Drama

Weihnachtsurlaub in Thailand

Die Liebe ihres Sohnes zu der geheimisvollen Fai verändert das Leben der Familie Schröder: „Patong Girl“

Im Urlaub zeigt sich oft, wie tolerant der aufgeklärte Bürger tatsächlich ist. Zum Beispiel Familie Schröder. Vater Ulrich (Uwe Preuss), Mutter Annegret (Victoria Trauttmannsdorff) und die Söhne Tommy (Marcel Glauche) und Felix (Max Mauff) empfinden sich selbst keinesfalls als Spießer.

Trotzdem spürt der Zuschauer, sobald er sie bei der Ankunft zu ihrem Weihnachtsurlaub in Thailand sieht, dass ihre Aufgeschlossenheit Grenzen hat. Sie wollen genau das bekommen, was sie gebucht und bezahlt haben. Sobald etwas anders läuft als geplant, interpretieren sie die Freundlichkeit der thailändischen Hotelangestellten als falsch oder gar hinterlistig. Darin entsprechen die Schröders einem sehr deutschen Klischee: Sie genießen, was Thailand zu bieten hat, die Sonne, das Meer, die schönen Menschen, aber sie haben dabei ständig Angst, hintergangen zu werden, nicht das „Richtige“ zu bekommen.

Die Finnin Susanna Salonen, in Berlin zur Filmarbeit gekommen, hat selbst eine längere Zeit in Thailand verbracht. Ihrem Spielfilmdebüt – Salonen hat zuvor mehrere Dokumentarfilme gedreht – merkt man an, dass sie beide Seiten sehr gut kennt, sowohl die der deutschen Durchschnittsfamilie in den Ferien als auch die der Einheimischen.

Mit einem Blick für Details gelingt es ihr, aus der völlig unspektakulären Situation eines Weihnachtsurlaubs ein spannendes Drama darüber zu entwickeln, wie offen für eine Begegnung mit dem Fremden die meisten Menschen wirklich sind. Denn trotz der kleinen Ärgernisse fühlen sich die Schröders in Thailand wohl. So wohl, dass es dem schüchternen Felix, mit seinen 18 Jahren der Jüngste in der Familie, gelingt, ein Mädchen in einer Bar anzusprechen. Seine Eltern hegen zwar den Verdacht, bei Fai (Aisawanya Areyawattana) handle es sich um eine Prostituierte, aber was Felix mit ihr erlebt, fühlt sich für ihn wie große Liebe an. Weshalb er denn auch am letzten Tag der Ferien spontan beschließt, in Thailand zu bleiben und Fai, die inzwischen selbst auf dem Nachhauseweg ist, einzuholen. Der Rest der Familie hat schon am Flughafen eingecheckt, doch in letzter Minute steigt Mutter Annegret aufs Gepäckband, um sich ihren Koffer wiederzuholen und ihrerseits Felix hinterher zu reisen. Auf sehr unterschiedliche Weise beginnt für Mutter und Sohn der eigentliche Erkenntnis-Trip.

Darüber, was Felix widerfährt, als er seine Fai wiederfindet, lässt sich nicht allzu viel sagen, ohne einen echten Spoiler zu verraten. Obwohl Salonen diesen Wendepunkt geradezu als Beiläufigkeit inszeniert. Es kommt ihr darauf an, die Reaktionen ihrer zwei Helden, die sich nun wirklich gegenseitig zeigen müssen, wer sie sind, glaubwürdig auf die Leinwand zu bringen. Mutter Annegret, deren betuliche Verfolgung sich vor allem als mentales Hinterherhinken entpuppt, dient zwischendurch als willkommen komische, wenn auch etwas bösartig überzeichnete Abwechslung.

Drama: 2014, 93 min., von Susanna Salonen, mit Max Mauff, Aisawanya Areyawattana

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