Stadt-Runde

Beschauliche Villenkolonie unweit der tosenden Avus

Das ehrende Gedenken an Politiker in Berlin mit Plätzen ist so eine Sache. Da haben es weder Ernst Reuter noch Theodor Heuss oder Walter Rathenau wirklich gut erwischt.

Der Rathenauplatz in Halensee beispielsweise, das Tor zum Grunewald, ist ein lauter Verkehrsknoten mit hässlicher Skulptur mittenmang: zwei in Beton gegossene Cadillacs von Rolf Vostel. Da hätte der liberale Politiker und Reichsaußenminister, der am 24. Juni 1922 in der Nähe der Koenigsallee 65 von zwei Rechtsextremisten mit fünf Schüssen getötet wurde, durchaus etwas Schöneres verdient.

Aber der Rathenauplatz ist nur Ausgangspunkt für eine Umrundung des Halensees, durch ein Viertel mit Prachtbauten verschiedener Epochen und Stile in überraschender Abgeschiedenheit. Es geht die Koenigsallee entlang, vorbei am Restaurant „La Forchetta“ mit vorgelagerter Strandbar mit dem kühnen Namen „Kudamm Beach“. Wenig später erreicht man die Wallotstraße mit ihren prächtigen Häusern, wie etwa das der Wissenschaftsstiftung Ernst Reuter (Nr.10) oder etwas später auf der rechten Seite (Nr.19) die zweite Villa derselben Institution.

Die Villenkolonie Grunewald entstand Ende des 19. Jahrhunderts. In den 1880er-Jahren verkaufte der Staat 234 Hektar des Forstes Grunewald an die Kurfürstendamm-Gesellschaft, die ein aufwendig angelegtes Wohnviertel errichten wollte. In diesem Zusammenhang wurde auch der Kurfürstendamm ausgebaut. An dessen westlichem Ende entstand die „Millionärskolonie Grunewald“.

Rechts hinein in die Erbacher Straße, immer wieder staunend auf imposante Villen und gewagte Neubauten treffend, geht es kurze Zeit später dann rechts in die Trabener Straße, wo im Haus mit der Nummer 68 der isländische Botschafter residiert. Kurze Zeit später erreicht man den Friedenthalpark , eine hügelige Gartenanlage.

Aus dem seit Ende des 19. Jahrhunderts bestehenden Ausflugsziel mit Wirtshaus und Attraktionen wurde das 1909 eröffnete Vergnügungsgelände Lunapark. Es war ein beliebtes Ausflugsziel und bis zum Ersten Weltkrieg Europas größter Vergnügungspark. Die Nationalsozialisten schlossen den Lunapark. Das Gelände wurde zum Landschaftspark umgestaltet, der im Sommer auch als Liegewiese von Nacktbadern genutzt wird.

Seit das gegenüberliegende Strandbad an einen Privatmann verkauft und in eine Strandbar umgewandelt wurde, ist der Park der einzige freie Zugang zum Halensee. 1997 wurde das Areal nach dem preußischen Politiker und Unternehmer Karl Rudolf Friedenthal benannt. Rathenau würde ihn sicher um diese im Vergleich schönere Ehrung beneiden.