Kulturmacher

Zehn Wochen Kunst für einen Euro

In der Kommunalen Galerie Berlin bekommen Künstler vor allem aus Charlottenburg-Wilmersdorf einen Raum. Und in der zugehörigen Artothek gibt es 8000 Werke zur Ausleihe

Die besten Ideen kommen Elke von der Lieth bei der Gartenarbeit. Vielleicht wurde dabei auch die Idee zur Ausstellung „Hotel Bogota“ geboren. Jedenfalls beschloss sie, dass dieses traditionsreiche Hotel an der Schlüterstraße nicht einfach so verschwinden darf. Darum hat sie vor einem Jahr den Berliner Stadtfotografen André Kirchner beauftragt, die letzten Tage des Hotels zu dokumentieren, bevor es im Dezember 2013 schließen musste. Ausgestellt sind Kirchners Fotos nun in der Kommunalen Galerie Berlin am Hohenzollerndamm, die Elke von der Lieth leitet.

Daneben gibt es noch eine zweite Ausstellung aus dem Hotel: Die Fotokünstlerin Karen Stuke hat ein Jahr lang immer wieder im Bogota übernachtet und diese Nächte mit der Camera obscura begleitet. Die Belichtungszeit eines Fotos entspricht dabei der Dauer einer Nacht. Entstanden sind geheimnisvoll verschwommene Bilder einer Schlafenden in einem ansonsten klar zu erkennenden Raum.

Es ist kein Zufall, dass sich gleich zwei Ausstellungen mit dem Hotel Bogota befassen und dazu noch viele Fotos mit Kudamm-Motiven von Karl-Ludwig Lange gezeigt werden. Schließlich ist es Ziel der Kommunalen Galerie Berlin, Künstler aus Berlin, vor allem aus Charlottenburg-Wilmersdorf, zu präsentieren und Werke, die Themen aus dem Bezirk aufgreifen. Auch Stipendiaten der Universität der Künste stellen regelmäßig aus. Auf zwei Etagen und 500 Quadratmetern Ausstellungsfläche werden immer zwei bis drei Schauen gleichzeitig gezeigt, die jeweils oft nicht länger als zehn Wochen zu sehen sind. „Der Andrang ist groß“, erklärt Elke von der Lieth.

Bilder in der Mädchenkammer

Seit zehn Jahren leitet Elke von der Lieth die Galerie. In Berlin hat die gebürtige Niedersächsin Kunst- und Kommunikationswissenschaft sowie Ethnologie studiert, danach viele Jahre als Kuratorin von Ausstellungen in Berlin und Potsdam gearbeitet. 2004 wurde sie dann Leiterin des Kulturamtes Charlottenburg-Wilmersdorf. Seitdem ist sie nicht nur Leiterin der Kommunalen Galerie, sondern ebenso für die bezirklichen Aktivitäten im Bereich Kultur zuständig, wozu auch die Beratung und Förderung von Künstlern zählt.

Der Kontakt zu den Künstlern liegt ihr sehr am Herzen. „Ich bin doch nicht nur dafür da, mir im Büro zu überlegen, welche Bilder ich an die weißen Wände der Galerie hänge“, sagt sie. Die Planung und Umsetzung der Ausstellungen mache die Hälfte ihrer Arbeit aus, in der anderen Hälfte geht sie nach draußen, in die Ateliers, zu den Künstlern. Dabei seien die nicht immer leicht aufzuspüren. Im Gegensatz zu anderen Bezirken gibt es in Charlottenburg-Wilmersdorf nur zwei Atelierhäuser, in der Sigmaringer Straße und am Nonnendamm. Viele Künstler hätten aber oft schon seit Jahrzehnten ein Privatatelier in einer Altbauwohnung. „Da wurde das Berliner Zimmer zum Atelier und die Mädchenkammer ist bis unter die Decke vollgestopft mit Bildern“. Wahre Schätze könne man hier finden – Elke von der Lieth sieht darin eine große Herausforderung.

Es ist ihr wichtig, dass Kunst nicht in einer Kammer verstaubt, sondern für viele Menschen zugänglich wird. Auch deshalb gibt es viele Ausstellungen im Jahr, darum ist der Eintritt frei. Außerdem besteht seit Gründung der Galerie vor 40 Jahren die Artothek. Hier stehen etwa 1000 Werke vor allem aus den Bereichen Grafik, Fotografie, Plastik zur Ausleihe bereit. Die tatsächliche Sammlung umfasst etwa 8000 Werke. Die Gebühr liegt für zehn Wochen zwischen einem und fünf Euro pro Werk.

„Das Angebot wird gut genutzt“, sagt Elke von der Lieth, „da kommen Menschen, die nicht 50 Jahre lang den Hirsch über dem Sofa hängen haben wollen, aber auch Büros oder Kanzleien, bei denen vielleicht das Budget für die Anschaffung von Kunst fehlt.“ Und neben der Artothek gibt es noch das Atelier, in dem ein kreatives Programm zu den laufenden Ausstellungen vor allem für Kinder und Jugendliche angeboten wird. Dabei besteht auch eine Kooperation mit verschiedenen Schulen des Bezirks.

Insgesamt 29 kommunale Galerien gibt es in ganz Berlin. Nur die in Charlottenburg-Wilmersdorf heißt aber auch so. Insgesamt werden in diesen öffentlichen Kunsträumen zwischen 150 und 200 Ausstellungen pro Jahr gezeigt, an denen etwa 1000 professionelle Künstler beteiligt sind.

Um eine stärkere Präsenz in der Öffentlichkeit zu erreichen, haben sich die kommunalen Galerien jetzt zu einem Arbeitskreis zusammengeschlossen und sich unter dem schillernden Kürzel KGB erstmals bei der diesjährigen Art Week gemeinsam präsentiert. Der Kultursenat hat dafür zusätzlich zu den Mitteln, die über den Bezirk an die jeweiligen Galerien fließen, einen eigenen Ausstellungsfonds ins Leben gerufen. 20.000 Euro gehen dabei an jeden Bezirk, noch einmal 110.000 Euro gibt es für gemeinsame Aktivitäten, zum Beispiel um bezirksübergreifend Projekte umzusetzen.

Kunst und Essen

Über den Tellerrand schaut Elke von der Lieth ohnehin gern. Sie ist in Berlin und anderswo viel in Museen und Galerien unterwegs. Ihr besonderes Interesse gilt dabei der Fotografie. Nicht zuletzt deshalb hat auch die derzeitige Ausstellung zum Hotel Bogota für sie eine große Bedeutung. „Im Hotel selbst gab es ja regelmäßig Fotoausstellungen, der dortige ,Photoplatz‘ hat die Fotografie in Berlin mitgeprägt“, ist die Galerie-Leiterin überzeugt.

Und auch sie will mit der Kommunalen Galerie das Kunstangebot im Bezirk prägen und ihr vor allem einen Ort geben. Pläne für Ausstellungen und auch für ungewöhnliche Projekte hat sie viele. „Kunst und Essen würde ich zum Beispiel gern mal zusammenbringen“, sagt sie, Platz gäbe es ja in der Galerie genug. Und wenn im kommenden Jahr die Gartensaison wieder beginnt, wird ihr wohl noch so einiges einfallen.