Fantasy

Pubertierende Revolution

Diese Saga lässt einen ein wenig ratlos zurück: „Insurgent – Die Bestimmung 2“

Es muss zunächst eingestanden werden, dass der Verfasser dieses Textes der Pubertät schon ein paar Jahre entwachsen ist. Entsprechend berührt ihn der hier besprochene Film auf andere Weise, als von den Produzenten vorgesehen. Da Sie als geneigte Leser statistisch gesehen die Adoleszenz ebenfalls mehrheitlich hinter sich haben, verzeihen Sie hoffentlich die irritierte Verlorenheit, die sich im Folgenden immer wieder Bahn brechen wird. Damit nun aber ohne weiteres Aufheben zu „Die Bestimmung 2: Insurgent“.

Es geht schon damit los, dass es sich hier um eine Fortsetzung handelt. Der erste Teil hieß „Die Bestimmung (1): Divergent“. Die Titel unterscheiden sich nur im letzten Wort und dort auch nur um vier Buchstaben. Teil drei und vier werden auch ähnlich heißen. Die Verwirrungsskala hat also noch Platz nach oben.

An der Oberfläche geht es um eine dystopische Zukunft, in der von der Welt lediglich die Stadt Chicago übrig geblieben ist (trotz des deutschen Regisseurs Robert Schwentke ist mit dem Ende der Welt wie immer das Ende der USA gemeint). Die verbleibende Zivilisation ist zum Kampf gegen das Chaos zu einem Kastensystem übergangen (jede einzelne derart wirr benannt, dass niemandem damit geholfen wäre, die Bezeichnungen hier niederzuschreiben). Demnach teilt sich die Gesellschaft in Rechtsprechende, Regierende, Landwirte und Wissenschaftler.

Der Mensch qualifiziert sich für die einzelnen Kasten durch seine emotionalen Eigenschaften. Die Heldin Tris (Teenie-Star Shailene Woodley, selbst kein Teenager mehr) ist hingegen mit kasten-transzendierenden Emotionen ausgestattet und stellt daher eine Bedrohung für die Gesellschaft dar, zumindest laut dieser Gesellschaft. In der postapokalyptischen Welt heißt sie damit „Divergent“, Abweichende. Das führt zu Reibungen bis hin zur offenen Revolution, die in diesem Teil der zur Quadrologie angewachsenen Trilogie gezeigt wird.

Doch eigentlich thematisiert die Serie die Leiden und Wehen der Pubertät. „Insurgent“ erzählt diese hormonell verwirrende Zeit der Selbstfindung aus Sicht einer Pubertierenden (auch wenn diese aus dramaturgischen und kommerziellen Gründen von einer 24-Jährigen gespielt wird). Das Mädchen ist geplagt vom Gefühl, anders zu sein. Dazwischen erfährt sie die Abnabelung von ihren Eltern (sie wurden im ersten Teil ermordet). Sie lernt, deren Wichtigkeit für ihre eigene Entwicklung zu schätzen (wenn auch post mortem). Sie erlebt die erste Liebe und wohl auch den ersten Sex (die Andeutung ist so vage, dass das nicht ganz klar wird).

Kate Winslet in biederen Kostümen und kalter Berechnung verkörpert den Zynismus der Erwachsenenwelt. Sie sagt Sätze wie: „Ich dachte ihr Divergent (Pubertären/Abweichler) seid alle gleich.“ Sind sie aber gar nicht. Bäh. Das alles kommt einem furchtbar bekannt vor und wird mit platten Symbolen aufgeladen (Neuanfang = neue Frisur), zumindest wenn man selbst diesen Prozess bereits hinter sich gelassen hat. Ausgestattet mit den Erfahrungen und Enttäuschungen des Erwachsenenlebens, begegnet man solchen hoffnungsvollen Selbstfindungsexzessen mit pragmatischem Zynismus, und nach zwei Stunden mit gesteigerter Langeweile.

Fantasy: USA 2015, 120 min., von Robert Schwentke, mit Shaileene Woodley, Theo James, Naomi Watts, Kate Winslet

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