Ausflugs-Tipp

Über 15 Brücken musst du gehn

Auch an kalten Wintertagen lässt sich im Britzer Garten einiges entdecken

1985 wurde der Monat April seinem Image gerecht. Kalendarisch längst Frühling, schneite es. Und das kurz vor der Eröffnung eines neuen Pflanzendorados im damaligen West-Berlin: der Bundesgartenschau. Dieses Jahr feiert der künstlich angelegte Park 30jähriges Jubiläum. Tulpen im Frühjahr, Rosen im Sommer, Dahlien im Herbst. Fragt sich, ob es auch im Winter Sinn macht, dem 90 Hektar großen Park einen Besuch abzustatten? Ja, das macht es.

Am U- und S-Bahnhof Hermannstraße steigt man in den Bus, Linie M44. Von dort sind es ein Dutzend Stationen bis zum Haupteingang am Buckower Damm. Auf halber Strecke, an der Ecke Britzer Damm/Ecke Mohriner Allee, lohnt der Blick rechts aus dem Fenster. Dort steht ein großer Esel. Einst soll sich hier die Kneipe „Zum goldenen Esel“ befunden haben. Entsprechend hat Eckhart Haisch seine Skulptur „Goldener Esel“ genannt. Am Parkeingang weist ein Schild auf den „Gartenkulturpfad Neukölln“ hin: 2007 wurden fünf Stadtspaziergänge durch das „grüne“ Neukölln kreiert, einer davor am und durch den Britzer Garten.

Wir folgen dem asphaltierten Hauptweg und merken schnell, dass man sich nicht verlaufen kann. Überall stehen praktische Richtungsweiser. Auch Parkbänke und Stühle, die man selber herumtragen kann, sind zahlreich vorhanden. Im Sommer tuckert eine Parkbahn übers Gelände. Eingemottet steht sie auf den Schienen unweit des Haupteinganges. Links geht es zum immergrünen Rhododendron-Hain. Rechts sieht man den Parkfriedhof Neukölln. Dort findet sich eine Skulptur des Bildhauers und Ehemanns von Puppenmacherin Käthe Kruse, Max Kruse. Weite Rasen- und Wiesenflächen breiten sich aus. Auf einer der Grünflächen dösen Schafe. Sie sind neugierige Blicke gewöhnt.

Überall „Spontanvegetation“

Wir kommen an dem in einem Gewächshaus untergebrachten Freilandlabor vorbei. Links ein Birkenwäldchen, rechts der Kopfweidenpfuhl und immer biegen kleine Wege vom Hauptweg ab. Wir schlagen uns in die „Gehölzschau“. Auf dem Boden krabbelt Efeu entlang und wir entdecken manches Unkraut, das zu Buga-Zeiten „Spontanvegetation“ getauft wurde. Pflanzenschilder sorgen für botanisches Wissen: Wir entdecken Hahnendorn und einen „runzelblättrigen Schneeball“.

Die Mitte des Parks bildet ein künstlich angelegter, gut zehn Hektar großer See. Unübersehbar ist die spitze Pylonen-Brücke, eine von insgesamt 15 Fußgängerbrücken. Links, im Karl-Foerster-Staudengarten, steht der Foerster-Pavillon. Foerster (1874–1970) war ein wichtiger deutscher Gärtner und Staudenzüchter. Das dortige Lesecafé ist geöffnet und gut besucht.

An der nächsten großen Kreuzung stehen wir am Modellboothafen. Wir könnten zur großen Spiel- und Liegewiese oder zum bei Kindern äußerst beliebten Lehmdorf „Makunaima“ abbiegen. Wir wählen den Uferweg um die Nordseite des Sees herum. Es geht über den Festplatz, auf dem im Eröffnungsjahr der Auftritt des „Wahren Heino“ für Verwirrung beim älteren Publikum sorgte. Um den Iglu artigen Bau, das einstige Café am See, zieht sich ein Bauzaun: Das Gebäude wird energetisch saniert und soll als „Britzer Seeterrassen“ wiedereröffnet werden. Dahinter sieht man am Hang einige Rebstöcke. Wir machen einen Abstecher zum „Hexengarten“. Der Anstieg lohnt. Wie eine kleine Burgruine mutet der Kräutergarten mit Brunnen und geheimnisvollen Kräutern wie Wiesenknopf, Gänsefingerkraut und Natterwurz an. Wir steigen hinab, folgen dem „Sonnensymbol“ zum Kalenderplatz, einer überdimensionalen Sonnenuhr.

Hinter dem für die aufwendige Parktechnik zuständigen Pumpenhaus halten wir uns links und machen erst am Tiergehege, wo Hühner und Ziegen Wind und Wetter trotzen, Halt. Ein Stück weiter unterhält der Deutsche Imkerverband ein Bienenhaus. Am Freilandlabor, ein Stück hinter dem Gingko-Wäldchen, biegen wir wieder links ab, Richtung Ausgang. Und nehmen nach dem gut 90-minütigen Spaziergang die Erkenntnis mit, dass der Park zu Recht rund ums Jahr geöffnet ist.

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