Bühnencheck

Ein Komiker auf Kuschelkurs

In seinen ersten sieben Lebensjahren, so erzählt Hans Werner Olm in seinem Programm, sei er so oft hingefallen, dass er sich fast ausschließlich von Sand und Fugenmoos ernährt habe.

Damals, als Kindheit noch etwas für knallharte Jungs war. Mittlerweile sei der Nachwuchs komplett verweichlicht, findet der Komödiant. Fällt ein Kind heute hin, geht es sofort ab zum MRT in die Röhre und anschließend zur Traumatherapie. Kein Wunder bei östrogenschwangeren Vätern, die nicht davor zurückschrecken, ihre Kinder wie Kängurus vor den Bäuchen vertäut durch Biocafés zu schleppen.

Auch, wenn sein aktuelles Soloprogramm den Titel „Kuschelkurs“ trägt, redet Hans Werner Olm nach mehr als 30 Bühnenjahren in seinem 17. Programm immer noch am liebsten Klartext bis an die Schmerzgrenze. Wie der Komiker Weicheier und Anpasser zur Schnecke macht, kann man hautnah in den Wühlmäusen erleben.

Der gebürtige Bochumer, Jahrgang 1955, der seit 1975 in Berlin lebt, gründete 1976 mit Jürgen von der Lippe die legendäre Blödeltruppe Gebrüder Blattschuss. Später als Solist war der zweifache Träger des Deutschen Comedypreises vor allem berühmt-berüchtigt für seine brachiale Figuren-Comedy. Glücklicherweise hat Olm fernab schriller Charaktere als Stand-up-Kabarettist zu früherer Höchstform zurückgefunden. Durchaus derb und teils unter der Gürtellinie, aber auch brillant und mit überraschenden Pointen. Olm gehört nicht zu den Hypersensiblen im Humor-Geschäft.

Oder wie er es nennt, zu den „metrosexuellen Spacken, die sich mit ihren Frauen um ein Stück Reiswaffel kloppen“. Politisch wunderbar unkorrekt und gegen den zeitgeistigen Trend schwimmend, gelingt Olm ein Abend voller befreiender, frischer Gags. Kuschelkurs geht anders, ist aber auch nur halb so spaßig.

Wühlmäuse Pommernallee 2-4, Charlottenburg, Tel. 30 67 30 11, 27.– 30.9., 20 Uhr, Karten kosten 20,50–27,50 Euro