Ausflugs-Tipp

Liebling Kreuzberg

| Lesedauer: 4 Minuten
Manuela Blisse

Ein winterlicher Streifzug durch das urbane und grüne Leben des Bezirks

Multikulturell, unkonventionell, unangepasst – Kreuzberg steht für vieles. Weniger aber für seine grünen Seiten und wenn, dann sind diese in Verruf geraten. Ein winterlicher Spaziergang durch das Zentrum des Bezirks aber zeigt beides: urbanes und grünes Leben. Das beginnt schon am U-Bahnhof Prinzenstraße. An der Prinzenstraße in Richtung Landwehrkanal kann man sich in einen kleinen, in den 20er-Jahren angelegten und 1951 in Böcklerpark umbenannten Park schlagen; dort steht eine Büste vom Namensgeber und Politiker Hans Böckler.

Der Uferweg führt am Kinder- und Jugendkulturzentrum Statthaus Böcklerpark vorbei. Gegenüber, im Urbanhafen am Carl-Herz-Ufer, liegt das rund ums Jahr geöffnete Restaurantschiff van Loon vor Anker. Wir folgen dem Grün, das sich nun in der Mitte des Segitz- und des Erkelenzdamms in nördliche Richtung zieht. Mittendrin steht eine kleine Brücke; der Wasserlauf ist ausgetrocknet. Auch beim Becken am Wassertorplatz: Wasser Fehlanzeige. Dennoch laufen wir nun bereits ein Stück über den Luisenstädtischen Kanal, der sich einst vom Landwehrkanal und Urbanhafen zur Spree zog. Vor knapp 25 Jahren wurde mit der abschnittsweisen Rekonstruktion begonnen.

Über die Gitschiner Straße und unter der Hochbahn hindurch geht es zum Oranienplatz. Rechts sieht man das denkmalgeschützte Max-Taut-Haus, heute ein Bürohaus, das Anfang der 30er-Jahre nach Plänen von Max Taut und Franz Hoffmann als Warenhaus im Stil der Neuen Sachlichkeit erbaut wurde. Das Eckgebäude nebenan beherbergte einst das Kaufhaus Maassen, Deutschlands größtes Damenbekleidungs-Kaufhaus. Hinter der Oranienstraße verläuft die Grünanlage zwischen dem Legien- und dem Leuschnerdamm – bekannt durch ihre „Hühner-Adressen“, die Gasthäuser „Henne“ und „Zur kleinen Markthalle“.

Rosengarten mit Pergolagängen

Unter einer Brücke geht es hindurch, man befindet unterhalb des Straßenniveaus. Man steht im Rosengarten mit flankierenden Pergolagängen und dem hübschen „Indischen Brunnen“. Hinter dem wasserbefüllten Engelbecken erhebt sich die Mitte der 1850er-Jahre erbaute Sankt-Michael-Kirche. Treppe hoch und rechts ab, dem Mittelstreifen zwischen Bethanien- und Engeldamm folgend, kommt man am Kinderbauernhof am Mauerplatz und dem struppigen Gemeinschaftsgarten „Ton, Stein, Gärten“ vorbei. Am Mariannenplatz verlassen wir den überbauten Kanal. An der Nordseite erhebt sich die evangelische St.-Thomas-Kirche. Der in 1840er-Jahren angelegte Platz wurde einige Jahre später von Peter Joseph Lenné zum Schmuckplatz umgestaltet. Der Blick wird auf das große gelbe Backsteingebäude gelenkt. Das einstige Krankenhaus war als Künstlerhaus Bethanien bekannt. Vor knapp fünf Jahren zog die Kunst aber an die Kottbusser Straße um.

Weiter der Nase nach und das im wahrsten Sinne des Wortes. Hinter der Waldemarstraße, an der Südspitze des Platzes, steht der Feuerwehrbrunnen mit drei knubbelnasigen Feuerwehrmännern von Kurt Mühlenhaupt. Die Mariannenstraße entlang, wird es mit kleinen Geschäften und Cafés urban. Kurz vor dem Heinrichplatz befindet sich die für ihren Hamam bekannte Schokofabrik. Wir biegen rechts in die Oranienstraße ab. Geschäfte, Lokale und Kunststätten sorgen für den typischen Kreuzberger Mix. Links in die Adalbertstraße, vorbei am FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum, überspannt das Neue Kreuzberger Zentrum die Straße. Hinter den Läden und Döner-Buden am „Kotti“ führt ein Durchgang in die Dresdener Straße mit einer Handvoll Gastroadressen wie dem Café Fräulein Wild (Nr. 13) oder der Nachtschwärmer-Bar Würgeengel (Nr. 122). Mittendrin: das Kino Babylon (Nr. 126).

Die Dresdener Straße führt auf den Oranienplatz und die Oranienstraße. „Go west“ geht es am Alt-Berliner Wirtshaus „Max & Moritz“ (Nr. 162) zum Verkehrsknotenpunkt Moritzplatz. Im Aufbau-Haus, einem ehemaligen Fabrikgebäude, haben sich Kreative angesiedelt. Man versäumt nichts, wenn man bereits am Moritzplatz in die U-Bahn steigt.