Stadt-Runde

Alte Lampenstadt und junge Hühner im Rudolfkiez

Der Turm des früheren Glühlampenherstellers Narva in der Rotherstraße ist gut zu sehen.

Das Gebäude ist 63 Meter hoch. Erbaut wurde es um 1909, war damals rund 40 Meter hoch und das erste Hochhaus der Stadt. Narva setzte 1963 einen Glaswürfel auf. In den 90er-Jahren wurde das Haus aufgestockt.

Der Turm ist so etwas wie ein Markzeichen der Oberbaumcity. Dorthin, und weiter durch den Rudolfkiez führt unser Stadtspaziergang. Wir beginnen an der Max-Koch-Passage, die von der Warschauer Straße zum Warschauer Platz führt. Die Industriebauten sind in den 90er-Jahren saniert worden. Im Haus 6, der früheren Webeschule, ist ein Hotel eingerichtet. Die reich gegliederte Fassade aus roten Backsteinen ist beeindruckend, mit Kreisen, Bögen und mit schmalen, hohen Fenstern. Im benachbarten Gebäude kann man durch zwei hohe Innenhöfe mit hellen Klinkerfassaden laufen, deren Böden mit Milchglasplatten belegt sind. Die Lichtquellen darunter leuchten nachts, als Erinnerung an die traditionsreiche Glühlampenherstellung im Viertel. Interessant sind auch die Höfe der einstigen Fabrik- und Verwaltungsgebäude zwischen Naglerstraße, Rotherstraße und Ehrenbergstraße, mit großen Tuffsteinen, an denen Wasser rieselt.

Unser Spaziergang führt uns weiter zum Rudolfplatz mit Park, Spielfläche und Bolzplatz. Dort erhebt sich die Zwinglikirche , erbaut von 1905 bis 1908. Sie ist seit Jahren ein Ort für Ausstellungen, Lesungen, Konzerte und Filmvorführungen. Hinter dem Platz, an der Modersohnstraße, steht ein Bau, der fast wie ein Fürstenhaus aussieht. Es ist die Emanuel-Lasker-Oberschule , die 1909 bis 1913 errichtet wurde. Der Entwurf stammt vom Stadtbaurat Ludwig Hoffmann. In einem Seitengebäude ist das Nachbarschaftszentrum Rudi zu finden. Große Sportflächen erstrecken sich östlich der Schule. Wir gehen auf der Persiusstraße weiter. Drei große Buchstaben fallen auf, die die Silbe „AUS“ bilden. Sie sind Teil eines Kunstwerks, zu dem vier weitere Buchstaben „LAND“ gehören, die auf der Freifläche zwischen Persiusstraße und Corinthstraße liegen. Wir biegen an der Bödikerstraße rechts ab und kehren über die Corinthstraße wieder zurück zum Rudolfplatz. Dabei kommen wir am Gelände der Gartenarbeitsschule vorbei, mit Beeten, gackernden Hühnern und einem gelegentlich krähenden Hahn. Der Rückweg zum Warschauer Platz führt über die Rudolfstraße.