Bühnencheck

Szenen zweier Ehen

Das Kind liegt im Bett. Endlich Ruhe? Denkste! Das Gequengel geht weiter.

Ein Keks soll es sein. Mama Sonja sagt nein, wegen der frisch geputzten Zähne und der pädagogischen Konsequenz. Papa Henri plädiert für einen geschälten Apfel, damit das Gejammer aufhört. Schon ist der schönste Zoff im Gange. Ausgerechnet da klingelt es. Henris Arbeitskollege Hubert und Frau Ines stehen vor der Tür. Einen Tag zu früh. Statt Dinner gibt es daher Knabberzeug und so viel Wein, dass alle Hemmungen fallen.

Die französische Dramatikerin Yasima Reza seziert in ihrer spritzigen Dialogkomödie „Drei Mal Leben“ den Anfang vom Ende zweier Ehen in drei leicht veränderten Varianten. Bettina Rehm hat das gerade mal 75-minütige Stück so hintersinnig wie geistreich inszeniert. Die schwarzweiße Bühne mit den Hockerwürfeln (Ausstattung: Julia Hattstein) ist wie gemacht für das perfide Wechselspiel aus Distanz und Nähe. Urs Fabian Winiger gibt den Astrophysiker Henri, einen Softi und Loser, der seine erfolgreiche Frau Sonja (Evamaria Salcher) mit seinem devoten Gehabe zur Weißglut treibt. Henri glaubt nämlich, Hubert (Stefan Mehren) könnte ihn auf der Karriereleiter nach oben schubsen. Doch Machtmensch Hubert denkt gar nicht daran. Er baggert lieber Sonja an und demütig Gattin Ines. Großartig und gewohnt souverän gibt Eva Mannschott die hochnäsige, feine Dame, die gewaltig austeilen kann.

Vom entgleisten Smalltalk bis zum handfesten Beziehungskrach ein höchst amüsanter Abend mit spannungsgeladenen Wortgefechten und einem exzellenten Ensemble.

Vaganten Bühne Kantstr. 12a, Charlottenburg, Tel. 312 45 29, 24.–26.2., 4.–7.3. , 20 Uhr. Karten kosten 14–20 Euro