Bühnencheck

Ein Drink auf den perfekten Mord

Die Londoner Skyline war Ablenkung genug, um Mitschüler David zu erdrosseln.

Kaum haben sie die Leiche in die schwere Truhe gewuchtet, treffen Brandon und Phillip Vorbereitungen für ihre Party. Denn Brandon (Gunnar Haberland) will seinen Triumph, den perfekten Mord begangen zu haben, vor ahnungslosem Publikum auskosten. Dem ihm völlig hörigen Phillip (Sebastian Freigang) hingegen gehen langsam die Nerven durch.

Mit seinem ersten Farbfilm „Cocktail für eine Leiche“ hat Alfred Hitchcock 1948 einen Genreklassiker geschaffen. Ursprünglich aber ist Patrick Hamiltons Kriminalstück „Rope“, so der Originaltitel, aus dem Jahr 1929 ein Kriminalstück in zwei Akten. Wolfgang Rumpf hat es nun im Kriminal Theater inszeniert und präsentiert den Krimi in ungewöhnlichem Look: Die achtköpfige Gesellschaft trägt ausschließlich (blut)rote Kostüme zum unfreiwilligen Leichenschmaus.

Mit viel pittoreskem Charme und teils verschrobenen Figuren bietet die Party zunächst seichten Smalltalk. Erst mit Ruperts (Peter Donath) Erscheinen gewinnt die Unterhaltung an Substanz und die Handlung spürbar an Spannung. Der Ex-Lehrer findet es seltsam, dass das kalte Büffet auf der Truhe aufgebaut ist, statt im Speisezimmer. Als Brandon arrogant seine These vom Mord als Kunst vertritt, schöpft Rupert Verdacht. Und die Champagnerlaune weicht langsam einem eiskalten Psychoduell.

Berliner Kriminal Theater Palisadenstr. 48, Friedrichshain, Tel. 47 99 74 88, 3., 10., 16. 10., 20 Uhr, 26. 10., 17 Uhr, Karten kosten 19–36 Euro.