Arnos Woche

Rent-a-dog

Arno Müller über Hunde, die man sich ausleihen kann wie Autos

Die so genannte Sharing Economy finde ich in vielen Bereichen sehr nützlich. Wir teilen uns Autos, Haushaltsmaschinen, Wohnungen, Häuser und sogar Nahrungsmittel. Das ist ökonomisch und oft auch ökologisch sinnvoll und absolut im Trend. Zu diesem Angebot an Mietmöglichkeiten gesellt sich in Deutschland allerdings nun eine neue Geschäftsidee aus den USA: der Hund auf Zeit. Als ich das zum ersten Mal hörte, dachte ich, dem muss ich auf den Grund gehen. Der beste Freund des Menschen zum Mieten?

Das Konzept des „Rent-a-dog“ funktioniert ähnlich wie beim Autoverleih. Statt, dass man sich einen Hund kauft, wird er für eine bestimmte Zeit gemietet. Ja, Sie haben richtig gehört. Das Tier bleibt während der Miete Eigentum der Firma. Diese Firmen werben damit, dass Sie sich, sollten Sie beispielsweise bei ihrem Schwarm mit ihrer Tierliebe punkten wollen, nicht gleich in Unkosten stürzen müssen: Für rund 150 Euro pro Monat und eine einmalige Grundgebühr kann man sich den Leihhund borgen, Gassi gehen, man spielt „Stöckchen holen“ mit dem Vierbeiner und das unverbindlich und auf absehbare Zeit. Das Angebot soll auch für ältere Menschen interessant sein, die sich einen eigenen Hund nicht halten können. Oder, so die Werbung, man könnte sich den Hund auch auf Probe mieten, um besser einschätzen zu können, ob man sich einen eigenen Vierbeiner anschaffen möchte.

„Rent-a-dog“ soll also eine Alternative zum eigenen Haustiers sein? Doch wie sieht es mit dem Hund selbst aus? Kaum hat er sich an sein neues Frauchen oder Herrchen gewöhnt, ist die Leihfrist abgelaufen und er wird zurückgegeben. Dann übrigens wird auch dem Hundemieter spätestens und hoffentlich schmerzlich bewusst, dass er sich an den Hund gewöhnt hat, dass er ihn liebgewonnen hat, dass er diesen Freund mit vielen anderen teilen und vor allem wieder hergeben muss. Ein Hund ist ein Lebewesen wie wir es sind, mit Herz und Seele.

Auch wenn ich die Sharing Economy in vielerlei Hinsicht für eine Bereicherung unseres Alltags halte, sollten wir doch vorsichtig damit sein, wenn ein Lebewesen zum Produkt erklärt wird. Schließlich würden wir auch nicht auf die Idee kommen, unsere Kinder vorübergehend an kinderlose Menschen zu vermieten.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von5 bis 10 Uhr)