Arnos Woche

Berliner Sterne

Arno Müller über Sinn und Unsinn von Miniportionen

Unsere Stadt ist ein Paradies für Feinschmecker. Waren gute Lokale noch vor wenigen Jahren eine Rarität in Berlin, gibt es inzwischen 13 Restaurants, die von Michelin mit insgesamt 18 Sternen ausgezeichnet worden sind. Dazu kommen etliche Köche, die hart daran arbeiten, einen der begehrten Sterne zu bekommen.

Jedes Mal, wenn ich in einem dieser Gourmet-Tempel bin, frage ich mich allerdings, ob es einen Michelin-Stern nur für schön verzierte Miniportionen gibt, für einen Hauch von Nichts? Das für mich ärgerlichste Erlebnis hatte ich in einem Restaurant, das erst vor kurzem seinen ersten Stern bekommen hat. Dort gibt es ein Menu zum Kennenlernen mit über 20 Gängen. Wenn man das hört, denkt man zunächst, dass man das nie schaffen würde. Weit gefehlt, danach hatte ich das Gefühl, dass ich nur Schaum und Brei gegessen hätte.

Als die Kellnerin mit dem ersten Nachtisch kam, fragte ich sie, ob das ihr Ernst sei und wann es denn etwas zum Kauen und zu beißen geben würde. Sie guckte mich überrascht an, brachte dann aber als Nachschlag noch zwei Gänge mit je zwei Fleischstückchen, die die Größe eines Sushis hatten. Wie an vielen anderen solcher Abende ging ich nach diesem Essen als erstes zu Hause an den Kühlschrank. Ich gehöre nun wirklich nicht zu den „Vielessern“, die Riesenportionen verdrücken können, aber was zu wenig ist, ist zu wenig.

Das geht nicht nur mir so. Kollegen einer Plattenfirma, mit denen ich in einem Berliner Gourmet-Restaurant war, wollten nach dieser Verköstigung gleich zur Currywurst-Bude gehen. Sie waren von den vier Gängen nicht satt geworden.

Mit einem anderen Freund habe ich die Kunst der Molekularküche genossen. Er lud mich danach schnell zum Italiener auf einen Teller Spaghetti ein. Egal, wie viele Sterne ein Restaurant hat – ich finde, der Gast, der viel Geld für ein gutes Essen ausgibt, sollte danach nicht nur gut gegessen haben, sondern auch satt sein. Sonst macht ihr Sterneköche etwas falsch.

Arno Müller ist Programmdirektor von 104.6 RTL und Moderator von „Arno und die Morgencrew“ (Montag bis Freitag von 5 bis 10 Uhr)