Best of Berlin

Einmal durch die Republik

Zwischen Nordsee und Alpen: Die deutschen Bundesländer präsentieren sich derzeit nicht nur auf der Grünen Woche. In Berlin kann man täglich auf Reisen gehen. Eine Auswahl

Friedrichshagen: Backwaren aus Sachsen von Stolle bis Eierschecke

1. „Unser Altgeselle Gerhard Grams hat 1950 begonnen und steht mit 82 Jahren immer noch in der Backstube“, sagt Konditor- und Bäckermeister Gerhard Grams. Er hat den 1906 eröffneten, schon damals auf sächsische Backwaren spezialisierten Laden vor einigen Jahren originalgetreu restaurieren lassen. Im Jugendstil-Ambiente werden Eierschecken (1,20 Euro), Donauwellen (1,15 Euro), Leipziger Lerchen (1,15 Euro) und jetzt sogar noch Dresdner Christstollen (12,50 Euro/kg) offeriert.

Dresdner Feinbäckerei Bölschestr. 89, Friedrichshagen, S3 Friedrichshagen, Tel. 645 24 54, www.dresdner-feinbaeckerei.de

Kreuzberg: Wild aus Brandenburg je nach Jagdsaison

2. „Im Januar gibt es noch Reh und Hirsch, dann ist Schonzeit“, sagt Gustav Meyer. In seinem kleinen Kreuzberger Laden verkauft der Jäger seit fast fünf Jahren Wild aus Brandenburger Wäldern. „Wildschwein gibt es auch den restlichen Winter“, so Meyer. Das Kilo vom Borstenvieh, verkauft werden Rücken, Keule und Gulasch, beginnt bei 18 Euro. Auch Wildwurst hat er im Angebot: Salami, Leberwurst, Bratwurst sowie ganz neu Landjäger (100 g/2,40 Euro).

Wildfleischhandel Berlin Großbeerenstr. 96, Kreuzberg, U1 Möckernbrücke, Di.–Fr. 12–18 Uhr, Tel. 54 81 04 65, www.wildfleisch-berlin.de

Tiergarten: Maultaschen aus Baden-Württemberg

3. „Die Schwaben nehmen mehr Fleisch, die Badenser mehr Grünzeug“, sagt Ulrich Morof. Der Chef der Maultaschen-Manufaktur hat daraus seine eigenen Maultaschenrezepte entwickelt. Täglich wird der Klassiker mit geschmelzten Zwiebeln (11,80 Euro) und Varianten wie die gerösteten Maultaschen (12,80 Euro) oder mit Käse überbackene (vegetarisch oder mit Fleisch, 12,80 Euro) zubereitet. Dazu wird den Gästen in der rund 40 Plätze bietenden Gaststube Blatt- und Kartoffelsalat serviert.

Maultaschen-Manufaktur Lützowstr. 22, Tiergarten, Bus M48, M85 Lützowstr. /Potsdamer Str., Mo.–Sbd. ab 18 Uhr, Tel. 0178- 564 76 45, www.maultaschen-manufaktur.de

Prenzlauer Berg: Hessischer Äppelwoi und Handkäs als Snack

4. Am Anfang waren nur ein paar Apfelwein trinkende Eintracht-Frankfurt-Fans. „Es wurden aber immer mehr, sodass wir 2010 ‚Frau Rauscher‘ eröffnet haben“, erinnert sich Inhaber Thorsten Neubecker. Der Name des Lokals, in dem immer noch Fußball gezeigt wird, geht auf das bekannteste Frankfurter Äppelwoi-Lied zurück. Noch wird an der Küche gewerkelt, sodass es zum Apfelwein (0,25 l/2,30 Euro) nur Snacks wie Handkäs (4,90 Euro) gibt. Ab Februar dann auch Schnitzel und Rippchen.

Frau Rauscher Wichertstr. 55, Prenzlauer Berg, S8, 85, 9, 41, 42 Prenzlauer Allee, tägl. ab 17 Uhr, Tel. 69 59 87 02, www.fraurauscher.com

Charlottenburg: Pfälzer Saumagen und Wein im Römer

5. An die 80 Jahre ist die Pfalz jetzt schon in Berlin zu Hause. 1935 gegründet, haben in den „Kurpfalz-Weinstuben“ bereits Künstler wie Hans Albers, Curd Jürgens und Hildegard Knef die im traditionellen Römer servierten 0,25-Liter-Schoppenweine genossen. Versteckt in einem Hinterhof an der Wilmersdorfer Straße am Adenauer Platz, wurde das herrlich antiquierte Ambiente des Lokals erhalten. In dieser Zone der Gemütlichkeit kann man hausgemachten Saumagen probieren, der weit besser schmeckt, als man denkt, und auch die original Pfälzer Leberwurst verkosten. Mehr als 40 offene Weine sind im Ausschank. Der Flaschenfundus erstreckt sich vom einfachen Pfälzer Kneipwein bis hin zu exklusiven Raritäten.

