Stadt-Runde

Karlshorst – Wohnort mit Geschichte und Trabrennbahn

Den Status als einstige Garnisonsstadt hat Karlshorst längst abgelegt.

Dennoch gibt es abseits der Treskowallee noch Spuren des einstigen Standorts der Sowjetarmee. Am S-Bahnhof Karlshorst etwa ein Koloss aus Stein. Einer der ersten Theaterneubauten nach dem Zweiten Weltkrieg steht seit 2007 leer. Nur Musikschüler nutzen derzeit die Räume. Nach 15 Minuten Laufweg Richtung Osten, vorbei an zahlreichen Villen, erreicht man das Deutsch-Russischen Museum an der Zwieseler Straße mit dem legendäre Panzer T34 der Roten Armee davor. In dem Haus wurde am 8. Mai 1945 die Kapitulation Deutschlands besiegelt. Von 1945 bis 1949 diente das ehemalige Offizierskasino der Wehrmachtspionierschule als Sitz der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland. 1967 wurde in dem Gebäude das sowjetische Kapitulationsmuseum eröffnet, das bis 1994 bestand.

In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich die nächste Sehenswürdigkeit. Jahrzehnte hat dort eine ehemalige Kasernenanlage leer gestanden. Nur einen Steinwurf entfernt überragt der Turm des Zollkriminalamtes an der Rheinpfalzallee die umliegenden Villen. Dicht bebaut ist das Areal, sodass es kaum einen freien Blick auf das gewaltige Haus der Katholischen Hochschule für Sozialwesen an der Köpenicker Allee gibt, wo auch die Bischofsakademie ihren Sitz hat.

Die einstigen Studentenwohnheime sind verschwunden. Stattdessen werden in den sogenannten Treskow-Höfen 414 Wohnungen gebaut, die für Studenten kaum erschwinglich sind. Und auf dem Weg zurück in Richtung Bahnhof ist das Kulturhaus, das in einen geschmacklosen Neubau eingezogen ist. Die graue Fassade zieren drei bunte Wandbilder. Das alte Kulturhaus musste weichen. Denn es stand für den Brückenbau am S-Bahnhof Karlshorst im Weg. Während der Abriss schnell vonstatten ging und die Brücke von der Bahn unter schwierigen Bedingungen eingesetzt worden ist, haben die Stadtplaner offenbar versagt. Denn der Straßenneubau dort lässt noch auf sich warten. Unter der Brücke hindurch gelangt man zum Denkmal von Hermann Duncker, nach dem die heutige Treskowallee zu DDR-Zeiten benannt war.

Auf der anderen Seite des S–Bahnhofes erreicht man das unter Denkmalschutz stehende Eingangsportal der Trabrennbahn Karlshorst. Hinter dem Portal mit seinen 14 Durchgängen zeigt sich recht schnell ein anderes Karlshorst. Einfamilienhäuser, von denen aus das Training der Traber auf ihrem Sulky beobachten werden kann. Und noch eine Rarität gibt es dort am Rand der Bahn – eine Binnendüne, so wie es sie auch in den Püttbergen in Rahnsdorf oder dem Windmühlenberg in Gatow gibt. Und wer nach Relikten der Nachkriegszeit sucht, findet auch die in Karlshorst. Dort sind etwa an der Straße am Heizwerk noch die Hallen einer Fliegerstation zu sehen.