Komödie

Alles schon mal besser gesehen

Das Remake kommt leider nicht an das Original heran: „Alles Liebe“

Wenn man einmal das Original gut fand, kommt halt nichts Besseres mehr nach. Es geht um Pop-Songs, als die Kaufhausangestellte Kiki (Nora Tschirner) diesen Satz sagt, aber eigentlich meint sie ihre verflossene große Liebe. An die komme, so glaubt sie, selbst zehn Jahre nach der Trennung niemand heran. Der Weihnachtsfilm „Alles ist Liebe“, in dem unter anderem Kikis Geschichte erzählt wird, tut nichts, um dieser ansonsten cleveren jungen Frau zu widersprechen. Daher hat er es verdient, an seiner eigenen Aussage gemessen zu werden.

Denn auch „Alles ist Liebe“ ist kein Original, sondern ein Remake des niederländischen Kassenschlagers „Alles ist Liefde“, der seinerseits von der britisch-amerikanischen Produktion „Tatsächlich Liebe“ inspiriert war. Die fleißige Drehbuchautorin Jane Ainscough hat also über Bande „Tatsächlich Liebe“ ins Deutsche übertragen und mit „Friendship!“-Regisseur Markus Goller vollendet. Doch im Gegensatz zur „Alles ist Liefde“-Autorin Kim van Kooten scheinen sie nicht verstanden zu haben, worin die besondere Qualität des Originals besteht.

Es ging in „Tatsächlich Liebe“ eben nicht nur darum, möglichst viele prominente Darsteller im Schneetreiben möglichst oft das Wort „Liebe“ sagen zu lassen. Dem Film gelang es, das religiöse Weihnachtsfest in eine säkularisierte Welt zu transzendieren. Anstelle des Christkindes stieg der Premierminister, damals Tony Blair (gespielt von Hugh Grant) hinab in die Welt der Bürgerlichen, wo er sich verliebte und zum Löffel machte. Das märchenhafte Identifikationsmoment bot ein schrulliger Rockstar, der den (in England tatsächlich existierenden) Hype um den Nr.-1-Weihnachtshit schamlos für ein Comeback nutzte.

Demnach hätte „Alles ist Liebe“ also etwa in Nürnberg gedreht werden müssen; das jährlich neu gewählte Christkind würde mitspielen und Angela Merkel geriete vielleicht durch eine Jugendliebe aus der Fassung. Doch stattdessen tritt hier der Weihnachtsmann (Elmar Wepper) vor allem als Werbeträger eines Frankfurter Shopping-Centers auf. Die Funktionen von Gott, Premierminister und Rockstar muss ein gewisser Jan Silber übernehmen. Der hat gerade die Titelrolle in einem Hollywood-Blockbuster bestritten und weil so ein deutscher Star halt nicht existiert, muss der „Alarm für Cobra 11“-Darsteller Tom Beck diesen Jan Silber als plattestes Medienklischee eines snobistischen Kotzbrockens spielen.

Drum herum erzählen diversen Episoden nicht von der Liebe in vielen Schattierungen und Altersstufen, sondern von kriselnden Beziehungen diverser Erwachsener, die an enttäuschtem Vertrauen oder finanziellen Krisen leiden oder zerbrochen sind. Vom „Tatort“-Liebling Fahri Yardim bis zum einstigen Soap-Sternchen Inez Björg David sind hier alle mit Herz und Ernst bei der Sache. Doch sie können nicht verhindern, dass diese Cover-Version anstelle von Dramen Depression setzt, dass sie Transzendenz mit Marketing verwechselt und Humor zu wiederholten Kaninchenfürzen gerinnen lässt. Schlimm sind eben jene Cover-Versionen, die nur deshalb entstehen, weil ihr Original so erfolgreich war.

Komödie: D 2014, 120 min., von Markus Goller, mit Nora Tschirner, Christian Ulmen, Elmar Wepper, Heike Makatsch, Tom Beck, Wotan Wilke Möhring, Fahri Yardim

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