Berliner Perlen

Preiswert und für großes Publikum

Der „Kunstsupermarkt“ existiert stets nur für kurze Zeit. Dort sollen Kenner und Sammler ebenso fündig werden wie Kunden, die ein Faible für Schönes anlockt

Wer den Kunstsupermarkt betritt, bemerkt sofort, dass dies keine normale Galerie ist. Es besteht unmittelbarer Zugang zu den Werken, die in Holzkisten darauf warten, berührt, herausgenommen und aus nächster Nähe betrachtet zu werden. Auch die Wände hängen voller Bilder, wobei sich Form, Farbe und Stilrichtungen munter abwechseln – von surrealen Ölgemälden und expressionistischen Aquarellen bis zu abstrakten Collagen ist alles dabei.

Den Kunstsupermarkt gibt es bereits seit 16 Jahren, jedoch stets nur für eine bestimmte Zeit. „Das Konzept ist temporär als Pop-Up-Store angelegt, für acht bis zwölf Wochen von November bis Ende Januar und parallel an den verschiedenen Standorten Berlin, Hamburg, Frankfurt, Wien und dem schweizer Solothurn“, sagt Mario Terés, Erfinder des Kunstsupermarkts. In Sylt gibt es zudem einen Laden, der das ganze Jahr über geöffnet hat, die Zentrale befindet sich in Marburg, wo Terés Kunstgeschichte studiert hat und heute lebt.

1998 hatte er dort die Idee, preiswerte Kunst einem großen Publikum zugänglich zu machen. „Ein Kunstwerk ist ein Objekt, aber nichts Heiliges, was man nur von weitem anschauen darf“, erklärt Terés seinen Ansatz. Der Kunstsupermarkt soll das Gegenteil von elitären Galerien und Ausstellungen sein. Daher befinden sich die Räumlichkeiten auch bewusst in Gegenden mit viel Publikumsverkehr, in Berlin etwa an der Friedrichstraße.

Für Laien konzipiert

Die Preise sind auch für den Normalbürger erschwinglich. In vier festen Preiskategorien, 59, 100, 220 und 330 Euro, werden ausschließlich Unikate angeboten. Der Künstler bestimmt selbst, wie viel sein Werk wert ist. Zudem gibt es eine Premium-Sparte, in der die Bilder mehrere Tausend Euro kosten. „Mit der Zeit hat sich ein Kundenkreis gebildet, der Interesse an teureren Bildern hat“, sagt Terés. Aber das seien vergleichsweise wenige Bilder, 50 bis 100 von etwa 5000 Werken an jedem Standort.

Nicht nur bei den Preisen, auch bei den Künstlern geht man andere Wege. Zwar finden sich auch internationale und etablierte Maler mit einem bestimmten Renommee im Sortiment, aber eigentlich ist der Kunstsupermarkt für Newcomer gedacht. „Junge Künstler haben nicht viele Chancen, eine Ausstellung zu bekommen – wir bringen sie mit einem großen Publikum zusammen“, sagt Terés.

Über 170 Künstler mit 30.000 Werken beteiligen sich jedes Jahr, einige gehen, andere bleiben. Das ist gar nicht unerwünscht. So können Stammkunden jedes Jahr etwas Neues entdecken. Zudem werden an den Standorten viele regionale Künstler ausgestellt. So gibt es in Berlin eine Art von Höhlenmalerei in moderner Variation von Leonardo Canetta, Porträts auf Tapete von Stefanie Nückel oder auch Stillleben und Tiermotive von Britta Clausnitzer.

„Die Berliner Künstler laufen gut, es gibt überhaupt kaum jemanden, der gar nicht gekauft wird“, erzählt Elvira Pautzen, die seit mehr als fünf Jahren in der Berliner Filiale arbeitet. Man habe sehr viele einheimische Stammkunden, es kämen aber auch Touristen, die sich über die niedrigen Preise freuen würden. Elvira Pautzen sagt, es gäbe zwei Arten von Kunden: „Einseits die Stöberer, die sich wie im Museum in Ruhe umschauen wollen und das Erlebnis genießen, ein Unikat in der Hand halten zu können. Andererseits diejenigen, die persönlich beraten werden wollen, auch um zu entscheiden, was am besten in ihre Wohnung passt“, sagt Pautzen. Es würden aber auch viele Schulklassen kommen, die sich von den Werken für den Kunstunterricht inspirieren lassen und teilweise die Bilder nachzeichnen.

Laufend Nachschub

Olaf Hendriok kommt mit seiner Frau seit vier Jahren regelmäßig aus Wolfsburg zum Kunstsupermarkt nach Berlin. „Ich finde es angenehm, aus so großer Auswahl ein Unikat zu gutem Preis zu bekommen“, sagt er. Diesmal nimmt er Werke von Gisela Halbe für 59 Euro und vom chinesischen Künstler Yi Zheng Lin für 110 Euro mit.

Das Angebot verändert sich ständig, was Stammkunden anziehe, sagt Terés. „Mancher Künstler kann von einer Supermarkt-Saison seinen Lebensunterhalt bestreiten.“

Kunstsupermarkt im Erdgeschoss von „The Q“, Friedrichstr. 67-70, Tel. 209 444 82, Mo.-Sbd. 10.30-20 Uhr, geöffnet bis 24. Januar