Ausstellung

Galerie: Der Patriarch Hermann Glöckner

Der 28. Juli 1985 war nicht nur ein Sonntag, sondern auch ein sonniger Tag. Jedenfalls in Dresden.

Diese Fakten notierte Hermann Glöckner um 12.20 Uhr unter einer Zeichnung. Wohl 20 Sekunden vorher hatte er ein rostbraunes Stück Kreide in der linken unteren Ecke des Papiers angesetzt und seine Hand, drei Loopings vollführend, in die rechte untere Ecke bewegt, ohne abzusetzen. „Ein Schwung in Braun“ ist nicht nur elegant und konsequent, sondern wirklich ein Aufschwung: in die letztmögliche persönliche Freiheit eines Künstlers, der an eben jenem Sonnentag bereits 96 Jahre alt war.

Immer wieder in den letzten Jahren dieses langen Lebens hatte Glöckner zu Farbkreiden gegriffen, um solche Linien aufs Papier zu bringen. Als Knäuele, als Schleifen, als sich überkreuzende oder knapp aneinander vorbeitangierende Bögen. Acht der Blätter hängen nun in der Villa Grisebach. Und Kurator Florian Illies, eigentlich Experte für das 19. Jahrhundert am Auktionshaus, begeistert sich für den Elan dieses Alterswerks wie für die Anfänge des Künstlers, die zur Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts gehören.

Die Retrospektive zu Hermann Glöckners 125. Geburtstag ist gleichzeitig eine Verkaufsausstellung. Mehr als hundert Werke - Zeichnungen, Aquarelle und Gemälde – stammen aus einer Dresdner Privatsammlung.

Villa Grisebach, Fasanenstr. 25. Mo-Fr 10-18.30 Uhr, Sa -So 11-16 Uhr. Bis 1. November.