Ausflugstipp

Einmal um den Schlachtensee

Auch im Herbst ist man an dem beliebten Freizeitort mit Wald und Wasser nie alleine

Raus in den Herbst, raus an den See. Dafür bietet sich der Schlachtensee geradezu an. Er ist praktisch erreichbar mit der S1, von der Innenstadt in den seenreichen Berliner Süden und die Ende des 19. Jahrhunderts errichtete Siedlung Schlachtensee. Der S-Bahnhof liegt fast mittig am schlauchförmigen Gewässer. Über einen grünen Vorplatz führen zwei geschwungene Treppen zum Seeufer. Links oder rechts lang? Ich entscheide mich für links, nach Südwesten.

Der sandige Weg ist anfangs schmal. Die hohen Baumgipfel scheinen zusammengewachsen zu sein. Es fühlt sich an wie auf einer Allee. Ich zähle den Gegenverkehr: Jogger, Jogger, Hundebesitzer, Jogger, Jogger, Hundebesitzer – die gesamte 5,5 Kilometer lange Runde ist Hundefreilaufgebiet. Zahlreiche leere Bänke säumen den Weg. Der in einem Landschaftsschutzgebiet gelegene See ist ein Hort des Müßiggangs. Äste berühren die Wasseroberfläche. Enten machen lautstark auf sich aufmerksam. Nach kurzer Zeit erhebt sich rechts ein Gebäude. Es ist der einzige Bootsverleih. Ein paar Angel- und Ruderboote dümpeln im Wasser. Für neun Euro pro Stunde könnte man sie mieten, wären die Türen nicht verschlossen.

Gegenüber steht ein „Hexenhäuschen“ mit (Werbe-)Schildern. Der See verbreitert sich, man hört die Autobahn. Am Wegesrand wachsen „Knallerbsen“, korrekter Name Schneebeeren. Ein paar der weißen Früchte müssen dran glauben. Auf der linken Seite reihen sich schmucke Privatgrundstücke aneinander, Steintreppen führen an mehreren Stellen auf den Uferweg. Ein Angler packt unbeirrt vom allgemeinen Trubel seine Ruten zusammen. Ich spaziere weiter, erreiche den Schilf bewachsenen Westzipfel des Sees. Benannt ist er übrigens nicht nach einer Schlacht, vielmehr geht der Name auf die Slawenzeit in der Mark Brandenburg zurück.

Das Wasser ist glasklar

Es wird vor dem Betreten der Eisfläche gewarnt. Ein weiteres Schild gibt Auskunft über die Seequalität. Seit 1913 füllen die Berliner Wasserbetriebe den über Gräben verbundenen Schlachtensee mit Wannseewasser auf. Seit 1981 wird das Wasser auch von Phosphorverbindungen befreit. Pro Jahr werden fast drei Millionen Kubikmeter Wasser in den See gepumpt. Das kommt nicht nur den Badegästen zugute, sondern auch dem Berliner Grund- und Trinkwasser.

Für die Beliebtheit als Badesee muss nicht Sommer sein. Bei 18 Grad treffe ich auf drei hartgesottene Berliner, die sich Badefreuden hingeben. Nach und nach nehmen auf der anderen Uferseite die Schilfbestände zu. Sie sind durch Zäune gesichert: Diese Röhrichtzonen müssen geschützt werden. Sie sind Brut- und Rastplätze von störungsempfindlichen Vogelarten sowie Laichzonen für Fische und Amphibien. Immer wieder passiere ich auch kleine Badestellen; das Wasser ist glasklar.

Die anfänglichen Autobahn- und S-Bahn-Geräusche nehmen ab. Der leicht mäandernde, flache Weg steigt etwas an, für eine Minute verschwindet der See aus den Augen. Wieder am Wasser, liegen Bäume im kühlen Nass. Auf einer oberirdischen Wurzel hat es sich ein Pärchen gemütlich gemacht. Zur Linken führen Treppen in den Grunewald. Ein Hund begleitet mich ein paar Meter, auf einem Baumstamm im Wald sitzt eine Frau und liest Zeitung. Rund 25 Minuten nach dem „Westzipfel“ erreiche ich eine größere Badestelle, eine Minute später markiert eine Sperre das Ende des Weges. Nicht aber der Wegstrecke. Es herrscht große Betriebsamkeit in der Fischerhütte samt dem großen Biergarten; bis Mitte der 70er-Jahre verkehrte dort sogar eine Fähre. Der Weg biegt in einem weiten Bogen nach rechts, vorbei an einem Spielplatz und über eine kleine Brücke. Nach Norden könnte ich noch eine Runde um die Krumme Lanke anschließen. Wie gesagt, könnte.

Die Grünfläche gehört zum Paul-Ernst-Park, ein Gedenkstein erinnert an den namensgebenden Schriftsteller Paul Ernst (1866–1933). Das Gros des Parks schiebt sich wie eine Halbinsel in den See. Ich erfreue mich am „Radfahren erlaubt, Fußgänger haben Vorrang!“-Schild. Wieder beeindrucken große Grundstücke mit prächtigen Villen. Knapp eine Viertelstunde nach der Fischerhütte öffnet sich eine größere Badestelle, kurz darauf stehe ich wieder am Fuß der Treppe, die zum Bahnhof führt.