Best of Berlin

Die Zeit, die Zeit

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Manuela Blisse

In der Nacht zu Sonntag werden die Uhren um eine Stunde vorgestellt. Doch das gilt nicht für alle Zeitmesser. Vor allem in Berlin lassen sich einige kuriose Stücke finden. Eine Auswahl

Charlottenburg: Hier zeigen Glaskugeln, wie spät es ist

1. In der Nacht zu Sonntag (29. 3.) werden die Uhren um 2 Uhr eine Stunde auf 3 Uhr vorgestellt. Die Sommerzeit beginnt. Wie Zeit sprichwörtlich fließt, kann man im Europa-Center sehen. Der Franzose Bernard Gitton hat 1982 einen 13 Meter hohen, sich über drei Etagen erstreckenden Zeitmesser kreiert. Der zeigt mittels zwölf großer (für die Stunden) und 30 kleiner, flacher Glaskugeln die Zeit an. Letztere füllen sich alle zwei Minuten. Der Zeitfluss wird durch eine neongrüne Flüssigkeit in den Kugeln sichtbar.

Uhr der fließenden Zeit im Europa-Center, Tauentzienstr. 9–12, Charlottenburg, rund um die Uhr geöffnet

Wedding: Ein Hahn und Vögel auf einer Sonnenuhr

2. Ende 2012 verließ das Zucker-Museum seine angestammte Adresse in der Amrumer Straße. Ende dieses Jahres soll das „süße Museum“ dann im Deutschen Technikmuseum wiedereröffnet werden. Am alten Standort bleibt dabei die Sonnenuhr. Es ist zwar nicht mehr das Original des 1901 bis 1903 erbauten Instituts für Zuckerindustrie, sondern ein Ersatz aus den 50er-Jahren. Obwohl das Gebäude, jetzt genutzt von der TU für Lebensmittel-Verfahrenstechnik, derzeit eingerüstet ist, erkennt man die mit einem Hahn und Vögeln gestaltete Uhr, wenn man am Haupteingang in den Höhe schaut.

Ehemaliges Zucker-Museum Amrumer Str. 32, Wedding, Bus 106, 221, Tram M13, 50 Seestr./Amrumer Straße

Kreuzberg: Ein Wandbild zeigt, was die Stunde geschlagen hat

3. Ein Wandbild, das ein Zeitmesser ist: Am Eckhaus Riemann-/Nostitzstraße wurde die Fassade zur Sonnenuhr. Das rund zehn mal zehn Meter große Ziffernblatt zeigt zwar keine Zahlen. Doch die Schattenstäbe funktionieren tatsächlich, werfen bei Sonnenschein Schatten, sodass man in etwa die Zeit erahnen kann. Da sie nicht parallel zur Erdachse verlaufen, müssen die verschiedenen Jahreszeiten eingerechnet werden. Auch die nicht existente Umstellung von Winter- auf Sommerzeit und umgekehrt muss natürlich beachtet werden.

Sonnenuhr-Wandbild Riemann-/Ecke Nostitzstraße, Kreuzberg, U7 Gneisenaustraße

Tiergarten: Das erste Berliner Lichtsignal am Potsdamer Platz

4. Berlins erste Ampel – ein fünfeckiger Verkehrsturm samt Uhr – wurde 1924 am Potsdamer Platz errichtet. Vorbild war der „Traffic Signal Tower“ in der New Yorker Fifth Avenue. Auf der Seite der Potsdamer Platz Arkaden, mitten auf dem Gehweg, steht ein Nachbau des Lichtsignals. Der Turm, der 2010 durch einen Brand beschädigt, ein Jahr später aber wieder in Betrieb genommen wurde, hat keine verkehrsregelnde Funktion mehr. Dennoch blinkt es rot, gelb und grün – und die Zeit wird außerdem angezeigt.

