Bühnencheck

Kleine Tragödien unter Männern

Täglich vernichtet Heinz Bösel Schnitzel, die ihren Namen nicht verdienen. Und zwar in Lokalen, die so trostlos sind, dass selbst dicke schwarze Fliegen einen Bogen um sie machen. Kein Wunder, dass der vierschrötige Bösel bei dem gebotenen Elend am liebsten besoffen ist. Sein biederer Yuppie-Kollege Kurt Fellner prüft mit Akribie, ob bei Duschköpfen und Pensionsbetten die Hygienevorschriften eingehalten werden. Dabei faselt er unentwegt über fremde Esskulturen, vor allem Indiens, und prahlt mit peinlichem Halbwissen. Nun tingeln die beiden Gaststätteninspektoren auf Dienstreise durch die Provinz. Ein nervenzerrender Clash der Mentalitäten, der rasch eskaliert.

Vielfach preisgekrönt, gilt die von Alfred Dorfer und Josef Hader verfasste Tragikomödie „Indien“ seit der Uraufführung 1991 und der Verfilmung 1993 als Kabarett-Klassiker. Nun hat Stefan Neugebauer das schwarzhumorige Stück im Stadtbad Steglitz inszeniert. Es ist seine letzte Arbeit dort. Der Regisseur leitet ab kommender Spielzeit das Theater Naumburg. Und das Stadtbad stellt Ende Dezember seinen Spielbetrieb ein.

„Indien“ setzt einen würdigen Schlusspunkt mit einem gelungenen Spagat zwischen derber Klamotte mit Zoten und zartbitterer Groteske. Tom Baldauf als Heinz Bösel und Peter Johan als Kurt Fellner gelingt die Wandlung zweier schmieriger Typen zu sympathischen Unsympathlen äußerst glaubwürdig.

Sie sind zwei arme Würstchen, die sich anfangs nicht mögen, sich brutal streiten, letztlich aber doch eine Männerfreundschaft wagen – sogar bis in den Tod. Dabei kontrastiert die von Fellner stets beschworene Exotik die grausame Profanität des Alltags so gallig und rabenschwarz, dass man noch Tage danach darüber feixen könnte. Sehenswert.

Stadtbad Steglitz Bergstraße 90, Steglitz, Tel. 54 77 31 18, bis 19. 12., Fr. & Sbd., 20 Uhr, 31. 12. um 18 & 20 Uhr, Karten kosten 15–20 Euro.