Stadt-Runde

Von den Königskolonnaden zum Kennedy-Platz

Berliner Stadtgeschichte und Schöneberger Kiezleben verbindet der Spaziergang an diesem Wochenende.

Der Ausflug beginnt am Kleistpark an der gleichnamigen U-Bahn-Station. Fast 200 Jahre war hier der Botanische Garten, bis er zu klein geworden war und ab 1897 nach Steglitz verlegt wurde. Die Königskolonnaden am Eingang des Parks haben mit der Gartenbau-Geschichte allerdings nichts zu tun: Sie schmückten im 18. und 19. Jahrhundert die Königsstraße, die heutige Rathausstraße in Mitte, bis diese verbreitert wurde und die Kolonnaden keinen Platz mehr hatten. Die Sandsteinbögen, hinter denen an der Königsstraße Geschäfte lagen, zogen in den neu eröffneten Kleistpark um.

Vorbei an der Figur „Genius des Geistes“ von Albert Wolff umrunden wir das umzäunte Grün in der Mitte des Parks und kommen so zum Kammergericht auf der anderen Seite. 1913 als Kammergericht eröffnet, tagte von 1944 bis 1945 der sogenannte Volksgerichtshof in dem Gebäude, das NS-Sondergericht, das Urteile wegen Hoch- und Landesverrats sprach. Hier fanden auch die von Roland Freisler geleiteten Schauprozesse gegen die Beteiligten des Hitler-Attentats vom 20. Juli 1944 statt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs hatte unter anderem der Alliierte Kontrollrat hier seinen Sitz. Nach dem Abzug der Alliierten und einer Sanierung zog wieder das Berliner Kammergericht ein.

Das Kammergericht im Rücken gehen wir nach rechts, bis wir die Grunewaldstraße erreichen. Zur Rechten liegt jetzt das Haus am Kleistpark , einst Königlich Botanisches Museum, heute sind dort die Leo-Kestenberg-Musikschule und die Kommunale Galerie untergebracht. Das 1920 im historischen Stil als Staatliche Kunstschule für die gymnasiale Lehrerbildung erbaute Gebäude neben dem Haus am Kleistpark, diente bis 2000 als Fachbereich der Hochschule der Künste (HdK), seitdem ist es das Medienhaus der Universität der Künste (UdK).

Auf der Grunewaldstraße geht es weiter bis zur dreitürmigen Apostel-Paulus-Kirche, vor der wir nach links in die Akazienstraße mit ihren kleinen Läden abbiegen. Wer eine Pause braucht, findet hier auch viele Cafés und Restaurants. Auf der Belziger Straße geht es weiter in Richtung Westen. Kurz bevor wir die Martin-Luther-Straße erreichen, passieren wir den Heinrich-Lassen-Park , eine Grünanlage hinter dem Stadtbad Schöneberg. Wir aber bleiben auf der Belziger Straße und kommen so direkt zum Rathaus Schöneberg .

Das Gebäude ist heute das Rathaus des Bezirks Schöneberg-Tempelhof, während der Teilung Berlins aber war es einer der wichtigsten politischen Orte der Stadt: Der Regierende Bürgermeister von Berlin hatte hier seinen Sitz, das Abgeordnetenhaus tagte in dem Haus – und bei seinem Berlin-Besuch 1963 sprach US-Präsident John F. Kennedy vor dem Rathaus die Worte: „Ich bin ein Berliner!“ Durch die Freiherr-vom-Stein-Straße ist es jetzt nur noch ein kurzer Weg bis zum U-Bahnhof Rathaus Schöneberg, an dem die Stadt-Runde endet.