Arnos Woche

„Plank Challenge“

Arno Müller über gemeinschaftlichen Aktionismus auf Facebook

Facebook-Partys, bei denen sich eine harmlose Einladung an zehn Freunde zum chaotischen Selbstläufer entwickelt, sind aus der Mode gekommen. Stattdessen liegen jetzt Challenges im Trend, wie zum Beispiel die „Ice Bucket Challenge“, die an einen guten Zweck geknüpft war: Jeder, der mitgemacht hat, wurde dazu aufgefordert, für ALS-erkrankte Menschen zu spenden, so dass 2014 mehr als 40 Millionen Dollar zusammen kamen. Das fand ich eine gute Sache!

Jetzt aktuell ist die „Plank Challenge“. Der Erfinder dieses Events ruft gerade dazu auf, Anfang nächster Woche sportlich aktiv zu werden: Ab 1. Februar sollen die Teilnehmer dieser Challenge eine Art Liegestütz ausführen. Bei dem so genannten Planken stützt man sich auf seine Handgelenke und Ellenbogen und hinten auf die Zehenspitzen. Dabei wird der gesamte Körper wie zu einem Brett versteift und in dieser Position verharrt man 20 Sekunden. Dann soll diese Zeitspanne täglich ausgeweitet werden – bis die Position am 30. und damit letzten Tag der Challenge 270 Sekunden lang gehalten werden muss. Den Ort für die Ausführung der Challenge darf jeder Teilnehmer selbst bestimmen. Im Internet kursieren bereits bizarre Fotos von Plankern. Menschen jeden Alters planken auf Baumästen, auf Müllcontainern oder Rolltreppen. Mittlerweile hat die Challenge, die noch gar nicht begonnen hat, schon mehr als 500.000 Zusagen.

Die „Plank Challenge" hat ein Sportlehrer ins Leben gerufen, unter dem Motto: „Jedes Jahr beginnt mit einem guten Vorsatz.“ Vielleicht ist das Ganze ja durchaus eine originelle Idee, um ein paar überschüssige Pfunde los zu werden. Aber ich überlege, was danach auf uns lauert? Kommt nach dem Planken die „Purzelbaum Challenge“ auf uns? Müsste hierbei jeder Teilnehmer am ersten Tag einen Purzelbaum und am 30. Tag dann ganze dreißig Purzelbäume am Stück schießen? Und das vielleicht auch im Büro oder auf einem Bürgersteig? Auch eine „Auf-einem-Bein-hüpf-Challenge“ könnte ja sehr spaßig sein. Und bei einer „Reise-nach-Jerusalem Challenge“ würde man mit 500.000 Teilnehmern bestimmt ein paar Monate Spaß haben. Das ist dann schon wieder fast wie eine einzige große Facebook-Party.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von5 bis 10 Uhr)