Ausflugstipp

Die Chinesische Mauer von Britz

Von Bruno Tauts Hufeisensiedlung über das Schloss bis zur alten Dorfkirche

Ein langer Spaziergang durch den bodenständigen Ortsteil Britz lohnt auch im Herbst, nicht nur im Frühjahr zur „Britzer Baumblüte“, die einem Volksfest seinen Namen gegeben hat. Wir starten am U-Bahnhof Blaschkoallee und gehen in die Fritz-Reuter-Allee. Schon befinden wir uns in der Großsiedlung Britz. Das Wohngebiet entstand Anfang der 20er-Jahre, damals fehlten mehr als 100.000 Wohnungen in der Stadt. Es waren für die damalige Zeit gigantische Bauvorhaben, die verwirklicht wurden. Sie gaben Architekten wie Bruno Taut die Möglichkeit, einmal Neues zu wagen.

An der Fritz-Reuter-Allee entlang zieht sich die sogenannte „Rote Front“. 30 gleichförmige dreigeschossige Hauseinheiten reihen sich aneinander, alle in sattem Rot-Ton verputzt. Durch die Größe und die mutige Farbwahl galt Tauts Bau als Provokation. Böse Zungen nennen das Ensemble, weil es in ihren Augen monumental und ein wenig abweisend wirkt, „die Chinesische Mauer“.

Auf der rechten Seite liegt die bekannteste Sehenswürdigkeit von Britz: Die Hufeisensiedlung. Die Straßenzüge, in deren Mitte der geschwungene Bau steht, wurde von Bruno Taut in Zusammenarbeit mit dem Stadtbaurat Martin Wagner und dem Gartenarchitekten Leberecht Migge entworfen. Im Juli 2008 wurde die Hufeisensiedlung gemeinsam mit fünf anderen Siedlungen der Berliner Moderne in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Seitdem sieht man in dieser ruhigen Wohngegend oft größere Touristengruppen. Die Besucher lauschen den Ausführungen ihrer Stadtführer und lassen sich vor der Öffnung des Hufeisens fotografieren. Wir gehen die Treppe hinunter und umrunden den Teich in der Mitte. Das flache Gewässer wirkt, als sei es künstlich angelegt worden, um der Siedlung ein Zentrum zu geben. Doch stammt der Pfuhl noch aus der Eiszeit, die Häuser wurden um ihn herum gruppiert.

Blaues Schlafzimmer, gelbe Diele

Am anderen Ende des Hufeisens ist ein Durchgang, den wir passieren. Direkt vor uns liegt jetzt ein Weg mit dem Namen Hüsung. Die Reihenhäuser hier sind um eine rautenförmige Grünfläche angeordnet und ebenfalls in einem knalligen Rot verputzt. Nach dem Wunsch von Bruno Taut sollten die Wohnungen in starken Farben gestaltet werden. Ein leuchtendes Blau im Schlafzimmer, ein helles Gelb in der Diele – so stellte er sich die Innenräume vor.

Anschließend biegen wir links in die Onkel-Bräsig-Straße und am Ende der Straße nach rechts in die Fulhamer Allee. Die Gegend hier ist auch noch Teil des alten Ritterguts, auf dem damals die Hufeisensiedlung entstand. Nach ungefähr zehn Minuten erreichen wir die Straße Alt-Britz mit ihrem halsbrecherischen Kopfsteinpflaster. Auf der rechten Seite liegt der Dorfteich, auf der Anhöhe daneben die Dorfkirche. Sie wurde vermutlich um das Jahr 1300 erbaut.

Links, auf der anderen Straßenseite, leuchtet das Schloss Britz. Es wirkt, als sei es ein wenig aus der Zeit gefallen. Das alte Herrenhaus stammt aus dem 18. Jahrhundert, hochrangige preußische Beamte und Staatsminister residierten hier. In den 80er-Jahren wurde das Schloss aufwendig saniert, mittlerweile ist auch der alte ländliche Gutshof wieder gut in Schuss. Eine Kulturstiftung hält historische Nutztierrassen und veranstaltet Projekte für Kinder. Im ehemaligen Pferdestall ist das Museum Neukölln untergebracht. Auf dem Hof betreibt der ehemalige Sternekoch Matthias Buchholz ein Restaurant.

Nach einem Rundgang über den Gutshof lassen wir das Schloss links hinter uns liegen und laufen rechts durch die Wege des Parks. Wer Glück hat, sieht einen der beiden Pfauen, die dekorativ durch die Gegend huschen.

Wir nehmen den Ausgang Fulhamer Allee, treten durch ein niedriges schmiedeeisernes Tor und überqueren die Straße, biegen nach links und erreichen nach wenigen Metern einen grünen Pfad. Historische Gemäuer haben wir jetzt schon viele gesehen, deshalb führt uns der letzte Teil des Spaziergangs durch die Natur. Eine Viertelstunde etwa laufen wir am Fennpfuhl entlang, dann erreichen wir wieder die Blaschkoallee.