Berliner Perlen

Streifzug durch die Welt

Kopfbedeckungen aller Art begeistern Sebastian Mücke genauso wie Geschenkartikel und Kuriositäten, die er in anderen Ländern entdeckt. Das alles gibt es bei „Heimat Berlin“

Die meisten Menschen blättern, wenn sie sich an ihre Reisen erinnern wollen, Fotoalben durch oder bewundern Souvenirs aus entlegenen Regionen. Sebastian Mücke muss sich nur an seinem Arbeitsplatz umschauen. Nicht alle, aber doch einen guten Teil der Artikel, die der umtriebige Geschäftsmann in dreien seiner insgesamt vier Berliner Läden verkauft, hat er auf Streifzügen durch die Welt oft mehr oder weniger zufällig entdeckt. Bei manchen Verkaufsobjekten hat er die Herstellung für den Berliner Markt in der Ferne initiiert.

Die jüngste von Mückes Verkaufsadressen für originelle Ausstattungsgegenstände, Accessoires und Kleidung an der Kastanienallee 40 in Mitte heißt „Heimat Berlin“ – so wie schon das Hut- und Mützengeschäft an der Kastanienallee 13/14 und der Design- und Hutladen an der Bergmannstraße in Kreuzberg. Kopfbedeckungen sind so etwas wie der rote Faden, der sich durch Mückes Kaufmannsleben zieht. Damit hatte er angefangen, als er sich Ende der 90er-Jahre ebenfalls in Prenzlauer Berg erstmals als Händler für Hübsches und Wunderliches zum Verschenken und Anziehen niedergelassen hatte.

Eigenes Hutdesign

Entdeckt hatte er die Mützenproduktion, aus der er bis heute seine diversen Modelle mal mit Zopfmuster und Bündchen, mal mit Bommel oder Ohrschützern bezieht, in Nepal. Viele Male hat der reisebegeisterte Unternehmer die Frauen an ihren Strickmaschinen seither besucht. So, wie er es überhaupt hält mit seinen Produktordern: „80 Prozent der Hersteller meiner Waren kenne ich und weiß, unter welchen Bedingungen dort gearbeitet wird“, sagt Mücke.

Vor allem aber muss dem 46-Jährigen selber gefallen, was in seinen Läden Platz finden soll. Selbst begeisterter Träger von Kopfbedeckungen, bevorzugt Mücke im Sommer den Panamahut aus Papier oder Toquillastroh, im Winter warme Mützen. In der jüngsten „Heimat Berlin“, wo sich vor schlicht weißen Wänden auf funktionalen, aber dekorativen Holzmöbeln so etwas wie die Lieblingsstücke aus allen Mücke-Läden finden, ist der Kleidung fürs Haupt eine eigene Nische gewidmet. Trilbys mit schmalen Krempen liegen da neben Bogarthüten und Kappen im Fischgrätmuster, gefütterte Tschapkas reihen sich an Prinz-Heinrich-Mützen. Auch Frauen mit Hang zum Kopfschmuck kommen auf ihre Kosten. Daneben hat „Heimat Berlin“ ein gleichnamiges eigenes Label. Die meist aus Wollfilz gefertigten Hüte werden bei der Traditionsfirma Sorbatti an der italienischen Adria gefertigt, das Design aber kommt aus Mückes Team.

„Wir machen das zusammen, weil es Spaß macht, aber auch, weil jeder einen anderen Geschmack hat“, sagt der Chef. „Ein Hut, der uns allen gefällt, findet auch Kunden.“ Wer in der kleineren Auswahl an der Kastanienallee 40 nichts findet, hat es nicht weit ins erste „Heimat Berlin“-Hutfachgeschäft mit rund 750 Modellen von zwei Dutzend Herstellern. Diese starten bei knapp 20 Euro. Wer etwas Besonderes sucht, kann aber bis zu 200 Euro ausgeben. Neben den Kopfbedeckungen ist der größere Teil der Ladenfläche an der Kastanienallee 40 einem bunten Sortiment an hübschen und ungewöhnlichen Artikeln fürs Heim und die persönliche Ausstattung vorbehalten. Jede Produktsparte ist schmal, schließlich geht es um das Besondere anstelle von Beliebigkeit.

Aus Island kommen Leuchten aus Treibholz, Käufer unterstützen zugleich den Walschutz. Den übersichtlichen Kleiderständer – das weiße Etuikleid gibt es nur in einfacher Ausführung, auch Pullover und Kostüme sind tendenziell Einzelstücke – füllt Sebastian Mücke bei einem Pariser Outlet-Markt für kleine Modelabels. Zum Verschenken eignen sich Accessoires regionaler Firmen wie Seifenschalen aus Travertin (Ottoman), Holzuntersetzer mit lustigem Bart-Design (puku design) oder die Fruchtschnäpse von Fräulein Brösel. Die Kosmetik-Abteilung beschränkt sich auf einen spanischen Hersteller, die Spiel- und Dekowaren für Kinder passen in ein Wandregal. Weil Sebastian Mücke gerne kocht, gibt es ausgewählte Kochbücher, darunter die Film-Rezepte vom Verlag Callway. Die zitierten Filme wurden teils im „Kulinarischen Kino“ der Berlinale vorgeführt.

Schalen aus Papier

Zu vielen Dingen kann Sebastian Mücke Geschichten erzählen. So entdeckte er die Upcycling-Taschen aus Kambodscha, die aus alten Zementsäcken bestehen, auf einem Nachtmarkt in Angkor Wat, als ein Junge ihn mit seiner Spielzeugwaffe traktierte. Mücke spielte mit und kam so mit der sichtlich amüsierten Familie ins Gespräch, die die Taschen verkaufte. Aus Vietnam stammen die flachen, aus Papierschnüren geklebten Schalen. Erschöpft sein wird die Bandbreite an Produkten vermutlich erst, wenn Sebastian Mücke auch das Reisen lässt. Das aber ist so bald wohl kaum zu erwarten.

Heimat Berlin Kastanienallee 40, Mitte, Tel. 87 33 32 36, Mo.–Sbd. 11–20 Uhr