Best of Berlin

Im Bann der Bilder

Deutschlands größtes Fotofestival findet in Berlin statt. Beim Europäischen Monat der Fotografie ist natürlich auch die Geschichte der Stadt ein wichtiges Thema. Eine Auswahl

Der „Monat der Fotografie“ findet in diesem Jahr vom 16. Oktober bis 16. November statt (in manchen Galerien und Ausstellungsorten auch noch einige Zeit länger). Rund 130 Ausstellungen wird es in Berlin geben. Bei den hier aufgeführten Fotoausstellungen ist der Eintritt frei. Alle Infos zum Festival unter: www.mfd-berlin.de.

1. Grunewald: Orte, die ehemals von der Stasi genutzt wurden

Mit der morgigen (12.10.) Vernissage um 18 Uhr wird im Löwenpalais die Austellung „Stasi – Secret Rooms“ eröffnet. Bis zum 9. November zeigt die Stiftung Starke im Löwenpalais großformatige Fotos von Daniel und Geo Fuchs. Das Gebäude ist eine hochherrschaftliche Villa von 1903. Die Fotografen sind 15 Jahre nach dem Mauerfall durch die neuen Bundesländer gereist und haben ehemals von der Stasi genutzte Orte aufgesucht. Nüchtern und eindringlich.

Stiftung Starke Gemeinnützige Kunststiftung, Koenigsallee 30, Dahlem, Bus M19 Hasensprung, Mo.–Do. 10–18, Fr. 10–16 Uhr, www.stiftungstarke.de

2. Spandau: Wallonischer Alltag jenseits alter Fabrikanlagen

Mit seiner zweiten Fotoausstellung wird der Historische Keller in Spandau nun regelmäßig als Galerie genutzt. Gezeigt werden 16 groß- und zehn mittelformatige Fotos der in Bayern geborenen, seit mehr als 20 Jahren in Amsterdam lebenden Fotografin Katharina Pöhlmann. „Während viele in den einst blühenden Industriestädten der Provinz Lüttich im belgischen Wallonien alte Industrieanlagen fotografieren, zeige ich Ausschnitte aus dem heutigen Alltag der Menschen“, sagt sie.

Kommunale Galerie Carl-Schurz-Str. 49/51, Spandau, U7 Altstadt Spandau, 17. 10.–16. 11., Mi.–So. 12–18 Uhr, kgberlin.net

3. Wilmersdorf: Menschen und Bauten an den Berliner Flughäfen

„In puncto Flughäfen ist Berlin eine einzigartige Stadt“, sagt Norbert Wiesneth, Kurator der Ausstellung „Terminal“, die aus einem Fotowettbewerb über die unterschiedlichen Zustände und Nutzungen der Berliner Flughäfen entstand. Gewinner Oliver Parzer zeigt das ehemalige Tempelhofer Flugfeld grobkörnig, bei Nebel und in Schwarz-Weiß. Die in Berlin lebende Kanadierin Jen Osborne hat Schaulustige abgelichtet, die das Fluggeschehen in Tegel verfolgen. Rebecca Specht und Marcus Schütze haben Alltagssituationen in Tegel fotografiert und um „Gedankenblasen“ ergänzt.

Projektraum/PhotoWerk Berlin in der Kommunalen Galerie Hohenzollerndamm 176, Wilmersdorf, U3, 7 Fehrbelliner Platz, Di., Do., Fr. 10–17, Mi. 10–19, So. 11–17 Uhr, www.PhotoWerkBerlin.com/projektraum

4. Oberschöneweide: Gesichter eines ehemaligen Industriestandortes

Der Industriesalon Schöneweide ist ein beeindruckendes Gebäude. In dem ehemaligen Transformatorenwerk wird die Geschichte des Industriestandortes Schöneweide, einst einer der bedeutendsten Berlins, erzählt: 25.000 Industriearbeiter waren bis zur Wende tätig, heute sind es 400. Der Fotograf Georg Krause hat in den 70er-Jahren in Schwarz-Weiß „Menschen links und rechts der Straße“ porträtiert, eine Briefträgerin, einen Kohlenträger, einen Schmied. Gesichter und Körperhaltung sprechen Bände.

