Berliner Perlen

Alles ein bisschen anders

Im Charlottenburger Geschäft „TamTam“ bietet Beate Schmahljohann Spielzeug, das nicht vom Fließband kommt. Wie früher gibt es dort Kaufmannsläden und Puppenküchen aus Holz

Der kleine Junge ist begeistert. Kaum zur Ladentür herein, steuert er die Puppenküche an. Bald hantiert er mit Töpfen und Pfannen. Beate Schmahljohann, Inhaberin des Geschäfts „TamTam Holzspielwaren“ sagt trocken: „Viele Spitzenköche sind nun mal Männer.“

In der Mitte des 70 Quadratmeter großen Verkaufsraumes an der Knesebeckstraße steht ein breiter Spieltisch, an dem die Kleinen mit Autos und Trucks spielen. „Kinder dürfen hier alles anfassen“, sagt Schmahljohann. Konzentriert stöbert ein kleines Mädchen im bunten Mix aus Plüschtieren, Bilderbüchern und Figuren aus Holz. „Holzspielzeug ist cool und Spielen lehrreich,“ sagt seine Mutter. Und noch viel mehr, meint Beate Schmahljohann. Spielen, vor allem in der Gemeinschaft, sei Voraussetzung für eine harmonische Entwicklung. So werde soziale Kompetenz trainiert. Deshalb legt Schmahljohann Wert auf Spielzeug, das Rollenspiele unterstützt.

Ein typisches Weihnachtsgeschenk von „TamTam“ ist der traditionelle Kaufmannsladen aus Erlenholz für 249,00 Euro. Der kann mit originellem Zubehör komplettiert werden. Schnittobst und Tortenstücken etwa, mit Klettverschlüssen zusammengehalten, sehen verblüffend echt aus. Dauer-Hits sind Käthe-Kruse-Puppen ab 39,95 Euro. Bunte Puppen-Jäckchen und Kuscheldecken häkelt die Chefin selbst - als kostenlose Zugabe.

Etwas höhere Preise

Das Gros des Sortiments findet sie auf den jährlichen Branchenmessen in Hamburg und Nürnberg, immer in Begleitung ihres Sohnes. Beate Schmahljohann schätzt zudem die Tipps vom Patenkind, etwa bei Online-Bestellungen. Dann kommen witzige Schildkröten aus New York, Londoner Puppenhäuser oder kultige London-Busse aus Holz. „Man muss sich mit außergewöhnlichen Artikeln profilieren“, sagt sie. Aber auch, indem man mit der Zeit geht. Dazu gehört, die Vorliebe der Kinder für PC-Spiele zu akzeptieren. Die Branchen-Zukunft liege in Traditionellem, ebenso in moderner Technik. „Die Menschen besinnen sich wieder auf kleine, schöne Sachen, ein Spaziergang mit der Familie etwa hat heutzutage besonderen Wert.“

Obwohl das Sortiment auf die Altersgruppe Null bis Sechs ausgerichtet ist, kommen oft ältere Kinder. Die kleine Lea ist gerade auf der Suche nach Mini-Püppchen und Bären. „Die sind für mein Playmobil-Haus“, sagt sie. Trotz etwas höherer Preise kaufen Kunden gezielt bei „TamTam“. Das Geschäft ist ein beliebter Anlaufpunkt beim Weihnachts-Shopping am Kurfürstendamm. Israelische Besucher logieren gern im Mercure-Hotel nebenan, Spanier im Abba-Hotel, russische Gäste besuchen ihre Verwandten in Charlottenburg. Das „Tam-Tam“ steuern viele von ihnen an. So reist Beate Schmahljohanns Spielzeug in die ganze Welt.

Ihrem Vorgänger, einem Franzosen, kaufte sie den Laden 1985 ab. Seitdem führt die heute 65-Jährige die Geschäfte. Manche Kunden erhielten schon als Kinder aus diesem Geschäft ihr Spielzeug. In Ermangelung eines Nebenraums dient die Galerie hinter einer blau-weißen Verkleidung als Lager. Viele junge Besucher glauben, so hat die Chefin erfahren, der Weihnachtsmann betreibe dort eine Außenstelle.

Seit vielen Jahren schickt Schmahljohann weihnachtliche Spielzeugspenden an Berliner Flüchtlingsheime, aktuell etwa für syrische Kinder. „Bei gutem Umsatz spende ich für SOS-Kinderdörfer“, sagt sie. Die gebürtige Schönebergerin erinnert sich gern an ihre Kindheit. „Zweimal im Jahr hat meine Mutter uns eingekleidet: meine Puppen und mich.“

Liebe auf den ersten Blick

Eigentlich ist Schmahljohann gelernte Industriekauffrau. Lange arbeitete sie im Personalwesen. Als sie dann ihren Laden eröffnete, schneiderte ihre Mutter Puppenkleider, der Vater lieferte das Startkapital. Ihr Faible für außergewöhnliche Ware stammt von einem Urlaub am Bodensee: Zufällig entdeckte sie dort einen Holzspielzeugladen. „Es war Liebe auf den ersten Blick“ , sagt sie.

Seit nun fast 30 Jahren am jetzigen Standort hat Schmahljohann ihre Entscheidung, den Beruf zu wechseln, keinen Tag bereut. „Viel Arbeit, aber auch Spaß und Freude“, bilanziert sie. Immer wieder staune sie über die beruhigende Wirkung des spielerischen Umfelds. „Selbst nervöse Menschen werden hier zahm und friedlich“, sagt Schmahljohann und lacht. Dank des Ladens und seiner Besucher habe sie gelernt, die Welt wieder mit Kinderaugen zu sehen. „Hier lebe ich ganz in Harmonie in meiner kleinen heilen Welt. Der Laden ist mein Zuhause.“

TamTam Holzspielwaren Knesebeckstraße 59–61, Charlottenburg, Tel. 88 21 454, Mo.–Fr. 10-19 Uhr, Sbd. 10-18 Uhr