Stadt-Runde

Ein Platz im Herzen des Rheingauviertels

Wir beginnen den Spaziergang an einem architektonischen Monstrum, der Wohnbebauung über der Schlangenbader Straße, im Volksmund wegen ihrer außergewöhnlichen Länge auch „Schlange“ genannt.

Von dort führt die Homburger Straße zur evangelische Lindenkirche , deren Glockenturm der höchste Punkt im Viertel ist. Durch einen Gartenweg geht es durch eine Laubenkolonie auf die Eberbacher Straße, auf deren vorderem Teil es dienstags und freitags einen Wochenmarkt (8–13 Uhr) gibt.

Von dort stoßen wir auf den zentralen Platz des Rheingauviertels, den Rüdesheimer Platz . Noch liegt das baumumstandene Rechteck, das die Anwohner liebevoll „Rüdi“ nennen, im Winterschlaf. Kein Blatt schmückt den alten Baumbestand des Rüdesheimer Platzes, die dunkelbraune Erde der Rabatten wartet auf die leuchtende Frühlingsbepflanzung und die Weinliebhaber darauf, dass Mitte Mai der traditionelle Weinverkauf beim Siegfriedbrunnen eröffnet. Die überdimensionierten Sandsteinfiguren dieses Blickfängers, Siegfried der Rosslenker und zwei Allegorien auf Rhein und Mosel, wurden im vergangenen Jahr wegen Vandalismusschäden aufwendig restauriert und gereinigt. Man hofft, ihr helles Ocker bleibt möglichst lange unzerstört und von Sprayern verschont.

Das Besondere des Anfang des 20.Jahrhunderts angelegten Platzes ist die einheitliche und doch individuelle Bebauung, die an ländliche englische Architektur erinnert. Dottergelb schimmern die Fassaden, die hohen, ziegelgedeckten Dächer sind teilweise mit filigranem Fachwerk verziert. Die Vorgärten mit schmalem Rasenstreifen fallen sanft zur Straße und zum Platz ab. Georg Haberland hat diese kleine Oase im Häusermeer geplant, umgesetzt hat er die Bebauung mit dem Architekten Paul Jatzow.

Am östlichen Ende des Platzes schließt seit Ende der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts ein Kinderspielplatz die Grünanlage ab. Bei den derzeitigen winterlichen Temperaturen turnen nur wenige Kinder auf den Geräten. Das ändert sich bei gutem Wetter schlagartig. Weiter in östlicher Richtung bietet sich eine Einkehr bei der bei den Kiez-Bewohnern beliebten Gaststätte „Zum Landauer“ an, die mit deftigem Essen, zivilen Preisen und Tegernseer Fassbier punktet.

Durch die im einheitlichen, ursprünglichen Baustil erhaltene Landauer Straße gelangt man an die viel befahrene Laubacher Straße zum kleinen Platz, der nach dem NS-Widerstandskämpfer Adam Kuckhoff benannt wurde, der am 5. August 1943 im Alter von 55 Jahren in Plötzensee hingerichtet wurde .