Berliner Perlen

Einen Bissen Luxus

Sascha Sonnenberg hat in Wilmersdorf das Geschäft „Hund und Katz“ eröffnet, eine Art Manufactum für Berliner Tierfreunde, die ihren Vierbeinern etwas Gutes tun wollen

„Ja, hallo Udo“, ruft Sascha Sonnenberg und geht sofort auf Tauchstation, „da bist du ja wieder.“ Udo ist noch etwas scheu und presst seinen Körper auf das historische Stabeichenparkett im Kaufhaus Sonnenberg, Berlins neuem Nobelgeschäft für Hunde und Katzen. Schnell holt Sonnenberg einige Leckerli für den massigen, dunkelbraunen Schäferhundmix aus der Hosentasche. Udo gehört einer der bekanntesten Wahrsagerinnen Deutschlands. Sie ist ebenso Kundin von Sonnenberg wie Sternekoch Tim Raue. „Aber wir legen großen Wert darauf, dass wir ein Geschäft für alle sind, die ihrem Hund oder ihrer Katze artgerechte Ernährung kaufen wollen und jenseits von Strass und Chichi Wert auf die guten alten Dinge legen“, sagt der 46-Jährige. Das muss nicht, aber das kann teuer sein.

Zusammen mit seinem Partner hatte er sich über ein Jahr konzeptionell mit der Idee des Vierbeinergeschäfts auseinander gesetzt. Das kann Sascha Sonnenberg von Hause aus, denn er war mehr als 20 Jahre lang in der Prozessteuerung nobler Autofirmen tätig. Schon länger hegte er den Traum von der Selbstständigkeit. „Doch es musste der richtige Moment kommen“, sagt er. Auf der Suche nach besserem Futter für seinen schwarz-weiß gescheckten Pointer-Rüden Tommi, enttäuscht vom ramschigen Ambiente der Futterdiscounter, kam ihm die Idee mit dem Kaufhaus.

Plaids für Restaurantbesuche

Herausgekommen ist ein erfrischend anderes Geschäft, das allein durch seine stilvolle Einrichtung und die schlicht gehaltenen Schaufenster immer wieder Passanten in den Laden lockt, auch wenn sie selbst gar keine Haustiere haben. Auf den ersten Blick könnte man die Räume auch für eine noble Verkaufsstelle von Landhaus-Accessoires halten. Aus den Boxen tropft cooler Jazz von Till Brönner, die Regale erinnern an alte Obst- und Kartoffelkisten, von der Decke hängt ein riesiger Kranz aus Mosen und Flechten. Auf einem Holztisch stapeln sich Decken und Plaids. Die lebensgroßen Gipshunde wurden eigens von einer Bilderhauerin angefertigt.

Zu den Accessoires gehören strapazierfähige Schlafstellen für die besten Freunde des Menschen. Es gibt sie in englischem Tweed mit Latexunterlage, in einfachem, festem Stoff und in der Luxusvariante aus handgenähtem Leder für 900 Euro von der Berliner Firma Cloud 7. Pfiffig sind Plaids, die sich zur Tragetasche zusammenlegen lassen. „Die eignen sich zum Beispiel für den Restaurantbesuch“, sagt Sascha Sonnenberg. Und kosten 39 Euro.

Konzept des Inhabers ist, unterschiedlich teure Versionen eines Produkts anzubieten, „immer handwerklich einwandfrei, von preiswert bis kostbar“. Und nie teurer als die unverbindliche Preisempfehlung des Herstellers. So gibt es schlichte Fressnäpfe aus Edelstahl der Firma Harry Barker. Aber auch die Deluxe-Version ganz in Weiß vob der Königlichen Porzellan Manufaktur für 168 Euro. Plastik oder Kunststoff sucht man bei den meisten Produkten vergebens. Stattdessen gibt es Ausgefallenes wie die handgefertigten Hundeleinen der Firma Elbband aus Tampen und Seilen von Booten und Schiffen. Oder die von einem Berliner Sattler handgefertigten Halsbänder und Leinen aus weichem, pflanzlich gegerbten Leder.

Gleich wenn man das Geschäft betritt, stehen linkerhand geflochtene Körbe voller Leckerbissen für Hunde. Es gibt getrocknete Rinderherzen, Hühnerhälse, Wildrippchen, Rinderohren oder gedörrte Rinderlunge. „Vom Schwein haben wir nichts“, betont Sonnenberg. Erstaunlich ist, dass die krachigen Snacks überhaupt nicht stinken, nicht einmal riechen. Das liege daran, dass diese Produkte sehr schonend getrocknet würden, erklärt Sonnenberg und erzählt, wie lange er mit seinem Partner nach einem Dörrbetrieb gesucht habe, der nach seinen Vorstellungen arbeitet.

Snacks der Hausmarke „Edelbeiss“

In Süddeutschland hat er ihn gefunden. 48 Stunden würden die Fresswaren bei unterschiedlichen Temperaturen getrocknet. Mittlerweile stellt der Betrieb exklusiv für Sonnenberg Kau-Snacks der Hausmarke „Edelbeiss“ her, etwa aus balaststoff- und vitaminreichem Lammfleisch und aus Entenmägen. „Alles Gute für die Schnute lautet unser Motto“, ergänzt Sonnenberg lächelnd.

Das gilt auch für den Bereich Nassfutter. Das wird teilweise sogar aus Fleisch von Tieren aus artgerechter Haltung hergestellt. Auch hier ist die Preisspanne beachtlich: Bei zwei Euro pro Dose geht es los und ab hier aufwärts bis knapp neun Euro. Sogar tiefgefrorene Menüs für Hund und Katze sind im Angebot. Die Abteilung der Katzenaccessoires wird zudem gerade ausgebaut. Und ab Ende Mai soll ein Pavillon in der Königlichen Gartenakademie in Dahlem bezogen werden.

Kaufhaus für Hund und Katz Lietzenburger Straße 62, Wilmersdorf, Tel. 88 70 96 40, Mo.-Fr. 10-19 Uhr, Sbd. 11-18 Uhr, www.sonnenberg.berlin