Ausflugs-Tipp

Ab durch die Mitte

Unterwegs vom Brandenburger Tor zum Haus der Kulturen der Welt

Brandenburger Tor, Reichstag und Mauer – das hört sich nach Touristen-Programm an. Doch warum nicht als Berliner einmal Sightseeing in der eigenen Stadt unternehmen? Viele Sehenswürdigkeiten liegen so dicht beieinander, dass man sie in einem sonntäglichen Spaziergang erlaufen kann. Und: Man staunt über neue Blickachsen, die sich beim Rundgang durch Mitte und Tiergarten ergeben.

Zentraler könnte es nicht losgehen. Am Pariser Platz, der von Philipp Gerlach 1734 bei der zweiten barocken Stadterweiterung unter Friedrich Wilhelm I. angelegt wurde, fällt der Startschuss. Inmitten von zahllosen Berlin-Besuchern ist es gar nicht so einfach, sich zwischen der Akademie der Künste, der US-Botschaft, der französischen Botschaft und dem Raum der Stille zum 1788 bis 1791 nach Entwürfen von Carl Gotthard Landhans d.Ä. erbauten Brandenburger Tor zu kommen.

Hindurch und links die Ebertstraße entlang, geht es zum Holocaust-Denkmal. Nach dem Entwurf des New Yorker Architekten Peter Eisenmann wurde das rund 19.000 Quadratmeter große, leicht abgesenkte Areal mit 2711 Stelen bestückt. Rund um die Uhr und ohne Eintritt kann man das Stelenfeld durchlaufen. Im unterirdisch gelegenen Ort der Information dokumentiert eine Ausstellung die Verfolgung und Vernichtung der Juden Europas. Rund eine halbe Million Besucher werden jährlich gezählt.

Quer durch die Gedenkstätte, dann durch die Hannah-Arendt-Straße und rechts in die Wilhelmstraße wird es ruhiger. Plattenbauten säumen die Straße. Am U-Bahnhof Mohrenstraße fällt ein Standbild des Fürsten von Anhalt-Dessau und preußischen Generals Leopold I. (1676–1747), alias der „Alte Dessauer“, auf. An der rechten Straßenseite gibt es einen Hintereingang zur Mall of Berlin. Doch das schöne Wetter hält uns vom Einkaufen ab. Weiter also über die Leipziger Straße, vorbei am Finanzministerium, früher Sitz des Reichsluftfahrtsministeriums.

Geschichte hinter Mauerresten

Der bis 150 Meter aufsteigende Weltballon befindet sich gerade am Boden. Hinter den Mauerresten an der Niederkirchnerstraße laufen wir, wie eine Million Besucher im Jahr auch, über das Freigelände des Dokumentationszentrums Topographie des Terrors. Wir folgen der Open-air-Galerie freigelegter Reste der früheren Gründerzeitbebauung, sehen Kelleraußenwände der einstigen Kunstgewerbeschule. Der Eintritt auf das Gelände wie der Besuch des Ausstellungsforums sind frei.

Den Martin-Gropius-Bau zur rechten, das Abgeordnetenhaus zur Linken säumen zwei weitere Sehenswürdigkeiten den Weg, der nun über die Stresemannstraße zur Skyline des Potsdamer Platzes führt. Links die Potsdamer Straße entlang, flankiert vom Luxushotel Ritz-Carlton, dem Sony-Center und dem Filmmuseum geht es weiter in Richtung Kulturfourm. Die Philharmonie, das Musikinstrumenten-Museum, das Kupferstichkabinett und die jetzt für Jahre geschlossene Neue Nationalgalerie sind nicht zu übersehen.

Der Platz vor der St. Matthäus-Kirche, in der auch Ausstellungen und Konzerte stattfinden, ist menschenleer. Ein paar Museumsgänger steuern die Gemäldegalerie und das im November wiedereröffnete Kunstgewerbemuseum an. Die Scharounstraße führt über die Tiergartenstraße direkt zum Tiergarten. 100 Meter geradeaus, dann geht es links in die Große Querallee, die als breite Allee mitten durch Park und direkt zum Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten Joachim Gauck, führt. Auf 44 ihrer insgesamt 400 Kilometern Länge fließt die Spree durch Berlin. An der John-Foster-Dulles-Allee folgen wir ihr ein Stück. Es gibt einen Weg hinunter zur Dampferanlegestellen. Wenig später ist die Rückseite des Haus der Kulturen der Welt erreicht.

Mit einem Abstecher vor die „Schwangere Auster“ und zum Carillon wird nun ein schöner breiter Weg beschritten, der auf den Platz der Republik zuführt. Die Schlange vor dem Reichstag ist zu lang, daher geht es weiter zurück zum Ausgangspunkt bis zum Bahnhof Brandenburger Tor.