Stadt-Runde

Der unbequeme Herr Heine

Ein Bein locker ausgestreckt, eine Hand erhoben, mit gelassenem Lächeln. So sitzt Heinrich Heine als Bronzeskulptur auf dem Sockel. Das Denkmal steht im Volkspark am Weinbergsweg in Mitte, nahe der Veteranenstraße. Dort beginnt und endet unser Ausflug.

Auf dem Sockel des Kunstwerks ist Heines Ausspruch „Wir ergreifen keine Idee, sondern die Idee ergreift uns“ zu lesen. Die Skulptur schuf Bildhauer Waldemar Grzimek um 1954. Sie war ein Auftragswerk und sollte an zentraler Stelle in Mitte, im Kastanienwäldchen nahe der Humboldt-Uni aufgestellt werden. Doch die legere Haltung der Bronzefigur missfiel den politisch Verantwortlichen in der DDR-Hauptstadt. Das Kunstwerk wurde zunächst auf die Museumsinsel und dann in den Volkspark abgeschoben.

An der Veteranentraße 21 liegt ein Treff und Arbeitsort alternativer Künstler, das Kunst- und Kulturhaus Acud mit Kino, Theater, Clubraum und Galerie. Vor dem Eingang fallen die rot, violett, blau, gelb und grün gestrichenen Bänke und Tische des Cafés auf. Die Veteranenstraße führt zum Zionskirchplatz . Schon von weitem ist die imposante Kirche zu sehen, mit gelben Backsteinen, hohen Fenstern, Ornamenten und Säulen. Das Gotteshaus wurde 1873 in Anwesenheit von Kaiser Wilhelm I. eingeweiht.

1931/32 wirkte auch der evangelische Theologe Dietrich Bonhoeffer in der Gemeinde. Er betreute eine Gruppe von etwa 50 Konfirmanden, die aus armen Familien stammten. Bonhoeffer habe den Jungs Schach und Englisch beigebracht, und Stoff für die Konfirmationsanzüge gekauft, steht auf einer Tafel in der Kirche zu lesen. Die Zionskirche wurde in der DDR zum Symbol für die Bürgerrechtsbewegung. Die Umweltbibliothek im Gemeindehaus an der Griebenowstraße 15/16 war in den 80er-Jahren ein Treffpunkt oppositioneller Gruppen.

Von der Griebenowstraße gelangt man zur Schwedter Straße. In Höher Nummer 34 a/b führt ein Weg zu einem alten Industriebau. Es war die Fabrik von Gustav Cyliax , die ab Ende des 19. Jahrhunderts produzierte. Unter einem langen und verlockenden Namen: Schokoladen- und Kakao-Werke, Honigkuchen-Keks-Marzipan- und Konfitürenfabrik. Das Werksgelände erstreckte sich von der Schwedter Straße bis zur Kastanienallee. Heute befinden sich Büros und Lofts in den restaurierten Gebäuden. Unser Weg führt weiter auf der Schwedter Straße in Richtung Norden, wo man schon den Mauerpark sieht. Über Oderberger Straße und Kastanienallee gelangt man zurück zum Ausgangspunkt.