Tragikomödie

Frag den Tankwart

Generationenkomödie über Menschen im Übergang: „Zu Ende ist alles erst am Schluss“

Die Tankstelle wird als Ort der Sinnstiftung oft unterschätzt. Dabei liegt der Gedanke so nahe: Wo man so essentielle Dinge wie Treibstoff oder Süßigkeiten nachladen kann, sollten sich auch Geist und Seele versorgen können. In Jean-Paul Rouves Verfilmung des David-Foenkinos-Romans „Zu Ende ist alles erst am Schluss“ sieht man, wie dieser Wunsch in Erfüllung geht. Da steht der Langzeitstudent Romain (Mathieu Spinosi) mit derselben Ratlosigkeit vor den Schokoladenriegeln, wie er sie bei der Berufsfindung und der Frauensuche empfindet. Der Tankwart rät ihm zu Twix, da seien zwei drin. Und weil sich das so weise anhört, fragt ihn Romain, was er tun sollte, um endlich die Frau seines Lebens zu finden. „Aufhören zu warten“, sagt das Orakel hinter der Kasse.

Man kann solche Szenen furchtbar blöd finden in ihrer künstlichen Putzigkeit, in der moderne Psychologie, kommerzielle Ratgeberliteratur und vage Spiritualität zum bewährten Feelgood-Effekt finden. Man kann sie aber auch genießen als hübschen Fluff, leicht konsumierbar und leicht zu vergessen, zwei Vorteile, die man genauso wenig unterschätzen sollte wie die Metaphernkraft der Tankstelle.

„Zu Ende ist alles erst am Schluss“ ist voll solcher Szenen, eine putziger als die andere. Der Schwerpunkt liegt bei Romain und seiner Großmutter (Annie Cordy), die wie er eine schwierige Periode des Übergangs durchmacht: Bei ihr ist es der Umzug ins Altersheim. Auch die dritte Hauptperson des Films, Romains Vater (Michel Blanc) kämpft mit einer Transition: Er geht in Rente und hat das Gefühl, nun überflüssig und ungeliebt zu sein.

Zu keinem Moment befindet sich eine der Figuren je in echter Gefahr, was wie gesagt auch nicht stören muss. Zumal der ganze Film wie durchzogen ist von der melancholischen Weisheit der französischen Chansons, die die Handlung begleitend kommentieren. „Was bleibt von unseren Lieben?“ fragt da eine Charles-Trenet-Cover-Version und nur Menschen ohne Herz würde es gelingen, nicht heimlich mit zu sinnieren.

Tragikomödie: F 2014, 94 min., von Jean-Paul Rouve, mit Mathieu Spinosi, Annie Cordy, Michel Blanc, William Lebghil

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