Lichtsignal Potsdamer Platz Potsdamer Platz/Ecke Potsdamer Straße, Tiergarten, U2 Potsdamer Platz, SEV für Linien S1, 2, 25

Neukölln: Die wahrscheinlich größte Sonnenuhr Europas

5. Mit einem Durchmesser von 99 Metern hat die Sonnenuhr auf dem Kalenderplatz im Britzer Garten Übergröße. Sie wurde von den Architekten Jürgen Dirk Zilling, Jasper Halfmann und Klaus Zillich geplant. Mit ihren Maßen lehnt sie sich an römische und indische Vorbilder an und soll die größte Sonnenuhr Europas sein. In der Mitte zeigt ein 14 Meter langer, geneigter Stab im Winkel der Erdachse nach Norden. Am Rand ragen 24 stählerne Rippen für jede Stunde aus dem Boden. Auf dem als Ziffernblatt dienenden Platz finden sich besondere Linien für Monate, die Sommer- und Wintersonnenwende.

Britzer Garten Buckower Damm 146, Neukölln, Bus M44 Britzer Garten, tägl. 9–18, ab April bis 20 Uhr, 2–3 Euro, erm. 1–1,50 Euro, Tel. 70 09 06-80, www.gruen-berlin.de

Wilmersdorf: „Sie sagt nich tick, sie sagt nich tack …“

6. Wie eine Sonnenuhr funktioniert? Das verrät der kugelförmige, hohle und aus Eisen gefertigte Zeitmesser am Volkspark Wilmersdorf, der 1970 geschaffen wurde: „ Sie sagt nich tick, sie sagt nich tack, hat keene Jlocke, hat keenen Schlag. Wenn die Sonne scheint, denn jeht se, und wenn’s rejnet, denn steht se“ ist am Travertinsockel zu lesen. Auf einer der Scheiben befinden sich die Tierkreiszeichen, auf einer Bronzetafel die Himmelsrichtungen.

Sonnenuhr Blisse-/Ecke Uhlandstraße, Wilmersdorf, Bus 101, 249 Am Volkspark

Prenzlauer Berg: Die liegende, vergessene, verwitterte Zeit

7. Im September 1995 erblickte die anlässlich des UN-Klimagipfels erschaffene „Lebende Sommeruhr“ in der Grünanlage „Falkplatz“ das Licht der Welt. Inzwischen hat der Zahn der Zeit an ihr genagt. Teils von Moos überwachsen erkennt man den aus weißen und braunen Tonsteinen in Form einer Mauerspirale angelegten Zeitmesser kaum mehr in seiner Funktion.

Lebende Sonnenuhr Falkplatz, Prenzlauer Berg, Bus 247 Gleimstraße

Mitte: Die einzige Uhrenmanufaktur in Berlin hat auch ein Museum

8. „Wir stehen für eine modelltreue Produktion“, sagt Askania-Chef Leonhard R. Müller. 1871 gegründet, ist das Unternehmen heute Berlins einzige Uhrenmanufaktur. So werden die Uhren-Serien nur leicht modifiziert: „C. Bamberg“ gibt es nun auch mit rundem Ziffernblatt oder die auffällige „Taifun“-Pilotenuhr auch als kleines Modell. Zum Uhrensalon in der Uhlandstraße 179/180 gehört auch ein kleines Museum (Mo.– Sbd. 10.30–18.30 Uhr).

Askania Flagshipstore Rosenthaler Str. 40/41, Mitte, S5, 7, 75 Hackescher Markt, Mo.–Sbd. 12–20 Uhr, Tel. 24 08 31 69, www.askania-berlin.de

Tiergarten: Rätselhafte Zahlen und Zeichen im Englischen Garten

9. An der halbrunden Eisenkugel laufen die meisten Passanten achtlos vorbei. Dass es sich bei dem skulpturartigen Gebilde neben dem Teehaus im Englischen Garten um eine Sonnenuhr handelt, ist denn auch kaum auf den ersten Blick zu erkennen. Auch das Zahlenband in der Mitte hilft da nicht. Sind doch statt der üblichen Ziffernblatt-Zahlen die Nummern vier bis 20 vermerkt. Auf dem Sockel notiert ist nur die Herkunft: „Geschenk einer Tiergartener Bürgerin 1937“.

Sonnenuhr im Englischen Garten Altonaer Str. 2/2a, Tiergarten, U9 Hansplatz, Bus 100, 106, 187 Großer Stern