Ausflugs-Tipp

Von der Domäne zum Jagdschloss

Wälder, Gärten und Museen: Natur und Kultur gehören im Grunewald zusammen

Ein Garten und ein Schloss, aber kein Schlossgarten. Ein Blütenmeer und eine Ausstellungsfläche unter freiem Himmel, aber kein Park. Mehrere Museen unter einer Adresse, aber nicht die Museumsinsel. Wenn es heißt, ein Spaziergang in die Umgebung des Grunewalds steht an, kann dieser leicht zu einem Natur-Kultur-Spaziergang geraten. Denn wenn man auf dem Stadtplan das Lineal ein wenig schräg anlegt, zeigt sich eine hübsche Verbindung auf: von der Domäne Dahlem westwärts zum Jagdschloss Grunewald und ostwärts zum Botanischen Garten.

Weil sich die Domäne „weltweit einziges Freilandmuseum mit U-Bahnanschluss“ nennt, geht es denn auch am U-Bahnhof Dahlem Dorf los. Man könnte hier bereits den ersten Stopp einlegen, doch stattdessen geht es erst einmal zum Jagdschloss Grunewald. Dafür spaziert man die Königin-Luise-Straße in westliche Richtung, etwa 2,5 Kilometer weit. Erste Highlights: die Dorfaue mit der St.-Annen-Kirche, eine Feldsteinkirche vom Ende des 15. Jahrhunderts, der Kirchhof und ein Mahnmal. 300 Meter weiter erhebt sich auf der linken Seite das Arndt-Gymnasium, 1908 als Landschulheim vornehmlich für den preußischen Adel gegründet. Noch ein Stück die von schmucken Villen gesäumte Straße entlang, überqueren wir die Clayallee. Dort weist bereits ein großes Schild am Parkplatz zum Jagdschloss Grunewald.

Zwei Minuten später könnte man bereits im Châlet Suisse einkehren. Doch es geht weiter den breiten Weg in den lichten Wald hinein, vorbei an einer Schranke und einem „Nicht rauchen, nicht reiten, nicht motorisiert fahren“-Schild. Vor allem Spaziergänger mit Hunden sind unterwegs. Der Grunewald ist hier Hundefreilaufgebiet.

Knapp 15 Minuten später öffnet sich eine Lichtung. Wege führen nach links und rechts, doch man kann sich nicht verlaufen. Links erhebt sich das Jagdschloss Grunewald. Durch ein steinernes Tor geht es auf den mit Kopfsteinpflaster bedeckten Hof des 1542/43 erbauten Schlosses. Noch stehen vor dem Café mit kleinem Museumsshop Stühle und Tische.

Wo Bowie ein Privatkonzert gab

Der kleine Torbogen geradeaus führt wieder hinaus. Rechts liegt der idyllische Grunewaldsee. Wir folgen dem Kopfsteinpflasterweg, vorbei am Reitclub Grunewald. Daneben erhebt sich ein prächtiges Neorenaissance-Gebäude. Es ist das din diesem Jahr aus dem Dornröschenschlaf wieder erweckte traditionsreiche Forsthaus Paulsborn, in dem Kaiser Wilhelm I. Stammgast war. Iggy Pop und David Bowie gaben dort einst ein Privatkonzert.

Hinter dem Grundstück biegen wir links ab, schlagen uns über den Parkplatz zum Hüttenweg durch. Eigentlich war ein kleiner Rundkurs über die Clayallee geplant. Allerdings ist der Fußweg sehr schmal. An der Pferdeclub-Rückseite biegt ein kleiner Weg nach links ab.

Schon wird es ruhiger und bequemer zu laufen. Ein Stück weiter biegen wir an der Wegkreuzung leicht rechts in Richtung des Hinweises „Krumme Lanke 1,7 km, Schlachtensee 3 km, Grunewaldsee 0,3 km“ ab. Nach etwa 400 Metern kommt die nächste Kreuzung mit einem verwitterten Richtungsstein. Wir halten uns links bis zu einer Kreuzung, an der eine Bank unter einem großen Baum zum Verweilen lädt.

Hier ist der „Hauptweg“ wieder erreicht. Rechts herum, gut drei Minuten später, überqueren wir die Clayallee, laufen die Königin-Luise-Straße zurück, wieder vorbei an Dorfaue, Domäne, Geschäften und Cafés. 500 Meter weiter könnte man rechts in die Lansstraße abbiegen, zu einem stundenlangen kulturellen Lustwandeln durch die verschiedenen Dahlemer Museen.

Kaffeepause und Kuchenbaum

Doch es geht geradeaus und durch die Gustav-Meyer-Straße, eine Privatstraße, und rechts ab in die Altensteinstraße. Knapp 200 Meter sind es bis zur Königlichen Gartenakademie. In den Gewächshäusern betreibt Manufactum eine Filiale und es gibt ein charmantes Café, in dem man in Glashaus oder Garten sitzen kann. Weil das Wetter so schön ist, legen wir eine kleine Outdoor-Kaffeepause ein, bis wir uns zum abschließenden Flora-Highlight aufmachen, dem Botanischen Garten.

Den Eingang am Königin-Luise-Platz erreichen Spaziergänger, indem sie einen knappen Kilometer lang nördlich die Altensteinstraße hinauflaufen. An der Kasse gibt es den kostenlosen Flyer „Herbstpfad“ mit zwölf sehenswerten Stationen.

Besonders beeindruckend sind die Stationen sechs und zehn. Dort verströmt der Japanische Kuchenbaum den Duft von Gebäck mit Vanillearoma, das gerade frisch aus dem Ofen kommt. Nimmt man sich eine Stunde Zeit, würde man alle Stationen passieren. Das Duft-Erlebnis ist in der Hälfte der Zeit erlebbar. Mit dem Bus X83 geht es schließlich zurück zum Ausgangspunkt dieser Grunewaldtour.