5. Tischlereikonzert

Shakespeare und die Liebe

„Wenn die Musik die Nahrung der Liebe ist, spielt weiter“, lässt Shakespeare den Herzog Orsino in „Was ihr wollt“ sagen. Shakespeare und die Liebe – das ist ein unerschöpfliches Thema.

Shakespeare und die Musik ebenso. Nicht nur, weil der Dichter eine enge Beziehung zur Musik hatte. Seine Sprachkunst selbst hat musikalische Qualitäten. Nicht wenige Zuhörer empfinden seine Sonette als Musik. Shakespeare hat mit Worten komponiert, Verse mit Rhythmus aufgeladen und Reime wie Melodien gesetzt. Kein Wunder, dass seine Werke zu allen Zeiten die Komponisten inspirierten. Kaum ein Dichter wurde über die Jahrhunderte öfter in Musik gesetzt, für Oper und Konzert, Musical und Pop.

Das 5. Tischlereikonzert gibt unter dem Motto „Shakespeare – With Love“ einen kleinen Einblick in die Fülle der Shakespeare-Vertonungen von Henry Purcells „The Fairy Queen“ bis zu Thomas Adès „Court Studies from The Tempest“. Auch Lieder und Kammermusikwerke von Strawinskij, Prokofjew und Leonard Bernstein stehen auf dem Programm. Der Schauspieler Reinhard Scheunemann liest ausgewählte Passagen aus Dramen und Lyrik des Dichters.

Für den Abend hat die Deutsche Oper Berlin ein Werk bei dem mexikanischen Komponisten Mathias Hinke in Auftrag gegeben. Die Vorgabe lautete: Das neue Werk soll sich auf Shakespeares „Romeo und Julia“ beziehen. Das fiel dem Komponisten zunächst nicht leicht. „Ich habe das Stück zwei Mal gelesen und damit gehadert. Shakespeares Sprache ist großartig, aber mich stört, dass hinter der Fassade von Liebessehnsucht und Naivität Gewalt verherrlicht wird.“ Also entschloss er sich, von der Geschichte zu abstrahieren, auf Shakespeares Texte ganz zu verzichten und den Gewaltaspekt in den Vordergrund zu stellen – gepaart mit Shakespeares ironischem Unterton.

„Mentales Ghetto“ lautet sein Arbeitstitel. Neben Sopran, Querflöte, Bratsche, Violoncello und Kontrabass sieht die Besetzung auch einen Sprechchor aus vier Schülern vor. „Dadurch wird das Stück zu einer Mikro-Opera“, verrät der Komponist, der 1997 schon „Der selbstsüchtige Riese“ nach Oscar Wilde für die Deutsche Oper schrieb und seitdem in Berlin lebt. Mit dem Sprechchor bringt er die inneren Stimmen eines Menschen zum Klingen. Während ein Gewalttäter sein Opfer schlägt, sagt eine Stimme, dass er mit der grauenvollen Tat aufhören soll, doch eine andere Stimme stachelt ihn weiter auf.

Drei Opern hat Mathias Hinke schon geschrieben, zwei von ihnen wurden in New York uraufgeführt. Jetzt freut er sich auf den Shakespeare-Abend: „Die Zuhörer sollen vorher gar nicht so genau wissen, was sie erwartet. Sie sollten in die Aufführung gehen wie in einen Film und sich überraschen lassen.“

Mo, 13. April, 20 Uhr, Tischlerei