Krimidrama

Lasst das Kino, geht lieber ins Theater

Zwei Regisseure scheitern am Versuch, Schiller in der heutigen Bankenkrise anzusiedeln: „Die Räuber“

Klassiker der Weltliteratur an moderne Verhältnisse anzupassen, hat durchaus seinen Reiz. So wurde etwa aus Shakespeares Familienfehde „Romeo und Julia“ unter Baz Luhrman ein moderner Bandenkrieg, und Aki Kaurismäki verwandelte den Hamlet vom Königsdrama zum Industriellen-Krimi. Beide Regisseure gingen mit einem guten Schuss Subversion an die hehren Vorlagen heran, was man leider von Pol Cruchten und Frank Hoffman nicht sagen kann. Sie orientieren sich zwar lose an Schillers „Räuber“, verwandeln das wuchtige Drama aber in ein fades Trauerspiel. Das Bruderzwistdrama verlegen sie ins Bankenmilieu des 21. Jahrhunderts, ohne es allerdings im modernen Finanzkrisenthema auch in irgendeiner Form zu verwurzeln.

Betonmauern, Stacheldrahtzäune und Überwachungsanlagen eines modernen Gefängnisses verbreiten schon in den ersten starren Bildern eine nüchtern kalte Atmosphäre, die später auch in sterilen Wohnungen und Konferenzräumen vorherrscht. Den modernen Schauplätzen zum Trotz wird die Maschinerie des Dramas mit theatralischer Mechanik angeworfen und selbst charismatische Schauspieler wie Isild Le Besco und Tchéky Karyo bewegen sich marionettenhaft steif, ganz zu schweigen von Maximilian Schell, der als Familienpatriarch in seiner letzten Rolle nur noch wie ein grotesker Schatten wirkt.

Karl Moor heißt jetzt Karl Escher und hat drei Jahre im Gefängnis verbracht, um die krummen Geschäfte seiner Bankerfamilie zu decken. Da ihm das keiner dankt und er von den Machenschaften seines Clans ohnehin desillusioniert ist, schließt er sich den Räubern an, die die Privatbank eines Geschäftspartners seiner Familie ausräumen. Dabei wirkt er aber so müde und gleichgültig, dass er das auch lassen könnte. Der Sturm und Drang aus Schillers Debütwerk ist selbst den kriminellen Handlungen gründlich ausgetrieben. Die Dialoge werden hölzern herunterdeklamiert und der getragene Elektrobeat des Soundtracks betont die lähmende Stagnation. Da ist es nur kosequent, dass sich Karl am Ende mit den Verhältnissen arrangiert und schläfrig verkündet: „Es gibt sie nicht, die Freiheit. Ich habe nur das Gefängnis gewechselt und das hier ist etwas wärmer.“

Dem Kinozuschauer sei hier ausnahmsweise empfohlen, lieber die Theaterspielpläne zu durchforsten.

Krimidrama: D/LU/BL 2014, 84 min., von Frank Hoffmann und Pol Chruchten, mit Mario Adorf, Maximilian Schell, Eric Caravaca

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