen Yacht-Beibooten ab 400 Euro bis zu großen Exemplaren ab 1000 Euro. Selbmann nennt sie „Spaßboote“, weil sie perfekt für einen spontanen Familienausflug sind. Seit Jahrzehnten im Freizeitbereich im Einsatz, „leben Schlauchboote von ihrer Flexibilität, sind aber beratungsintensiv“, so der Fachmann, der in Kundengesprächen zunächst Einsatzort und Passagierzahl erfragt. Denn das sind wichtige Kriterien für die empfohlenen technischen Parameter. Zudem sollten sich künftige Bootsreisende unbedingt im Vorfeld über spezifische Gesetze und Bestimmungen informieren.

Online eher zu Werbezwecken

Seit mehr als 40 Jahren ist der Friedenauer Bootsausrüster so etwas wie eine Berliner Institution. Bereits 1972 hatte Firmengründer Dietmar Nippgen Wert darauf gelegt, alle Produkte auf Lager zu haben – bis heute ein erfolgreiches Konzept. Zu den fünf Mitarbeitern gehören auch der 22-jährige Sohn und Ehefrau Andrea, die „gute Seele“ an Bord, die von Anfang an dabei ist.

Als der gebürtige Berliner Selbmann, zunächst Mitarbeiter eines Hamburger Schiffsausstattungsgroßhändlers, 1995 das Geschäft von seinem ehemaligen Geschäftspartner Dietmar Nippgen kaufte, profitierte er sowohl von seiner Sporterfahrung als auch von seiner fachlichen Kompetenz. „Ich kann ehrlich sagen, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe“, so der 50-Jährige.

Der Laden ist ganzjährig geöffnet. Das vielfältige Angebot reicht von Tauwerk, Ankern, Segelzubehör und Flaschenzügen bis zu Ferngläsern und Navigationselektronik. Pflegemittel wie Wachse, Polituren und Farben haben ebenso ihren Platz wie Rettungsmittel: Leuchtbojen, Rettungsringe und -westen. Außerdem verschieden geformte sogenannte Fender zum Polstern und Abfedern beim Anlegen. Und ganze Regale voller Funktionskleidung: von wasserdichtem Ölzeug und der klassischen Segeljacke bis zu leichten, schnell trocknenden Neoprenanzügen für Aktivitäten auf offenen Jollen, wo „das Kentern nun einmal dazu gehört“. An Bord sollten nur spezielle Bootsschuhe getragen werden, deren Sohlen rutschfest sind und die das Boot nicht beschädigen.

Und weil schon immer Informationen über Wetter, Uhrzeit und Koordinaten überlebenswichtig für Seeleute waren, haben in Selbmanns Laden Messgeräte wie Barometer, Kompasse und Schiffsuhren einen Ehrenplatz. Letztere auch als Geschenkartikel, wie die Replik eines historischen Rettungsbootmagnetkompasses aus Messing für 395 Euro, ein Präsent der besonderen Art.

Auch den Fachbüchern kann die Internetkonkurrenz nichts anhaben. Schon gar nicht den kultigen Logbüchern. Die klassischen Schiffstagebücher sind etwas ganz Persönliches für jeden Schiffsreisenden. „Weil die Seefahrt historische Wurzeln hat, ist unsere Klientel auch so traditionsbewusst und Hardware-affin“, sagt Selbmann und entnimmt dem Regal ein schön gebundenes Buch mit dem Titel „Die Seemannschaft. Handbuch für den Wassersport“. Voller Respekt nennt Selbmann das voluminöse Werk „Bibel und Knigge des Wassersports“. Als „Lexikon des guten Benehmens auf See“ enthalte es alle wichtigen Begriffe, Normen und Regeln zu Wasser.

Guter Einstieg mit dem Segelschein

Eine gute Seemannschaft zu haben sei ein großes Lob, ein erster Schritt dazu: der Erwerb des Segelscheins – ein spannender, lehrreicher Einstieg. „Junge Leute finden den Segelschein heute einfach cool“, sagt Selbmann, der beobachtet, dass ein Schiff soziale Kompetenz schulen kann und Generation vereint. Ein gemeinsames Schiff sei wie ein Familienmitglied. Deshalb sei ja auch Wassersport nicht elitär sondern vielmehr eine Zeitfrage. Eine echte Herausforderung, der Natur nahe zu sein, sich ihren Elementen auszusetzen, habe einen enormen Erholungseffekt. Den Alltag loslassen, das gelinge auf dem Wasser in extrem kurzer Zeit. Für jenen, der sich auf eine längere Fahrt einlässt, gelte: „Der Weg ist das Ziel.“ Es ist also durchaus philosophisch gemeint, wenn Ralf Selbmann ein chinesisches Sprichwort zitiert: „Nicht der Wind, sondern das Segel bestimmt die Richtung.“

Bootsbeschläge und Zubehör Hauptstraße 92-93, Friedenau, Tel.: 852 18 41, Mo.-Fr., 9- 18 Uhr; Sbd., 9- 13 Uhr