Kurpfalz-Weinstuben Wilmersdorfer Str. 93, Charlottenburg, U7 Adenauerplatz, Di.–Sbd. 18–1, So. 18–24 Uhr, Tel. 883 66 64, www.kurpfalz-weinstuben.de

Kreuzberg: Ein Stück Fußballheimat aus Nordrhein-Westfalen

6. Seit 2011 gewährt Melanie Hamada BVB-Fans in ihrer „respectbar“ fußballerisches Asyl. Und auch ein Stück Heimat. „Natürlich haben wir Kronen Export, Brinkhoff’s und Hövels im Ausschank“, erklärt die Wirtin, die vorher mit Fußball nichts am Hut hatte. Gerade hat Hamada für die Übertragungen der BVB-Spiele noch einmal mit einem Großmonitor aufgerüstet. Jetzt können in der 59 Quadratmeter kleinen Raucherkneipe 70 bis 80 Borussen-Fans das Geschehen auf drei Monitoren und einer Großbildleinwand verfolgen.

respectbar Reichenberger Str. 54, Kreuzberg, U1 Görlitzer Bhf., Mi.–Mo. 13–open end, Tel. 69 59 86 80

Prenzlauer Berg: Bayern kennen sich auch mit Tapas aus

7. An bayerischen Wirtshäusern mangelt es nicht in Berlin. Dass es nicht immer Hax’n und Knödel sein müssen, zeigen Marcus und Ilona Wanke. Sie offerieren bayerische Tapas: Dattelhappen mit Ziegenfrischkäse (1,90 Euro), Spinatknödel (3,90 Euro), aber auch in Happen-Portionierung Weißwurst (3,90) und warme Brezn (1,90 Euro). Dazu gibt es natürlich Bier. Der gelernte Bierbrauer und Brauingenieur Marcus Wanke lässt in einer kleinen Spreewälder Hausbrauerei sein eigenes unfiltriertes „Wanke Bräu“ brauen.

Leibhaftig Metzer Str. 30, Prenzlauer Berg, U2 Senefelder Platz, Mo.–Sbd. 18–24, Tel. 54 81 50 39, www.leibhaftig.com

Lichtenberg: Rostbratwurst vom Fachmann aus Thüringen

8. „Ich bin der Thüringer aus Apolda“, beschreibt sich Jörg Lacher. Entsprechend hat er sein vor drei Jahren eröffnetes Geschäft benannt. Beim „Thüringer“, einem Mix aus Bistro, Grill und Kochschule gibt es sechs Tage die Woche einen wechselnden Mittagstisch. „Immer mit Spezialitäten wie Thüringer Rostbratwurst (2,20 Euro) oder Rostbrät’l (4,10 Euro), aber auch Eintopf “, so Lacher. Sonntags lädt er zum Brunch (11–15 Uhr, 9,50 Euro p.P.)

Der Thüringer aus Apolda Grevesmühlener Str. 20, Lichtenberg, S75 Hohenschönhausen, Mo.–Sbd. 11–15 Uhr, Tel. 80 93 92 27, catering-kochschule-berlin.de

Charlottenburg: Norddeutsches Seemannsessen unter Deck

9. Nordseekrabben, Brathering, Matjesfilet – wo Fisch auf der Karte steht, kann der hohe Norden der Republik nicht weit sein. In der Kombüse der im Landwehrkanal verankerten „Capt’n Schillow“ mit ihren rund 60 Unter- und 100 Oberdeckplätzen wird aber nicht nur auf Fisch gesetzt. Auf dem Restaurantschiff gibt es auch den norddeutschen Klassiker Labskaus: ein „Seemannsessen aus gepökelter Rinderbrust mit Matjes, Spiegelei, Gewürzgurke, Roter Bete und Salzkartoffeln“ (11,50 Euro). Auch im Winter ist geöffnet. Wenn es draußen so richtig kalt ist, wird unter Deck kräftig eingeheizt.

Capt’n Schillow Straße des 17. Juni, Am Charlottenburger Tor, Charlottenburg, S 5, 7, 75 Tiergarten, Mi.–Fr. 17–23, Sbd.+So. 10–23 Uhr, Tel. 31 50 50 15, www.capt-schillow.de