Krimi

Heimreisen gehen meist ziemlich schief

Die vierte Wolf-Haas-Adaption mit Josef Hader als Ex-Kommissar Brenner: „Das ewige Leben“

Man kann zwar zurückschauen, auf die Jugend, auf die Heimat. Aber zurückkehren kann man nicht. Geht immer irgendwie schief. Am besten sagt man’s, wie so vieles, mit Wolf Haas. Der sagt: Heimat als Prinzip und Rückzugsort geht deswegen meist schief, weil „Heimat im Prinzip für jeden Menschen immer ein bisschen Ding“ ist.

Da passieren dann die unheimlichsten Dinge. Etwa dem Brenner. Den hat Wolf Haas erfunden. Der war mal Kriminalkommissar in Wien. Dann hat der Haas ihn allmählich kaputt gemacht. Am Anfang seines vierten Kinoabenteuers sitzt der Brenner (Josef Hader) im Arbeitsamt. Und er sieht scheiße aus. Man muss es so sagen. Keinen Wohnsitz hat er, keine Arbeit, keine Renten-, keine Krankenversicherung. Beruflich habe er eine schlechte Phase, sagt er der Jobzentralendame. Nix mit schlechter Phase, sagt die, „Sie san an U-Boot“. Da fällt ihm ein, dass er noch ein Haus hat. Vom Opa. In Puntigam. In der Heimat. Der Brenner kehrt heim. Und es geht granatenmäßig schief.

Puntigam, das kann man vom Bier kennen („Lustig samma! Puntigamer!“). Oder als Bezirk von Graz. Es regnet gern da. Und dann natürlich beim Brenner rein. Weil das Haus des Großvaters ist auch Ding. Keinen Strom hat’s und keine Heizung. Aber das alte Moped ist noch da. Von Puch. Knattert schön. Damit fährt der Brenner im Kopf durch die Jungmännerzeit. Mit den Kumpels. Dem Irrsiegler, dem Aschenbrenner, dem Köck, der Maritschi. In Rückblenden erzählt Regisseur Wolfgang Murnberger davon. Jetzt regnet’s nicht nur dauernd, es sind alle auch am Arsch. Der Irrsiegler ist schon lange tot, den hat’s mit dem Motorradl aus der Kurve getragen. Der Brenner hat so Kopfschmerzen, dass er nicht weiß, ob er sich nicht vielleicht die Walther PPK selbst an die Schläfe gesetzt und abgedrückt hat, weshalb er in der Klinik landet. Der Aschenbrenner ist zwar ein hohes Tier bei der Polizei, aber so herz- wie der Brenner hirnkrank. Der Köck hat einen Altwarenladen und sieht auch so aus.

Brenners Rückkehr löst eine Kettenreaktion aus. Die Lunte ist lang, sie beginnt bei Polizeischülern, die sich ausprobieren wollen. Der Brigadier Aschenbrenner (Tobias Moretti) lebt jetzt mit der Tochter von der Maritschi und dem Irrsiegler zusammen (Nora von Waldtstätten), die wiederum den hirngeschädigten Brenner (Josef Hader) therapiert und die Tochter aller vier Kumpels sein könnte. Kaum ist der Brenner wieder in Opas Immobilie, fliegt alles in die Luft.

„Das ewige Leben“ ist ungefähr so rasant wie eine Puch. Also gar nicht. Und das ist auch vollkommen in Ordnung so. Das funkelt trotzdem. Da knurrt an jeder zweiten Ecke ein grandioser, grimmiger Witz. Aber es ist dunkler geworden. Ist nicht frei von Bitterstoffen. Ein Film über vier durchgesessene Leben. Über Schuld und Verdrängung und alte Liebe. Grandiose Schauspielduelle. Fabelhafte Farben. Sehr weise und langsam. Ganz schön Ding.

Krimi: Ö/D 2014, 123 min., von Wolfgang Murnberger, mit Josef Hader, Tobias Moretti, Nora von Waldstätten

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