Zwölf Stunden

Berlins mobile Zukunft

In Ruhleben bildet die BVG ihren Nachwuchs aus. Dort werden aus Schulabgängern Fachkräfte, die später Busse und Bahnen rollen lassen werden. Ein Besuch im Ausbildungszentrum

06:15 Noch ist es ruhig in den Werkstätten und Lehrräumen im Ausbildungszentrum der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) am Machandelweg in Westend. Beim Pförtner an der Schranke zum Betriebsgelände ist schon Licht an, und auch im Verwaltungsgebäude wird schon gearbeitet. Im Personalbüro bei Ute Lüder klingelt bereits das Telefon. Sie kennt alle Auszubildenden mit Namen. Urlaubsanträge, Krank- und Gesundmeldungen sowie die Ausbildungsverträge gehen durch ihre Hände. Etwas mehr als 350 Azubis lernen derzeit bei der BVG, im September 2014 sind 122 Jungfacharbeiter ins Berufsleben gestartet.

07:20 Hinter einer schweren Metalltür stehen junge Frauen und Männer gebeugt über geöffneten Motorhauben. An mehreren Pkw bekommen sie die theoretischen und praktischen Grundlagen über die Fahrzeugtechnik vermittelt. „Sie sind im ersten Ausbildungsjahr zum Kfz-Mechatroniker mit Schwerpunkt Personenkraftwagentechnik“, erklärt Teamleiter Aydogan Kayan. Unter den zwölf Auszubildenden sind fünf Frauen. „Im zweiten Ausbildungsjahr kommen die Auszubildenden auf die einzelnen Betriebshöfe.“ Fast alle Azubis werden nach Abschluss der Ausbildung für ein Jahr und einen Tag übernommen, heißt es. 366er heißen die Befristeten intern. „Im Anschluss daran entscheidet die BVG, ob die Leistungen zu einer Festanstellung reichen.“

09:30 „Das ist ein Übungsgleis für den Aufbau der Stromschiene“, sagt Thorsten Schaeffer, Teamleiter Gleisbau. Er zeigt auf einen ungefähr zehn Meter langen Gleisabschnitt, der im Freien aufgebaut ist. „Die Azubis müssen die Stromschiene in der richtigen Höhe und der richtigen Richtung zum Gleis einspuren.“ Es ist eine körperlich anspruchsvolle Arbeit, die oft nur im Team zu bewältigen ist, trotz moderner Arbeitsgeräte. „Ich weiß, dass ich später oft nachts arbeiten werde“, sagt Lehrling Marcel Ponitka. „Wenn Betriebspause ist, können wir kontrollieren, instand setzen oder ersetzen.“ Die ausgebildeten Gleisbauer überprüfen das gesamte Streckennetz von U- und Straßenbahn regelmäßig auf Spurweite, Höhenlage und Abstände.

10:00 Frühstückspause. Viele Auszubildende genießen die ersten wärmenden Sonnenstrahlen im Freien. Fast ein Drittel von ihnen hat einen Migrationshintergrund. Ausgebildet werden sie zu Mechatronikern, Gleisbauern, Elektronikern für Betriebstechnik, Kfz-Mechatronikern, Industriemechanikern, IT-Systemelektronikern und Elektronikern für Informations- und Systemtechnik.

10:45 Auf den ersten Blick sieht es wie eine Modelleisenbahn aus. An Plastikschienen werden Metalldeckel durch Druckluft angesaugt, transportiert und schließlich kleine Behälter damit verschlossen. „Das ist eine Simulation einer Verpackungsanlage“, sagt Ausbilder Percy Bringmann. „An ihr können alle typischen Arbeiten für einen Mechatroniker gezeigt, erklärt und durchgeführt werden.“ Bringmann beschreibt die Aufgaben der Sensoren, den Industrie-PC und wie die einzelnen Arbeitsschritte aufeinander abgestimmt sind. „Die Azubis sollen später in der Lage sein, einzelne Stationen zu programmieren, Fehler zu finden und die Schnittstellen mit den Kollegen abzusprechen.“

13:00 Ähnlich ruhig geht es bei den Elektronikern für Betriebstechnik zu. Die zuvor gefertigten Leiterplatten werden in die selbst gefertigten Gehäuse eingebaut und verdrahtet. In vier bis fünf Wochen hat jeder Auszubildende ein Netzgerät gebaut. „Sie haben alle theoretischen Grundlagen aus den vergangenen sechs Monaten an den selbstgebauten Netzteilen praktisch angewandt und umgesetzt“, erklärt ihr Ausbilder Sven Haasler. Anwendung findet das erlernte Wissen später bei Signalanlagen, den Ticketautomaten in der Automatenwerkstatt und den Routinekontrollen bei den Türsteuerungen der U- und Straßenbahnen.

13:15 In der Wärmebehandlung fliegen die Funken. Es wird geschweißt, gehämmert und mit Brennschneidern Metall zugeschnitten. Mit dicken Lederhandschuhen, einer Lederschürze, einer Schutzbrille und Sicherheitsschuhen bekleidet, schneidet Roxana Teucher Metallstücke in die passende Größe. Sie wird hier zur Industriemechanikerin ausgebildet. „Mit dem Brennschneider wird auch auf Baustellen gearbeitet“, sagt sie. „Teile werden ausgebrannt und erneuert.“ In einer Ecke der Werkstatt steht eine Schmiede. „Die ist überwiegend zum Kennenlernen des Berufes“, sagt Ausbilder Jörg Kandelhardt. „Hier zeigen wir, wie sich das Material bei Hitze verhält und bearbeiten lässt.“

13:30 „Wir haben immer einen großen Bedarf an Fachkräften und den versuchen wir durch Ausbildung abzudecken“, sagt Timo Wille, Leiter des Ausbildungszentrums. „Eine Berufsausbildung bei der BVG bietet extrem viele Möglichkeiten. Und die Chancen auf eine Übernahme werden auch immer besser.“ Timo Wille, die Ausbilderin der Juniorenfirma, Katharina Göbel und der Teamleiter des Gleisbaus, Thorsten Schaeffer besprechen Ausbildungsdetails.

14:00 Einem Suchtrupp ähnlich, sind Sandra Krause und Marina Albrecht im Ausbildungszentrum unterwegs. Die angehenden IT-Systemelektronikerinnen sind mit Laptop im Haus unterwegs. Sie testen das hausinterne drahtlose Netzwerk und sollen feststellen, ob überall ein Internet-Zugang mit der gleichen Stärke möglich ist.

15:10 Die meisten Azubis haben Feierabend. Aber in der Juniorenfirma, einem „Kleinbetrieb im Großbetrieb“, wie es die BVG nennt, wird noch gearbeitet. „Die Juniorenfirma ist für das Ausbildungsmarketing, den BVG Drei-Monatskalender und Auftragsarbeiten zuständig“, sagt die Ausbilderin Katharina Göbel. „Die Juniorenfirma wird für drei bis sechs Monate von zwei kaufmännischen und zwei technischen Azubis geleitet.“

17:45 Immanuel Wolf war knapp vier Monate in Ruhleben. Er geht zurück an seinen Ausbildungsplatz zum Industriemechaniker in die Betriebswerkstatt Marzahn. Für ihn kommt Hagen Dehmlow für die nächsten drei Monate in die Juniorenfirma. Auch er lernt den Beruf des Industriemechanikers. In den kommenden drei Monaten wird er selbstständig Aufträge planen, durchführen und kontrollieren.