Stadt-Runde

Wohnschiffe, Villen und Weiden am Stralauer Ufer

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Alte Fabriken, neue Stadthäuser und das Ufer mit Weiden, Lastkähnen, Wohnschiffen und Motorbooten – all das hat die Halbinsel Stralau in Friedrichshain zu bieten.

Unser Spaziergang beginnt an der Straße Alt-Stralau, nahe der Bahnbrücke. Den Ausgangspunkt erreicht man mit den Buslinien 104 und 347 und vom S-Bahnhof Treptower Park aus. Dort, nahe am Bahngelände und am Spreeufer, steht die alte Teppichfabrik. Das unsanierte Gebäude dient als Veranstaltungsort. Wir folgen dem Uferweg und treffen, in Höhe Alt-Stralau 18, auf einen kleinen Park mit zwei Reliefstelen aus rotem Sandstein. Es ist die Erinnerungsstätte für den Philosophen Karl Marx, der im Alter von 19Jahren auf der Halbinsel lebte.

Wegen seiner stark angegriffenen Gesundheit habe der Student von April bis Herbst 1837 einen ärztlich verordneten Landaufenthalt auf Stralau verbracht, heißt es im Band Berlin der Publikationsreihe „Werte unserer Heimat“. Marx soll dieser Quelle zufolge im Haus des Fischers und Gastwirts Gottlieb Köhler gewohnt haben. Der Text der Gedenktafel für Marx erinnert auch an das Treffen von Hamburger Glasarbeitern auf Stralau im Jahr 1890, die einen landesweiten Streik der „Buddelmaker“ vorbereiteten. Das Kunstwerk hat der Bildhauer Hans Kies zu Beginn der 60er-Jahre geschaffen.

Die Beschaulichkeit der Halbinsel zur Zeit des 19. Jahrhunderts hat sich längst gewandelt. In den vergangenen Jahren sind viele Wohnhäuser und Stadtvillen am Stralauer Ufer entstanden, weitere sind im Bau. Ihr Kennzeichen sind die großen Glasfenster mit Blick auf die Spree und die Rummelsburger Bucht. Dennoch kann auch der Nicht-Stralauer die Halbinsel auf dem Uferweg umrunden. Einen Bogen muss man jedoch um das eingezäunte Gelände der Dorfkirche Stralau und den Friedhof machen. Doch man kann das Kirchengrundstück betreten und hat auch dort den Blick auf die Spree. Die Jahrhunderte alte Kirche fällt schon von Weitem durch die weiße Fassade und den leicht geneigten Turm mit spitzer Haube auf. Sie liegt an der Tunnelstraße 5-11. Der Straßenname erinnert an den Tunnel, der Ende des 19. Jahrhunderts zwischen Stralau und Treptow gebaut wurde und durch den einst eine Straßenbahn, die so genannte Knüppelbahn, fuhr. Er ist zugeschüttet.

Am Uferweg nahe dem östlichen Zipfel der Halbinsel weist eine Tafel auf die beiden kleinen Inseln Kratzbruch und Liebesinsel hin, die unter Naturschutz stehen. Am Ufer des Rummelsburger Sees steht der einstige Palmkernölspeicher mit einer roten Backsteinfassade. Er wurde saniert und ist ein Wohnhaus geworden. Bislang unsaniert und mit Graffiti besprüht sind die Gebäude der Glaswerke Stralau, zwischen Glasbläserallee und Kynaststraße gelegen.

( saf )