Berliner Perlen

Hier lesen Sie in der ersten Reihe

Mit „Einar & Bert“ ist an der Winsstraße in Prenzlauer Berg Deutschlands erste Theaterbuchhandlung eröffnet worden. Hier gibt es Literatur für Liebhaber und Fachleute

Wer es demnächst mal nicht bis ins Theater schafft, weil gerade keine Zeit ist, nicht das richtige Stück läuft oder keiner mitkommen will, für den gibt es in Berlin jetzt einen Ort, an dem er trotzdem Theaterluft schnuppern kann: In Deutschlands erster Theaterbuchhandlung „Einar & Bert“.

Die Namen stehen für Einar Schleef und Bertolt Brecht, zwei große Theaterleute. Der Anspruch der Buchhandlung ist damit gesetzt. Wobei natürlich nicht nur Leute eingeladen werden, die es nicht ins Theater geschafft haben, sondern all jene, die Theater lieben und sich für alles interessieren, was im weitesten Sinne damit zu tun hat. Schließlich wird es auch für Kino-Enthusiasten gute Bücher geben. Am 1. November eröffnete das Geschäft.

Chefin ist Juliane Felsmann, gelernte Buchhändlerin, Theaterliebhaberin, Berlinerin. Sie wünscht sich ein breites Publikum für ihr Geschäft. „Mir liegt sehr daran, dass alle möglichen Leute zu uns kommen, Kinder und Erwachsene aus der Nachbarschaft, Menschen aus ganz Berlin. Natürlich auch Schauspieler, Regisseure, Dramaturgen, Bühnenbildner, Tänzer – Leute vom Theater eben“, sagt sie.

Das Angebot ist in verschiedene Sparten unterteilt, etwa Schauspiel, Puppen- und Objekttheater, Tanz und Performance, Oper und Musiktheater, Bühnen- und Kostümbild. Es gibt Theaterstücke, Bücher zur Ausbildung und Theorie von Theater, Zeitschriften wie „Theater Heute“ oder „Theater der Zeit“. Und Belletristik - Romane, die in Berlin und anderswo auf der Bühne zu sehen sind. Oder solche, die Regisseure zu einem nächsten Stück inspirieren könnten.

Opulente Bildbände

Als Beispiel nennt Juliane Felsmann die Arbeiten von Joachim Meyerhoff. Das Projekt „Alle Toten fliegen hoch“ ist ein Erfolg vom Wiener Burgtheater. Auch opulente Bildbände sollen in den Regalen zu finden sein. „Das könnte Bühnenbildner interessieren, die nach Anregungen suchen“, sagt Felsmann.

Die Buchhändlerin freut sich auf Leute, die aus beruflichem Interesse kommen aber auch auf all jene, die gern stöbern und in schönen Büchern blättern. Damit alle sich wohl fühlen, gibt es in einer Ecke des Ladens ein kleines Café und verschiedene gemütliche Sitzgelegenheiten. Und einen schönen Tresen. „Der war mal Teil des Bühnenbildes der Molière-Trilogie an der Volksbühne“, sagt Felsmann. Später soll im Café noch ein Monitor aufgestellt werden, auf dem Theaterstücke zu sehen sind, allerdings ohne Ton. Und wenn alles nach Plan läuft, werden bald Bühnenbildner die Schaufenster dekorieren.

So neu wie das Konzept der Buchhandlung ist auch das Regalsystem im Laden. Alle Bretter haben Rillen, in die nach Belieben Buchstützen eingesetzt werden können. „Wir werden die Bücher viel besser präsentieren. Die Stützen lassen sich problemlos an den unterschiedlichsten Stellen anbringen.“

Die Eröffnung von „Einar & Bert“ wird nun einen Monat lang gefeiert. Den ganzen November lang gibt es jeden Abend eine Veranstaltung: Lesungen, Werkstattgespräche, Präsentationen, Konzerte und Puppenspiel, aber auch Theater und Filme. Juliane Felsmann hat dazu interessante Gäste eingeladen. So wird beispielsweise am kommenden Montag (10.11.) Valery Tscheplanowa, Schauspielerin am Deutschen Theater, ihre Gedichte lesen, „verträumte, feine, metaphorische Gebilde“, so Felsmann. Am 12. November wird Alexander Lubic, der Architekt der Buchhandlung, sein künstlerisches Konzept vorstellen. Für Freitag (21.11.) ist ein Konzert geplant, zu hören sein wird die Musik zur Hamlet-Inszenierung in Dresden. Am Sonnabend (22.11.) soll Theaterkritiker Gerhard Jörder sein Buch über Thomas Ostermeier vorstellen. Ein Jahr lang hat er Gespräche mit dem Intendanten der Schaubühne geführt und diese dokumentiert. Ostermeier wird da sein und sich von Jörder ausfragen lassen.

Ein Traum geht in Erfüllung

Juliane Felsmann will aber nicht nur die Eröffnung des Ladens mit Veranstaltungen feiern, sondern von Dezember an vier Mal im Monat abends interessante Begegnungen in ihrer Buchhandlung möglich machen: „Gespräche über Themen der Zeit und neue Inszenierungen.“ Gleichzeitig will sie „Einar & Bert“ als Veranstaltungsort für Fachleute etablieren, während der Berlinale etwa oder zu den Autorentheatertagen.

Für Felsmann ist mit ihrer neuen Aufgabe ein Traum in Erfüllung gegangen. Sie wollte schon immer eine Buchhandlung leiten. Nun kann sie das und sich noch dazu mit einem Thema beschäftigen, das ihr von Kindheit an vertraut ist: Beide Eltern arbeiten zu den Themen Theater und Film, ihre Schwester ist Dramaturgin. „Theater spielt in meinem Leben eine große Rolle“, sagt sie. „Jetzt schließt sich der Kreis.“

Einar & Bert Winsstraße 72, Prenzlauer Berg, Kontakt: info@einar-und-bert.de, Programm: www.einar-und-bert.de