Bühnencheck

Bizarres Promi-Gipfeltreffen

Gerade noch klimperte Marilyn Monroe verführerisch mit ihren Wimpern, da klappt auf einmal ihre kurvige Oberweite, Körbchengröße Doppel-D, um, und unser aller Lieblingsvamp ist verschwunden. Stattdessen steht plötzlich eine glubschäugige Mona Lisa da, mit Louvre-Goldrahmen. Das Duo ist mindestens so seltsam wie das ungleiche Paar Angela Merkel und Helene Fischer, das sich ebenso die Ehre gibt. Da verwundert es schon nicht mehr, dass auch Biene Maja, Albert Einstein und Justin Bieber auf der gleichen Bühne stehen.

Ein bizarres Promi-Gipfeltreffen. Möglich machen es die kreativen Papierkostüme des international gefeierten Verwandlungskünstlers Ennio Marchetto. Im Tipi am Kanzleramt präsentiert er nun seine aktuelle Parade so origineller wie hintersinnig böser Celebrity-Parodien. Mittels raffinierter Zieh- und Klappmechanismen mutiert der gebürtige Venezianer in „The Living Paper Cartoon“. Seit mehr als 20 Jahren zeigt der 55-jährige Marchetto nun schon seinen immer neuen Origami-Reigen mit über 50 blitzschnellen Kostümwechseln pro Show.

Anfang der 80er-Jahre gestaltete Ennio extravagante Kostüme und Masken für den Karneval in Venedig, der gerade eine Renaissance erfuhr. Irgendwann kreierte er sein erstes Papierkostüm. 1988 erhielt er beim Entertainment-Festival Venedig für seine Kreationen den Goldenen Löwen. Die virtuose Performance lebt natürlich auch von Ennios pantomimischem Können. Neben den genialen, quietschbunten Papierkleidern sitzen Gestik und Mimik bei jeder Imitation perfekt. Dazu passend erklingt ein wild zusammengewürfelter Soundtrack von Rammstein über Beyoncé bis Edith Piaf.

Für seine Berliner Gastspiele entwirft Ennio eigens deutsche Stars. Fünf Tage dauert die Herstellung eines Papierkostüms, das spätestens nach zwei Jahren hinüber ist. Ennios geliebte Marilyn ging deshalb in Massenproduktion. Eine Show ohne die blonde Leinwand-Ikone kann er sich nämlich nicht vorstellen.

Tipi – Das Zelt am Kanzleramt Große Querallee, Tiergarten, Tel. 0180-327 93 58, Vorstellungen: 10.–22.4., Di.–Sbd. , 20 Uhr, So., 19 Uhr, Karten 25,10–39,50 Euro