Industriesalon Schöneweide Reinbeckstr. 9, Oberschöneweide, S 8, 9, 45, 46, 47 Schöneweide, 17.10.–9.11., Vernissage 16.10., 19 Uhr, Mi., Fr., So. 14–18 Uhr, www.industriesalon.de

5. Neukölln: Momentaufnahmen eines Bezirks voller Gegensätze

Ein lächelndes Kind vor dem Graffiti-Spruch „Wer ist dieser Deutschland?“ oder die tief verschneite Hasenheide mit einem grünen Plastikzweig im Baum: In den sechs vergangenen Jahren, in denen Sabine von Bassewitz in Neukölln wohnte, hat sie Momentaufnahmen ihres Bezirks gemacht. „Die 53 Fotos der Ausstellung ,Ordinary City’ zeigen ein Neukölln zwischen negativen Klischees und hippem Kreuzkölln“, so die Fotografin.

Galerie im Saalbau Karl-Marx-Str. 141, Neukölln, U7 Karl-Marx-Straße, bis 9.11., Di.–So. 10–20 Uhr, kultur-neukoelln.de

6. Charlottenburg: Marathon mit der Kamera quer durch die Stadt

„Ein Fotomarathon ist ein Fotowettbewerb unter extremen Bedingen. Innerhalb von zwölf Stunden müssen die Teilnehmer eine Serie von zwölf Themen fotografisch umsetzen“, heißt es beim Organisator, dem „Verein für Ereignisse“. Am 14. Juni waren 300 Fotofans unterwegs, um das Thema „Die Stadt ist voller Gegensätze“ fotografisch umzusetzen. „Ich rahme zwölf Bilder und stelle sie auf aus“, sagt Andreas David, der Betreiber des Rahmenladens.

Luxad Mommsenstr. 42, Charlottenburg, U7 Wilmersdorfer Straße, S 5, 7, 75 Charlottenburg, 24,10.–16.11., Vernissage 24.10., 19 Uhr, Mo.–Fr. 10–19, Sbd. 12–18 Uhr, www.luxad.de

7. Kreuzberg: Ein Fotograf erzählt die Geschichten hinter den Bildern

1961 hat Günter Zint einen Jungen mit der Kamera begleitet, dessen Familie durch den Mauerbau getrennt wurde. Den Fall der Mauer hat er ebenfalls festgehalten. Zur Vernissage am 18.10. um 15 Uhr ist er anwesend. Am 24.10. um 17 Uhr erzählt er bei einer Fotobuch-Lesung die Geschichten hinter den Bildern.

Browse Gallery/Mühlenhaupt Museum Marheinekeplatz 15 , Kreuzberg, U7 Gneisenaustraße, 18.10.–22.11., Mo.–Fr. 8–20, Sbd. 8–18 Uhr, www.browse.gallery

8. Mitte: Zeitreise in das vereinte Berlin der frühen 90er-Jahre

Ruinöse Häuser in der Linienstraße, Hausbesetzer, ein Stück Mauer im Todesstreifen: In Schwarz-Weiß wirken diese erst 25 Jahre alten Fotos wie aus einer anderen Welt. Sieben Fotografen haben das Niemandsland in Berlin in den ersten Jahren nach dem Mauerfall festgehalten. Zu sehen in der Ausstellung „Berlin Wonderland“.

Gestalten Space Sophienstr. 21, Sophie-Gips-Höfe, Mitte, U8 Weinmeisterstraße, S 5, 7, 75 Hackescher Markt, Mo.–Sbd. 12–19 Uhr, www.gestalten.com

9. Reinickendorf: Der Mann mit der Kamera und seine Stadt

„Ich bin Stadtfotograf“, sagt Karl-Ludwig Lange. Seine Schwarz-Weiß-Fotos aus den Jahren 1973 bis 2004 zeigen Straßen- und Naturszenen. Das Museum Reinickendorf stellt Lichterfelder Villen und Frohnauer Tümpel in der Humboldtbibliothek vor. „In der Galerieetage Alt-Hermsdorf widmen sich fast 150 Fotos dem Potsdamer Platz, von der Brache bis zu Wolkenkratzern“, sagt Museumsleiterin Cornelia Gerner.

Galerie in der Humboldtbibliothek Karolinenstr. 19, Tegel, U6 Alt-Tegel, 31.10.–18.12, Mo.–Fr. 11–19, Sbd. 11–16 Uhr. Galerieetage Alt-Hermsdorf im Museum Reinickendorf Alt-Hermsdorf 35, Hermsdorf, Bus 220 Almutstraße, 15.10.–29.1. So.–Fr. 9–17 Uhr