Berliner Perlen

Mit der Umwelt Schritt halten

Die Produkte, die Wanda Höpfner und Nerea Garay y Mirau bei „Grimmel Schuhe“ in Kreuzberg verkaufen, sollen nicht nur den Füßen gut tun, sondern auch dem Gewissen

Es gibt diesen – zugegeben – etwas schlichten Spruch über die Gemeinsamkeiten von Freunden und Schuhen: Von beiden, heißt es, könne man nie genug haben. Und erst im Alter merke man, dass es eigentlich doch immer die gleichen seien, die man am liebsten mag.

Wanda Höpfner und Nerea Garay y Mirau mussten nicht besonders alt werden, um festzustellen, wie gut sie harmonieren. Sie sind Freundinnen von der Grundschule an, später Studien- und WG-, sogar Arbeitskolleginnen mit gemeinsamem Grafikdesignbüro. Das mit den Schuhen dagegen fing so richtig erst vor zwei Jahren an: Im März 2012 eröffneten die Kreuzbergerinnen im Graefekiez den Kinderschuhladen Grimmel. Und merkten sofort, dass auch beim Thema Fußbekleidung kaum Diskussionen zu befürchten waren: „Wenn wir auf der Messe sind“, erzählt Wanda Höpfner, „sucht jeder jene Modelle, die in den Laden passen. Und hinterher stellen wir fest, dass wir wieder einmal genau die gleichen Schuhe ausgewählt haben.“

Von den Schlappen fürs Babyalter über den ersten Lauflernschuh bis zur Oberschulzeit wird bei Grimmel fündig, wem Themen wie nachhaltige Qualität, weniger Umweltbelastung und vertretbare Produktionskriterien wichtig sind. Synthetik ist Mangelware in dem etwas versteckt gelegenen Geschäft in den Gewölben eines ehemaligen Standorts der Urban-Klinik. Dafür kann man hier Schuhe aus natürlich und giftfrei gegerbtem Leder erstehen.

Produkte wie diese aus Berlin sind zwar selten, standortnahe Produktion möglichst in Europa zählt für Höpfner und Gary y Mirau aber zu den wichtigen Kriterien. Eine große und namhafte Kinderschuhfirma, von der bekannt wurde, dass sie ausschließlich in China fertigen lässt, nahmen die beiden Geschäftsfrauen etwa aus dem Sortiment. Stattdessen sind skandinavische Firmen stark vertreten, die gerade im Winter eher mit Lammfell als mit Hochtechnologie-Funktionsfutter für warme Füße sorgen. Gegen Matsch und Regen helfen Gummistiefel aus Naturkautschuk. Sie sind aber, wie viele der Grimmel-Schuhe, nicht zu Discountpreisen zu haben.

Ladenhüter aus Fernost

Zwar bedienen auch Wanda Höpfner und Nerea Garay y Mirau kein Luxussegment. Die Frage aber, was ein qualitativ guter Schuh kosten darf, hat die beiden immer wieder beschäftigt. „Zu Beginn“, erzählt Garay y Mirau, „haben wir uns bewusst bemüht, immer auch billige Schuhe anzubieten. Nur haben wir nichts gefunden, was unseren, vor allem aber den Ansprüchen der Kunden hier im Kiez gerecht wurde.“ Lederimitate, Herstellung in Fernost und schrille Modefarben, all das war bei Grimmel eher dazu geeignet, aus einem Modell einen Ladenhüter zu machen. „Manche dieser billigen Schuhe vom Anfang stehen jetzt noch im Lager“, sagt Garay Y Mirau. Klassische Formen und zeitlose, klare Farben dagegen kämen gut an. Garay y Mirau: „Rosa Schuhe mit Glitzer wollen vielleicht die Mädchen, die Mütter kaufen dann aber doch eher den schlichten Blauen.“

Noch in der Testphase befindet sich eine kleine Ecke für Damenschuhe. Rund ein Dutzend Modelle haben Höpfner und Garay y Mirau vorerst ins Sortiment genommen. „Wir haben immer wieder beobachtet, dass die Mütter für sich selbst Kinderschuhe in großen Größen gekauft haben“, erzählt Wanda Höpfner. Der Nachwuchs findet währenddessen genug Abwechslung in der Spielecke oder im Vorgarten: „Wir kennen den Stress in Geschäften von unseren Kindern und wollten eine entspannte Einkaufsatmosphäre schaffen“, sagt Nerea Garay y Mirau. „Herumrennen, toben, auch mal schreien, das ist bei uns kein Problem.

Porträts vom Nachwuchs

Zur Ergänzung der Outdoor-Austattung gibt es bei Grimmel einige ausgewählte Artikel wie Regenkleidung, Mützen, Socken und Winterjacken. Bewusst begrenzen sich die beiden auf ein schmales Spektrum von zumeist lediglich einem Label: „Wir wollen einfach nicht, dass man reinkommt und gar nicht weiß, wo man zuerst gucken soll“, sagt Wanda Höpfner. Von ihrer Mutter Hilli Höpfner selbst genäht werden die bunten Kleidchen, deren Ausstellungsstück die Schaufensterpuppe schmückt und die es nur in einem Schnitt mit verschiedenen Stoffmustern gibt. Auch Porträts des Nachwuchses oder des liebsten Haustieres fertigt die Künstlerin an. Beispiele in Acryl hängen im Laden, wo die Fotos als Vorlage abgegeben werden. Ein Bild kostet 160 Euro.

Grimmel Kinderschuhe Grimmstraße 10, Kreuzberg, Tel. 81 40 83 65, geöffnet Mo., Mi.–Fr. 11–18, Di. 14–18, Sbd. 11–16 Uhr, www.grimmel-kinderschuhe.de