Ausflugs-Tipp

Märchenwald am Wannsee

Zum Rotkäppchenweg, zur Liebermann-Villa und an das Grab von Heinrich von Kleist

Weihnachtszeit ist (auch) Märchenzeit. Die lässt sich erlaufen: In Berlin gibt es so manche verwunschen klingende Straße wie die Drosselbartstraße in Neukölln oder den Schneewittchenweg in Wannsee. Unweit davon befindet sich mit dem Rotkäppchenweg ein weiterer Märchenpfad. Ob der tatsächlich so zauberhaft ist, wird sich beim Spaziergang am Großen Wannsee zeigen.

Im Sommer könnte man die Tour mit einer Stärkung im Biergarten vom Ausflugslokal Loretta beginnen. Dafür ist es zu kalt, und so geht es vom S-Bahnhof Wannsee den Kronprinzessinnenweg hinunter. Wir biegen rechts ab, überqueren die Wannseebrücke, biegen von der Königstraße rechts in die Straße Am Großen Wannsee ab. Wasser, Villen, Boote und Winterliegeplätze prägen das Bild entlang dieser Einbahnstraße. Nach gut einem halben Kilometer biegen wir links in die Koblanckstraße ein. Die Straße hinauf geht es links in die Straße zum Löwentor, ein kurzes Stück später rechts die Lindenstraße hoch. Nach rund 250 Metern stehen wir vor einem dreieckigen Grundstück: dem 1887 vom Geheimen Kommerzienrat W. Conrad gestifteten Friedhof Wannsee und der von Wannseer Bürgern finanzierten Andreaskirche von 1895/96. Weil dort zahlreiche Villenbesitzer beerdigt wurden, heißt der im Volksmund auch „Millionenfriedhof“.

Dahinter geht es in den Düppeler Forst. Und zum Rotkäppchenweg. Der Sandweg ist nicht allzu breit und wird zu beiden Seiten von hohen Bäumen des Mischwaldes gesäumt. Wir folgen dem Weg und halten uns dabei rechts. Es geht rund einen Kilometer durch den Wald. Von guten und bösen Märchengestalten: keine Spur. Dann wird es lichter und wir erspähen durch die Bäume die Havel. Fünf Minuten später trifft der Weg auf die Uferpromenade, es geht weiter rechts herum. Die Havel und den Großen Wannsee zur Linken, Schilf und viel Wald auf der rechten Seite, ist von Großstadt nichts mehr zu spüren. Wir erblicken die Insel Schwanenwerder und das Strandbad Wannsee. Wir passieren eine kleine Steinbrücke. Wir haben Heckeshorn erreicht.

Mächtiges Tier auf einem Podest

In der Saison unterhält die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft hier eine Wasserrettungsstation. Wir gehen auf die Uferpromenade zurück, der Weg steigt nun an. Vor uns erhebt sich ein mächtigeres Tier: der Flensburger Löwe. Das dänische Original entstand aus Anlass des Sieges der Dänen über die Schleswig-Holsteiner 1874, die Kopie fertigte der Bankier Wilhelm Conrad an, als sich das Kriegsglück wieder zu Gunsten der Deutschen wendete. Nach hundert Metern trifft die Promenade auf die Straße Am Großen Wannsee. Wir spazieren links entlang, kommen am Haus der Wannsee-Konferenz vorbei. In der heutigen Gedenkstätte fand am 20. Januar 1942 die Konferenz zur sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ statt.

Beeindruckt bleiben wir vor der „Villa Herz“ stehen. Das rund 120 Jahre alte Haus wirkt wie ein Märchenschloss, wird daher auch als Film-Location vermietet. Wie Perlen an einer Schnur reihen sich verschiedene Wassersportclubs aneinander. Rund 700 Meter sind es bis zur Colomierstraße, einer kleinen Sackgasse, an deren Ende sich der Eingang zur Liebermann-Villa befindet.

Das restaurierte Sommerhaus des Malers Max Liebermann (1847–1935), der als wichtiger Wegbereiter der modernen Malerei gilt, wurde im Frühjahr 2006 als Museum eröffnet. Im Haus sind Liebermanns Werke ausgestellt. Eine Kaffeepause im netten SB-Café des Hauses ist nach zweieinhalb Spazierstunden angebracht. Beim Hinausgehen werfen wir einen Blick auf die Nebengebäude wie die Kutschenremise der Villa der Verlegerfamilie Langenscheidt. Das Landhaus von 1901 steht unter Denkmalschutz und ist heute an einen Wassersportclub verpachtet.

Wieder auf der Straße Am Großen Wannsee laufen wir zurück, biegen links in die Königstraße und passieren wieder die Wannseebrücke. Rechter Hand machen wir noch einen Abstecher zum Kleist-Grab. Dort haben sich Heinrich von Kleist und seine Geliebte Henriette Vogel 1811 das Leben genommen. Von hier aus ist es nicht mehr weit zurück zum S-Bahnhof Wannsee.