Don Carlo

Gefangene der geistlichen Macht

Villazón, Harteros, Lewis, Dupuis, Smirnova: „Don Carlo“ lockt im April mit Starbesetzung

Er zählt nach wie vor zu den berühmtesten Tenören der Welt. Doch auch als Opernregisseur feiert Rolando Villazón Erfolge. Vor wenigen Wochen erst ist der aus Mexiko stammende Ausnahmesänger für seine erste Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin bejubelt worden. Der begeisterte Schlussapplaus nach der Premiere von Puccinis „La Rondine“ erhielt durch den emphatischen Verbeugungsauftritt des Regisseurs, der offenbar am liebsten alle Mitwirkenden (und wohl auch das Publikum) umarmt hätte, noch zusätzlichen Schub. Dieser Mann sorgt in jeder Funktion für Furore, sogar wenn er Romane schreibt oder Cartoons zeichnet.

Jetzt aber darf man ihn an der Bismarckstraße endlich wieder als Sänger erleben. Rolando Villazón übernimmt die Titelpartie in Giuseppe Verdis „Don Carlo“. Eine große Rolle in einem Schwergewicht des Opernrepertoires, das zudem mächtig besetzt ist. Zu Villazón als Infant von Spanien gesellt sich in der Rolle des Marquis von Posa der kanadische Bariton Etienne Dupuis. Ihn hat man in der Deutschen Oper Berlin unter anderem bereits als Barbier von Sevilla gehört und gesehen. Im Mai übernimmt Dupuis die Titelpartie in Tschaikowskijs „Eugen Onegin“. Nun aber gibt er erst mal in der eng an Schillers Drama angelegten Verdi-Oper den Jugendfreund des Don Carlo, jenes tragischen Prinzen, der heimlich seine Stiefmutter liebt. Diese Königin Elisabeth wird im April unter anderem von Anja Harteros (23. April) sowie Kristin Lewis verkörpert, die weltweit etwa als Aida Triumphe feierte. Anstelle von Villazón singt Stefano La Colla am 26. April die Titelpartie. König Philipp II. ist in allen Aufführungen Giacomo Prestia, der aus Florenz stammende Sänger interpretiert eine der klanggewaltigsten Basspartien der Opernliteratur. Auch Prinzessin Eboli ist wieder mit Anna Smirnova herausragend besetzt. Am Pult steht Generalmusikdirektor Donald Runnicles.

Rund zwei Jahrzehnte rang der Komponist an diesem düsteren Werk. Keine andere seiner Opern hat Verdi so oft bearbeitet wie „Don Carlo“. Auf insgesamt sieben Versionen brachte er es dabei. In Berlin wird die vieraktige Mailänder Fassung gespielt. Fast glaubt man zu spüren, wie sehr der Schöpfer der Oper selbst mit all den politischen, religiösen und gesellschaftlichen Zwängen rang, unter denen seine Protagonisten leiden. Denn egal welchen politischen Rang die Figuren besitzen, in diesem Ränkespiel sind sie allesamt Gefangene, vor allem der geistlichen Macht, die der Großinquisitor auf eine Weise verkörpert, die Gänsehaut verursacht. Regisseur und Bühnenbildner Marco Arturo Marelli zeichnet in seiner Inszenierung, die im Oktober 2011 Premiere feierte, den Klerus im Spanien des 16. Jahrhundert als ein Netzwerk des Terrors.

Do 23. April 19 Uhr, So 26. April 18 Uhr, Do 30. April 19 Uhr, So 3. Mai 18 Uhr