Drama

Platonische Liebe zwischen Alt und Jung

Mit diesem Film tritt Produzentin Alice Brauner das Erbe ihres Vaters Artur Brauner an: „Auf das Leben“

Die alte Dame ist störrisch und der junge Mann bockig. Sie ist das Opfer einer Zwangsräumung, er der Möbelpacker, der ihre Kisten in die armselige neue Wohnung bringt. Sie hat eine schwere Vergangenheit im Holocaust hinter sich, er eine schwere Zukunft mit Multipler Sklerose vor sich, zwei Schicksale, auf die sie in ähnlicher Weise mit Flucht und Verdrängung reagieren.

Normalerweise würden sich ihre Wege nur unverbindlich kreuzen, doch dann kommt es anders. Zwischen ihnen entzündet sich eine platonische Liebesgeschichte, befeuert auch davon, dass er einer großen, verlorenen Liebe ihres Lebens verblüffend ähnlich sieht. Als Jonas die alte Dame dann zufällig mit aufgeschnittenen Pulsadern in der Badewanne findet, übernimmt er mehr Verantwortung, als ihm lieb ist, bekommt aber durch das fremde Leben bald neue Impulse für das eigene.

Auf den ersten Blick mutet das an wie eine Standard-Geschichte, in der sich Alt und Jung gegenseitig aus der Reserve locken, so wie das im deutschen Kino immer wieder gerne erzählt wird, so etwa in „Frau Ella“ oder „Dreiviertelmond“. Doch das Szenario entwickelt einen besonderen Charme, was zunächst mit den Schauspielern zu tun hat, Hannelore Elsner und Max Riemelt, die diesen Figuren viel Tiefe, Wahrhaftigkeit und eine gute Portion Humor geben.

Es hat aber auch damit zu tun, dass Uwe Janson, der in den letzten Jahren im Fernsehen „Danni Lowinski“-Serienroutine und diverse Fernsehfilme inszeniert hat, der Standard-Melodie dieser Konstellation durchaus ein paar neue Töne entlockt. Das beginnt schon damit, dass die Rückblenden, die das Leben der Jüdin Ruth Weintraub rekapitulieren, das eigene Überleben, den Tod ihrer Familie im Holocaust und die schmerzlichen Nachwehen in den 70er-Jahren nicht in schnöden Erinnerungsrückblenden abgespult werden. Stattdessen findet Jonas, der sich aus der Not heraus provisorisch in Ruths Wohnung einrichtet, in ihren Habseligkeiten alte Filmrollen eines Dokumentarfilms, den sein Alter Ego in den 70er-Jahren mit Ruth gedreht hat.

Vor allem aber hat es wohl auch damit zu tun, dass der Film für die Produzentin Alice Brauner eine Herzensangelegenheit ist, mit der sie das Erbe ihres Vaters Atze Brauner antritt und zugleich in Teilen die Geschichte ihrer Mutter erzählt. Die jüdischen Lieder, die die Chansonnière Ruth (in jungen Jahren gespielt von Sharon Brauner) singt, tragen auch dazu bei, die Geschichte in besonderer Weise zum Klingen zu bringen.

Sie spiegeln die Lebenslust und den Lebensschmerz des jüdischen Volkes und sind zugleich ein Teil von Alice Brauners Kindheit: „Die Musik ist immens wichtig, weil sie das Schöne und das Traurige im Leben betont, also genau das beschreibt, was dem jüdischen Volk widerfahren ist“, sagt sie „Die Auswahl war sehr persönlich. Es sind Lieder aus meiner Kindheit, die mir meine Eltern wieder und wieder vorgesungen und vorgespielt haben.“

Drama: D 2014, 90 min., von Uwe Janson, mit Hannelore Elsner, Max Riemelt, Sharon Brauner

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